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Banater Post

Heimatglocken läuten ein glanzvolles Fest ein

Dreizehn Trachtenpaare, angeführt von den Vortänzern Lilly Bugarin und Erwin Kreis, gestalteten zur Musik der Original Donauschwäbischen Blaskapelle Reutlingen das 61. Sackelhauser Kirchweihfest. Foto: Gerhard Schwarz

"Von dr Kerweih geft lang verzählt, awer of mol es se do“, sagten die Leute in Sackelhausen. „Of mol“ war in diesem Jahr Samstag, der 23. September, ein goldener Herbsttag. Echtes Kerweihwetter eben. Der Vorstand der HOG Sackelhausen hatte zum 61. Mal zum Kirchweih- und Heimatfest nach Reutlingen eingeladen und etwa 300 Landsleute und Gäste kamen.

Die Festgemeinde versammelte sich traditionsgemäß auf dem Friedhof Römerschanze, wo seit nunmehr 37 Jahren das Sackelhauser Denkmal steht, die Gedenkstätte für die in den beiden Weltkriegen ums Leben gekommenen sowie für alle verstorbenen Landsleute. Um 14 Uhr begann der Gottesdienst in der Aussegnungshalle. Als Pfarrer Peter Zillich mit den Ministranten und der Jubiläumsjahrgang 1957 in die Halle einzogen, erklang ein vertrautes Geläut: Die mittlere Glocke der Sackelhauser St. Michaelskirche war zu hören. Ihr Klang trug die Gedanken der Anwesenden dorthin, wo alles begann, was sie heute noch verbindet. Diesen Gruß aus der Heimat hatten Brunhilde und Hans Forro möglich gemacht.

Es ist zur Tradition geworden, dass die Sechzigjährigen den Gottesdienst mitgestalten. Diesmal übernahm Dr. Renate Hummel die Lesung, Hildegard Lutz, Margarete Müller und Elfriede Ortinau sprachen die Fürbitten. In seiner Predigt hob Heimatpfarrer Peter Zillich den Stellenwert des Kirchweihfestes im Banater Jahreskreis besonders hervor. Die Original Donauschwäbische Blaskapelle Reutlingen und der Banater Chor Reutlingen unter der Gesamtleitung von Johann Frühwald gestalteten den musikalischen Rahmen. Am Ende des Gottesdienstes segnete Pfarrer Zillich den Vortanzstrauß, den das Vortänzerpaar Erwin Kreis und Lilly Bugarin zum Altar gebracht hatte.

Anschließend begrüßte der HOG-Vorsitzende Hans Pless die Anwesenden; er dankte Pfarrer Zillich und allen, die am Festgottesdienst mit-gewirkt hatten. Ilse Pohr, die Sprecherin des Jahrgangs 1957, rief in
ihrer Ansprache Erinnerungen an das Heimatdorf wach und beschrieb den Werdegang ihrer Generation. Sie würdigte die Erziehung in der Banater Dorfgemeinschaft und zeigte auf, wie sich Heimatverlust und Heimischwerden in Deutschland auf die Betroffenen ausgewirkt haben.

Das Glockengeläute des Temeswarer Doms leitete dann zum Totengedenken über. Zu den Klängen eines Trauermarsches ging es zum Sackelhauser Gedenkstein. Der Jahrgang 1957 legte dort einen Kranz nieder, Pfarrer Zillich betete mit der Gemeinde für die Verstorbenen. Der Banater Chor und die Kapelle gaben der Gedenkfeier einen würdigen Rahmen. Noch lange nach der Feier war die Rasenfläche vor dem Denkmal voller Menschen, die einander begrüßten und angeregt miteinander plauderten. Manche hatte man seit Jahren nicht gesehen.

