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Banater Post

Gertianoscher erhalten Hilfe aus Ansfelden

Feier auf dem Gertianoscher Friedhof anlässlich der Benediktion der katholischen Kirche in Gertianosch 2010

Die Ansfeldener Reisegruppe mit ihrem Bürgermeister Manfred Baumberger in Gertianosch

Nach dem Sturz des Ceausescu-Regimes 1989 haben die politischen Vorgänge in Rumänien auch in Österreich eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst, die in diesem Ausmaß als unerreicht angesehen werden kann. Spontan entschlossen sich einige Ansfeldner Vereine – Feuerwehr, Siedlerverein, Obst- und Gartenbauverein, Ortsbauernschaft, Volkstanzgruppe, Goldhaubengruppe, Sparkasse, Musikverein sowie die Pfarren Haid und Ansfelden –, eine Sammelaktion zu starten, um der notleidenden Bevölkerung in Rumänien zu helfen. Die Brüder Peter und Josef Potye, in Gertianosch im Banat geboren, übernahmen die Organisation der geplanten Hilfsaktion.

Nachstehende Personen gehörten der Aktionsgemeinschaft Rumänienhilfe an: Bürgermeister a. D. Gottfried Aschenwald =, Direktor Walter Schickmair, Direktor Michael Hochgatterer, Pfarrer Michael Mascherbauer, Dr. Johann Blasl, Prim. Dr. Walter Steinmair und Stadtrat a. D. Erwin Schönecker. Die erste Fahrt mit Hilfsgütern (Lebensmittel und Bekleidung) nach Gertianosch wurde schon am 9. Februar 1990 durchgeführt. Die Lastkraftfahrzeuge einschließlich der Fahrzeuglenker wurden von den nachstehenden Firmen kostenfrei zu Verfügung gestellt: DATTL „TAB“ Haid (Sepp Harlacher und Reinhold Schütz), „COCA-COLA“ Haid (Willi und Thomas Reisinger), VOG „GOLDPACK“ Linz (Franz Zehetner und Josef Denkmaier). Die Begleitpersonen der „Aktion Rumänienhilfe“ fuhren mit dem Gemeindebus, gelenkt von Erwin Oberndorfer. Dieser Gruppe gehörten auch die Brüder Potye an. In den Folgejahren wurden Kindergarten, Schule, Spital, Altersheim und viele weitere Einrichtungen mit Hilfs- und Gebrauchsgütern versorgt.

Unsere Ansprechpartner in Rumänien waren die Bürgermeister Ion Petruleasa, Stelian Milota, Nelu Balas und Ion Sima, die Pfarrer Wilhem Prinzinger und Johann Ghinari. In Gertianosch wurden wir von den Landsleuten Josef und Magdalena Wambach, Josef Schiltz, Karl Fodor und Floria Ungur unterstützt. In Temeswar fanden wir als Ansprechpartner Bischof Sebastian Kräuter, Bischof Monsignore Roos und Generalvikar Laszlo Böcskei. Beim Demokratischen Forum der Deutschen waren es Helmut Weinschrott und Josef Thierjung, die uns mit Rat und Tat zur Seite standen.

Als die Lebensbedingungen besser wurden und damit die Hilfssendungen in Form von Lebensmitteln und Bekleidung nicht mehr im Vordergrund stehen mussten, wurden die Ziele für weitere Hilfe auf eine andere Ebene gebracht. Für die Jahre 1991–1993 galt das Augenmerk der Errichtung eines Kriegerdenkmals auf dem Gertianoscher Ortsfriedhof. Die Brüder Potye erachteten es als Verpflichtung, den gefallenen Kameraden des Zweiten Weltkrieges und den auf der Flucht aus der Heimat in Serbien erschossenen Landsleuten ein Denkmal zu setzen. Eingeschlossen sind auch die Gertianoscher Frauen und Männer, die nach dem Krieg bei Zwangsarbeiten in Russland und in der Baragan-Steppe verstorben sind. Auch diese Initiative ging von den Brüdern Potye aus und wurde vom Vorstand der Heimatortsgemeinschaft Gertianosch unterstützt. Die Finanzierung erfolgte mittels Spenden der Gertianoscher Landsleute aus aller Welt. Der Aufstellungsort des Denkmals wurde inmitten der fünfzehn deutschen Soldatengräber festgelegt. Die Betonarbeiten wurden vor Ort durchgeführt, und die beschichteten Aluminiumtafeln mit den eingravierten Namen der Toten wurden nach den Plänen von Ing. Rainer Kloss in Linz angefertigt, nach Gertianosch transportiert und an Ort und Stelle auf den Betonsockel montiert (Gesamtkosten 39671 Schilling). Die Einweihung des Denkmals erfolgte am 11. September 1993 durch den Ortspfarrer Johann Ghinari und Pfarrer Michael Mascherbauer aus Ansfelden.

