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Banater Post

Kultur der Donauschwaben ist eine Bereicherung

Der Festakt zur Verleihung des Donauschwäbischen Kulturpreises 2017 des Landes Baden-Württemberg durch Innenminister Thomas Strobl fand in Gegenwart zahlreicher geladender Gäste am 29. November 2017 im Haus der Donauschwaben in Sindelfingen statt. Foto: Walter Tonţa

Innenminister Thomas Strobl mit den Trägern des Donauschwäbischen Kulturpreises 2017 (von links): Helmut Erwert, Herbert-Werner Mühlroth, Ilse Hehn. Foto: Walter Tonţa

„Donauschwäbische Kultur hat zuerst eine besondere Bedeutung für die Donauschwaben selbst, darüber hinaus ist sie aber auch für alle Deutschen wichtig, denn sie macht Erfahrungen zugänglich, die ansonsten verborgen blieben oder in Vergessenheit gerieten. Die donauschwäbische Kultur bereichert damit die deutsche Kultur um etwas ganz Besonderes, um etwas ganz Eigenes. Dieser eigene Ton hat es aber nicht leicht, in der deutschen Öffentlichkeit durchzudringen, das notwendige Gehör zu finden. Deshalb ist es gut und wichtig, dass es einen gesonderten Donauschwäbischen Kulturpreis gibt. Mit diesem Kulturpreis bekennt sich das Land Baden-Württemberg als  Patenland zu den Donauschwaben.“  Dies sagte der stellvertretende Ministerpräsident und Innenminister Thomas Strobl anlässlich der Verleihung des Donauschwäbischen Kulturpreises des Landes Baden-Württemberg am 29. November 2017 im Haus der Donauschwaben in Sindelfingen.

Mit dem seit 1966 vergebenen Preis werden Kulturschaffende geehrt, die sich um die donauschwäbische Kultur und die kulturellen Wechselbeziehungen zwischen den Donauschwaben und ihren Nachbarn in den östlichen Siedlungsgebieten besonders verdient gemacht haben. Der mit 5000 Euro dotierte Hauptpreis wurde der Lyrikerin und bildenden Künstlerin Ilse Hehn zuerkannt. Der Autor, Publizist und Übersetzer Herbert-Werner Mühlroth erhielt den mit 2500 Euro dotierten Förderpreis. Die mit 2500 Euro dotierte Ehrengabe ging an den Historiker und Autor Helmut Erwert.

Zum Festakt hatten sich zahlreiche geladene Gäste eingefunden, so die Landtagsabgeordnete Sabine Kurtz, der emeritierte Freiburger Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, die Generalkonsuln Serbiens und Ungarns in Stuttgart, Vertreter des Innenministeriums des Landes Baden-Württemberg, des Instituts für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde Tübingen, des Donauschwäbischen Zentralmuseums Ulm, des Hauses der Heimat Stuttgart, der landsmannschaftlichen Verbände. Die Landsmannschaft der Banater Schwaben war durch ihren Bundesvorsitzenden Peter-Dietmar Leber, den Landesvorsitzenden von Baden-Württemberg Josef Prunkl, Bundesvorstandsmitglied Werner Gilde sowie mehrere Kreis- und HOG-Vorsitzende vertreten.

Nach einem musikalischen Auftakt mit Johannes Brahms „Ungarischem Tanz Nr. 5“, dargeboten von den jungen Musikern Catherine Yvonne Szoncsó (Violine) und Daniel Weiß (Flügel), begrüßte Hans Vastag, Vorsitzender der Jury zur Verleihung des Donauschwäbischen Kulturpreises, die Preisträger, Laudatoren und Gäste der Veranstaltung. Die in vier landsmannschaftlichen Verbänden organisierten Donauschwaben seien zwar nicht die größte Gruppe unter den Vertriebenen und Aussiedlern, trotzdem gehörten sie zweifellos „zu den aktivsten und am besten integrierten Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland“, so Vastag. Um diese These zu untermauern, präsentierte er ein kleines „Who’s who“ bekannter donauschwäbischer Persönlichkeiten, die sich in der Bundesrepublik Deutschland auf verschiedenen Gebieten – Politik, Kultur, Wissenschaft, Kirche, Sport – besonders hervorgetan haben. Darüber hinaus seien Lehrer, Ingenieure, Ärzte, Musiker, Rechtsanwälte, Unternehmer, Handwerker und einfache Angestellte aus den Reihen der Donauschwaben angesehene Bundesbürger.

