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Banater Post

Ein großer Wurf gelungen

Die Kinder- und die Jugendgruppe des Kreisverbandes mit den anlässlich des Marktplatzfestes geehrten Vereinsmitgliedern Brigitte Polling, Christine Wollanka, Manfred Ehmann und Franz Müller.

Die Tanzdarbietungen der Kinder- und der Jugendgruppe unter der Leitung von Brigitte Polling und Christine Wollanka fanden insbesondere bei der Spaichinger Bevölkerung großen Anklang und wurden mit viel Beifall belohnt. Fotos: Herbert Fetzer und Richard Mahalek

Banater Schwaben gestalten Marktplatzfest in Spaichingen - Während die Staats- und Regierungschefs der G20-Länder in der Elbphilharmonie Beethovens 9. Sinfonie hörten und Linke im Hamburger Schanzenviertel die Polizei mit Pflastersteinen bewarf, haben die Banater Schwaben ein großes Stadtfest in Spaichingen vorbereitet. Auf Anregung von Bürgermeister Hans Georg Schuhmacher, den Marktplatz während der Sommerzeit mit traditionellem Banater Brauchtum und kulinarischen Köstlichkeiten zu beleben, hat der Vorstand des Kreisverbandes Tuttlingen-Rottweil-Schwarzwald-Baar ein umfangreiches Konzept erstellt und dieses am 9. Juli auf dem neu gestalteten Spaichinger Marktplatz umgesetzt. Wie sich zeigen sollte, ging das Konzept voll auf. Im Mittelpunkt des Festes standen zum einen zwei Jubiläen – das vierzigjährige Bestehen der „Darowaer Dorfschwabenmusikanten“ und das zehnjährige Bestehen der Kinder- und Jugendtanzgruppe des Kreisverbandes – und zum anderen Ehrungen verdienter Mitglieder, die sich besonders in der Kultur- und Brauchtumspflege hervorgetan haben.

Es gab mehrere Gründe, eine solche Veranstaltung im Freien und nicht nur für Banater Landsleute, sondern auch für interessierte Spaichinger Bürger auszurichten, wohlwissend, dass Außenveranstaltungen sehr stark vom Wetter abhängig sind. Aber Petrus hielt den ganzen Sonntag seine schützende Hand über Spaichingen und so kamen die Besucher auch scharenweise. Viele blieben einfach nur stehen, lauschten den Klängen der beiden Musikkapellen, der „Darowaer Dorfschwabenmusikanten“ und des „Original Banater Echos“, die den ganzen Tag über für gute Stimmung sorgten, oder sahen sich die Volkstanzvorführungen der Kinder und Jugendlichen an.
Viele der Besucher wussten: Kommt man zu den Banater Schwaben, gibt es nicht nur etwas für den Leib, sondern auch ein kulturelles Programm – sie sollten nicht enttäuscht werden.

Wie alle am Fest Mitwirkenden haben sich auch die „Darowaer Dorfschwabenmusikanten“ unter der Leitung von Franz Müller bereits viele Wochen im Vorfeld auf diesen Auftritt vorbereitet, viel geprobt und sich auch Verstärkung von den Aldinger Sulzbachmusikanten geholt. Dadurch war es möglich, auf dem Marktplatz einen vollen Orchesterklang zu erzeugen und die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zu lenken. Die „Darowaer Dorfschwabenmusikanten“ hatten ihren ersten Auftritt im Herbst 1977 noch in der alten Heimat. Die Kapelle nahm Fahrt auf, ihre Auftritte mehrten sich und sie führte ihre Tätigkeit nahtlos in Deutschland weiter. Über all die Jahre haben die Männer um Franz Müller, zeitweise auch unter der Regie von Franz Mahalek oder Franz Pfilf, die Landsleute im Banat und in Deutschland mit ihrem vielseitigen Repertoire erfreut.

Mit viel Pepp präsentierte dann die Kinder- und Jugendtanzgruppe ihre flotten Tänze. Die Plätze an den Bierzeltgarnituren unter dem Dach der ca. 300 Quadratmeter großen Stadtloggia waren inzwischen gut belegt. Zu diesem besonderen Anlass hatten sich die Gruppenleiterinnen Brigitte Polling und Christine Wollanka wieder neue Choreographien für die Darbietungen ausgedacht. Die Tanzvorführungen fanden insbesondere bei der Spaichinger Bevölkerung großen Anklang.

Die Kinder- und Jugendtanzgruppe wurde 2007 ins Leben gerufen. Von Anfang an waren Brigitte Polling und Christine Wollanka dabei und haben die Kinder liebevoll betreut, ihnen nicht nur Tänze, sondern auch viel über das Banater Brauchtum vermittelt. Weit über sechzig Kinder haben so im Laufe der Jahre eine Grundausbildung im Tanzen erworben. Nach wie vor spielt man aber auch gerne Theater, veranstaltet Brauchtumsnachmittage, Ausflüge, Zeltlager oder Fastnachtsfeiern.

Eine reife Darbietung ihres musikalischen Könnens lieferten als nächste die Musikanten des „Original Banater Echos“. Manfred Ehmanns Orchester brachte ausgewählte banatschwäbische Blasmusiktitel zu Gehör. Dabei gelang es den Musikern, scheinbar ohne große Anstrengungen, sowohl Präzision als auch Dynamik trefflich umzusetzen. Dafür ernteten sie viel Applaus und Anerkennung aus dem Publikum.  