In den Folgejahren wurde eine Reihe weiterer Großaktivitäten durchgeführt. Im Jahre 2000 wurde bei einer Fahrt nach Gertianosch dem dortigen Bürgermeister eine komplette Ausstattung für ein Zahnambulatorium übergeben. Im Jahre 2003 wurde in einer Blitzaktion unter der Regie von Josef Potye die Stukkaturdecke der Ortskirche repariert, die abzustürzen drohte. Mit einem VW-Bus mit dem erforderlichen Material und Werkzeug machten sich Sepp Potye, Franz Weiss, Josef Amon und Franz Führlinger auf den Weg nach Gertianosch. In nur fünf Tagen konnten die Arbeiten abgeschlossen werden. Im Jahr 2004 ging ein langgehegter Wunsch der Gemeinde Gertianosch in Erfüllung: Zum Buchwert von einem Euro wurde von Herrn Trierenberg, dem Inhaber der Firma Feuerstein, ein Feuerwehrauto der Gemeinde Gertianosch übergeben. Die Übergabe des Löschautos an den Bürgermeister von Gertianosch Jon Sima erfolgte am 22. September 2004 durch den zu früh verstorbenen Ansfeldner Bürgermeister Walter Emhard und den Brüdern Josef und Peter Potye vor dem Stadtamt in Haid. Jon Sima lenkte den Löschwagen persönlich nach Gertianosch.

In den zwanzig Jahren „Ansfeldner Hilfe für Gertianosch“ wurden insgesamt 65 Fahrten mit Hilfsgütern im Wert von 411000 Euro nach Rumänien durchgeführt. Die Leistungen von Josef Potye wurden von der Gemeindeverwaltung seiner Heimatgemeinde anerkannt und mit der Ehrenbürgerschaft von Gertianosch gewürdigt. Das größte Vorhaben im Rahmen unserer Aktivitäten war die Restaurierung der im Jahr 1803 erbauten Kirche. Im Laufe des über zweihundertjährigen Bestehens der Kirche wurde der Kirchturm zweimal durch einen gewaltigen Sturm so stark beschädigt, dass er abgetragen werden musste. Aus Mangel an finanziellen Mitteln wurde der Kirchenturm nur behelfsmäßig eingedeckt. Bedingt durch das politische und wirtschaftliche System der Nachkriegszeit des Zweiten Weltkrieges in Rumänien war an eine Restaurierung der Kirche nicht zu denken.

Die Aktivitäten der Hilfsgemeinschaft „Ansfelden für Gertianosch“ der letzten beiden Jahrzehnte haben dazu beigetragen, dass das Projekt „Kirchenrestaurierung“ ernsthaft ins Auge gefasst werden konnte. Dank der großzügigen Spendenbereitschaft der in aller Welt verstreuten Gertianoscher, vieler deutscher und österreichischer Freunde sowie offizieller Dienststellen und Betriebe führte dazu, dass im Jahr 2008 mit den Restaurierungsarbeiten begonnen werden konnte und diese 2010 abgeschlossen wurden. Ausschlaggebend war die gute Zusammenarbeit mit der Diözese Temeswar, vor allem mit Bischof Monsignore Martin Roos und Generalvikar Laszlo Böcskei. Die Auftragsvergabe und die Überwachung der Bauarbeiten übernahm die Diözese Temeswar. Die eingegangenen Spendengelder wurden an die Diözese überwiesen, die auch die Endabrechnung mit der ausführenden Baufirma vornahm (Gesamtkosten 43856 Euro).

Zum 225-jährigen Ortsjubiläum wurde, verbunden mit der Benediktion der Kirche, eine Busfahrt von Deutschland über Österreich nach Gertianosch durchgeführt (September 2010). Unter den 65 Reiseteilnehmern waren 32 Österreicher – 20 davon aus Haid.

Ich möchte an dieser Stelle meines Berichtes meine besondere Anerkennung für das Wirken der beiden Ansfeldner Bürgermeister Gottfried Aschenwald und Walter Emhard aus jener Zeit zum Ausdruck bringen. Mit großer Freude haben wir die Zusage des amtierenden Ansfeldner Bürgermeisters Manfred Baumberger aufgenommen, an der Jubiläumsreise teilzunehmen. Bei der Anreise nach Temeswar machte die Reisedelegation einen Zwischenstopp in Lenauheim und Hatzfeld, wo das Nikolaus-Lenau-Museum und die Stefan-Jäger-Gedenkstätte besichtigt wurden.

Am 4. September 2010 nahmen die Ansfeldner am Festtag in Gertianosch teil. Zu Ehren des 225-jährigen Ortsjubiläums wurde ein Festgottesdienst von Generalvikar Johann Dirschl zelebriert und die Kirche geweiht. Hier trug der Haider Männerchor unter der Leitung von Paul Müller zur feierlichen Stimmung bei. Der Toten der beiden Weltkriege wurde mit einer Kranzniederlegung vor den Kriegerdenkmälern gedacht. Ein reichhaltiges Kulturprogramm mit verschiedenen Ehrungen rundete den Festtag ab. Tags darauf besuchten die Gäste aus Ansfelden das Adam-Müller - Gutenbrunn - Haus in Temeswar und den Wallfahrtsort Maria Radna. Der Besuch eines Weingutes war der gelungene Abschluss einer besonderen Reise.

Leitspruch bei allen Rumänien-Fahrten von Peter Potye war: „Nach Gertianosch fuhren wir heim und nach Ansfelden fuhren wir nach Hause!“