Es ehre das Land Baden-Württemberg ganz besonders, dass es sich dieser Bevölkerungsgruppe angenommen und bereits 1954 die Patenschaft über die Volksgruppe der Donauschwaben, 1998 zusätzlich auch jene über die Banater Schwaben übernommen habe, betonte Hans Vastag. Das Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde, das Donauschwäbische Zentralmuseum, das Haus der Donauschwaben und der Donauschwäbische Kulturpreis seien zentrale Elemente des Bekenntnisses zu den Donauschwaben. „Dass diese Patenschaften und Institutionen auch mit beträchtlichem finanziellem Aufwand vonseiten der Landesregierung betrieben werden, ist bekannt und ehrt dieses Bundesland besonders“, zumal nicht in jedem Bundesland der Kulturparagraph des Bundesvertriebenengesetzes so großzügig umgesetzt werde wie hier. „Deshalb gilt der Landesregierung, heute repräsentiert durch den stellvertretenden Ministerpräsidenten und Innenminister Thomas Strobl, der herzlichste Dank“, schloss Vastag seine Rede.

In seiner Festansprache ging Innenminister Thomas Strobl den von Außenstehenden aufgeworfenen kritischen Fragen nach, „ob es denn überhaupt eine spezifische donauschwäbische Kultur gebe und wenn ja, ob denn ein besonderer Kulturpreis überhaupt notwendig sei“. Ein Blick in die Vergangenheit zeige, welches die prägenden Faktoren für die Kultur der Donauschwaben seien. Aus der Zeit des Aufbaus einer neuen Heimat in Südosteuropa hätten die Donauschwaben „eine besondere Erfahrung der Entbehrungen“ mitgenommen, die mit dazu beigetragen habe, die ihnen im letzten Jahrhundert auferlegten schweren Prüfungen durchzustehen. Strobl erinnerte an die kollektive Verfolgung als stigmatisierte „Hitleristen“ und die erzwungene Aufgabe der bisherigen Lebensweise, an die Verschleppung zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion und die Zusammenpferchung in Internierungslagern unter unmenschlichsten Bedingungen, an die Verbannung in die Bărăgan-Steppe, an Flucht und Vertreibung und den mühevollen Aufbau eines neuen Lebens fern der vertrauten Heimat, an das schwere Leben unter der Knute eines autoritären Systems der in ihrer Heimat verbliebenen Donauschwaben.

„Ein solches Schicksal, eine Lebensgeschichte, die geradezu in zwei Teile zerfällt, kann man nicht einfach ablegen, das prägt“, unterstrich der Innenminister. Wer sich diese Geschichte vergegenwärtige, wundere es nicht, dass die donauschwäbische Literatur häufig um dieses besondere Geschick kreise, und verstehe auch, dass man deshalb von einer besonderen donauschwäbischen Kultur sprechen müsse. „Denn sie gründet in Erfahrungen, die der Mehrheit der Deutschen erspart geblieben sind, nicht kraft eigenem Verdienst, sondern nur dank eines glücklicheren Schicksals“, so Strobl.

Auf eine musikalische Einlage –  Oskar Riedings Werk „Concertino op. 21 in a-Moll“ – folgten die Laudationes auf die Preisträger. Die Laudatio auf Ilse Hehn hielt Rainer Goldhahn, Fachgruppenleiter Literatur der Künstlergilde Esslingen. Der Publizist Hans Vastag würdigte den Förderpreisträger Herbert-Werner Mühlroth, während der Historiker Dr. Ingomar Senz die Lobrede zu Ehren von Helmut Erwert hielt. (Auszüge aus den Laudationes veröffentlichen wir auf Seite 5.) Anschließend wurden die Preise durch Innenminister Thomas Strobl verliehen. Der Festakt endete mit dem zweiten Satz des Einzelkonzertes „Der Winter“ aus Antonio Vivaldis Werk „Die vier Jahreszeiten“. Möglichkeiten, miteinander ins Gespräch zu kommen, bot der anschließende Stehempfang.