„Buwe, was hamer heit?“, hieß es dann am Abend in der Wittumhalle in Reutlingen-Rommelsbach. Um 19 Uhr marschierten 13 Trachtenpaare ein, allen voran das Vortänzerpaar Lilly Bugarin und Erwin Kreis. Erwin gehört zum Jubiläumsjahrgang 1957.  Der Trachtenzug bestand aus Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern. Dabei machten gleich drei Familien mit: Monika und Erich Buchmann mit ihren Kindern Martina und Andreas, Karin und Hans Kühn mit ihrer Tochter Martina, Dorothea und Richard Wetzler mit ihren Kindern Selina und Ben. Ben Wetzler (3) war der Jüngste im Zug. Zwei erfahrene Kirchweihväter, Walter Hedrich und Waldemar Koller, hatten die organisatorischen Dinge fest im Griff.

Souverän moderierte Hans Pless die Veranstaltung. Er begrüßte die Trachtenpaare und die Gäste, insbesondere die Ehrengäste: Josef Prunkl, Vorsitzender des Landesverbandes Baden-Württemberg der Landsmannschaft, Christine Neu, Stellvertretende Bundesvorsitzende der Landsmannschaft, Gabriele Gaiser, Stellvertretende Bezirksbürgermeisterin des Reutlinger Stadtteils Rommelsbach, sowie die beiden Ehrenvorsitzenden der HOG Sackelhausen, Nikolaus Fuhry und Michael Koppi.

Nach den Grußworten von Josef Prunkl und Gabriele Gaiser ging es weiter mit dem Spruch des Vortänzers, dem Vortanz und dem Tellertanz. Die jüngsten Trachtenträger erfreuten das Publikum mit der Vorführung von Tänzen, die sie mit Lilly Bugarin einstudiert hatten. Johann Frühwald und seine nimmermüden Musikanten sorgten dafür, dass die von Anfang an gute Stimmung immer besser wurde.
Seit Jahren ist es Sitte, beim Kirchweihfest Persönlichkeiten zu ehren, die sich in besonderer Weise für die Heimatortsgemeinschaft engagiert haben. Als sichtbares Zeichen der Anerkennung wird ihnen entweder der Kirchweihstrauß überreicht, der Hut oder das Tuch. Hans Pless nahm die Ehrungen vor und würdigte die Geehrten. Den bändergeschmückten Rosmarinstrauß erhielt in diesem Jahr Elisabeth Schwarz, die seit Jahren mit viel Liebe und Geschick den Vortanzstrauß schmückt und die Rosmarinsträußchen für die Ehrengäste vorbereitet. Der Hut wurde Josef Müller überreicht. Der Vollblutmusikant, der vor einigen Wochen seinen 80. Geburtstag feierte, gehört seit Jahrzehnten zum harten Kern der Blaskapelle. Das Halstuch durfte sich Monika Buchmann umbinden. Zusammen mit ihrem Mann gelingt es ihr immer wieder, die landsmannschaftlichen Veranstaltungen vortrefflich zu organisieren und mit Umsicht und durch beherztes Zupacken zum Erfolg zu führen.

Als Publikumsmagnete erwiesen sich die Fotoausstellung in der Wittumhalle und ein Film, der im Foyer gezeigt wurde. In der Ausstellung waren Fotos vom 60. Kirchweihfest (2016) zu sehen. Hans Pless  hatte Bilder von Gerhard Schwarz, Richard Ortinau und Patrick Schuller zusammengetragen, die Michael Schuller bearbeitete und auf Folie setzte. Hedi und Hans Pless, Michael Schuller und Annemarie Pittner gestalteten die Ausstellung.

Ewald Millichs Film kann mit Fug und Recht als ein Beitrag des Jubi-läumsjahrgangs 1957 zum guten
Gelingen des 61. Kirchweihfestes betrachtet werden. Ein Sacklaser wächst heran, geht seinen Weg, blickt zurück und über den Tellerrand, wertet das, was er gesehen und erlebt hat. Das ist die Quintessenz der ansprechenden Bilderfolge, die Ewald Millich seinen Landsleuten präsentierte, geistreich kommentiert in der Sprache, die der Autor spricht, in der er denkt und sicherlich auch träumt: schwowisch.

Alle Sacklaser sowie all jene, die gerne mit ihnen feiern, sollten schon heute wissen, dass am 22. September 2018 in Reutlingen das 62. Kirchweihfest gefeiert wird.