Ein weiterer Höhepunkt des Spaichinger Marktplatzfestes waren sicherlich auch die vorgenommenen Auszeichnungen von verdienten Verbandsmitgliedern. Kreisvorsitzender Richard Wagner und sein Stellvertreter Johann Polling überreichten die Ehrenurkunde der Landsmannschaft der Banater Schwaben an Brigitte Polling, Christine Wollanka, Manfred Ehmann und Franz Müller.

Brigitte Polling leitet schon seit der Gründung im Jahr 2007 sehr erfolgreich die Kinder- und Jugendtanzgruppe des Kreisverbandes. Mit dessen Unterstützung hat sie aus einer Gruppe von wenigen Kindern eine Tanzgruppe aufgebaut, die über 40 aktive Mitglieder umfasst. Es ist auch gelungen, das Angebot an Traditionspflege und Freizeitgestaltung für Kinder und Jugendliche enorm zu verbessern und ein hohes Maß an Zusammenhalt zu erreichen. Dank ihres Ideenreichtums und ihrer Einsatzfreude genießt Brigitte Polling bei den Eltern und bei unseren Kreisverbandsmitgliedern hohes Ansehen.

Christine Wollanka war von Anfang an stellvertretende Leiterin der Kinder- und Jugendtanzgruppe. Auch sie hat deren Entwicklung wesentlich mitgeprägt und sich durch ihr Engagement bleibende Verdienste erworben. Ihr liebevoller Umgang mit Kindern, der von großem Einfühlungsvermögen geprägt ist, macht sie zu einer Integrationsfigur und einer festen Größe innerhalb der Gemeinschaft. Auch sie opfert viele Stunden ihrer Freizeit für die Belange der Gemeinschaft und trägt durch ihren unermüdlichen Einsatz zu einer positiven Wahrnehmung unseres Verbandes in der Öffentlichkeit bei.

Manfred Ehmann hat vor 13 Jahren das Blasmusikorchester „Original Banater Echo“ aus der Taufe gehoben. Während dieser Zeit hat er viele Banater Schwaben zur konzertanten Blasmusik hingeführt und es geschafft, ein homogenes Ensemble aufzubauen. Er hat sich dabei – neben zahlreichen eigenen Kompositionen – der Pflege alter traditioneller Darowaer Blasmusik verschrieben. Mit viel Fleiß und großem Ehrgeiz sowie in zeitaufwändigem Einsatz widmet sich der Profimusiker zielstrebig der Verbreitung banatschwäbischen Kulturgutes nicht nur in Spaichingen, sondern im gesamten süddeutschen Raum.

Auch Franz Müller, der Leiter der „Darowaer Dorfschwabenmusikanten“, hat sich durch sein langjähriges Engagement außerordentliche Verdienste erworben. Die von ihm vor vierzig Jahren im Banat gegründete Kapelle setzte nach der Aussiedlung ihrer Mitglieder, von denen sich die meisten im Raum Spaichingen-Aldingen niederließen, ab 1990 ihr Wirken in der neuen Heimat fort. Franz Müller hat sich in all diesen Jahren sehr leidenschaftlich für die Blasmusik, aber auch für die Belange seiner Musikkameraden eingesetzt und unseren Banater Landsleuten unzählige wunderschöne Stunden mit traditioneller Blasmusik bereitet.

An dieser Stelle gilt es auch, ein herzliches Dankeschön den vielen fleißigen Helferinnen und Helfern zu sagen, die im Vorfeld der Veranstaltung viel Zeit und Planungsaufwand eingebracht haben. Aber auch für die gesunden Salate, das Backen von leckeren Torten und feinem Langosch sowie die vielen in der Küche und beim Bedienen der Gäste geleisteten Stunden ist der Kreisverband sehr dankbar. Besonderer Dank gilt den Frauen aus dem Vorstand sowie den Ehefrauen der Vorstandsmitglieder wie auch unseren treuen Helferinnen und Helfern aus Schwenningen.

Ein abwechslungs- und ereignisreicher Nachmittag ging seinem Ende zu und man konnte voller Genugtuung feststellen, dass den Banater Schwaben an diesem Tag ein großer Wurf gelungen ist. Denn in der Gemeinschaft der Spaichinger Bevölkerung voll angekommen zu sein, vermittelte nicht nur die Erkenntnis, dass wir – die Banater Schwaben und die Spaichinger – auf einen gemeinsamen Schatz an Volks- und Kulturgut sowie Brauchtum zurückblicken können, sondern auch den Eindruck, eines Freundes Freund zu sein.

Die „Schwäbische Zeitung“, das Spaichinger Lokalblatt, berichtete über die Veranstaltung unter dem Titel „Besondere Ehrung beim Fest der Banater Schwaben. Der Marktplatz war Anziehungspunkt bei Leckereien, donauschwäbischer Musik und Tanz“. Im Vorspann des Artikels heißt es: „Beim Marktplatzfest der Landsmannschaft Banater Schwaben am Sonntag ist wieder sehr zum Ausdruck gekommen, welch intensives Gemeinschaftsleben diese Bevölkerungsgruppe seit ihrer Umsiedelung in den Achtziger-Jahren in ihrer zweiten Heimat pflegt. Eine riesengroße Zahl von Besuchern bestürmte geradezu den Marktplatz.“