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Banater Post

Dreißig Jahre Banater Heimathaus Würzburg

Bei stündlichen Führungen durch das Haus präsentierte Katharina Haidt (rechts) die umfangreiche Trachtenpuppensammlung sowie die volkskundlichen Sammlungen des Museums.

Vor zahlreichem Publikum referierte Bernhard Fackelmann über die Auswanderung aus Franken in das Banat am Beispiel seiner Heimatdorfes Sanktmartin. Fotos: Cornel Simionescu-Gruber

Das Brauchtums- und Trachtenpuppenmuseum im Heimathaus der Banater Schwaben in Würzburg feierte am 28. Juli, anlässlich der 19. Kultur- und Heimattage der Banater Schwaben in Bayern, sein 30-jähriges Bestehen. Die Einladung zum Tag der offenen Tür wurde von vielen Landsleuten wahrgenommen. Foto: Cornel Simionescu-Gruber

Mit den Kultur- und Heimattagen der Banater Schwaben in Bayern, die zum ersten Mal 1981 in Nürnberg ausgetragen wurden, etablierte der bayerische Landesverband der Landsmannschaft der Banater Schwaben eine Veranstaltungsreihe, die im Zwei-Jahres-Rhythmus und jeweils in einer anderen Stadt bis auf den heutigen Tag fortgeführt wird. Es ist die traditionsreichste und auch größte landsmannschaftliche Veranstaltung in Bayern, deren Ziel es ist, an die angestammte Heimat zu erinnern, das kulturelle Erbe der Gemeinschaft zu bewahren, heimatliche Tradition und Brauchtum zu pflegen und öffentlichkeitswirksam zur Schau zu stellen.

Nach 1995 und 2003 fanden die Kultur- und Heimattage bereits zum dritten Mal in der Residenz- und Domstadt Würzburg statt. Die Schirmherrschaft über diese 19. Auflage hatte die in Würzburg beheimatete Präsidentin des Bayerischen Landtags, Barbara Stamm, übernommen. Am 28. und 29. Juli strömten hunderte Banater Schwaben aus ganz Bayern nach Würzburg und legten damit ein beeindruckendes Bekenntnis ab zur Herkunft und Tradition, zum Volkstum und zur Gemeinschaft wie auch zur bayerischen Heimat.

Dreißig Jahre Banater Heimathaus

Der erste Veranstaltungstag stand im Zeichen des 30-jährigen Jubi-läums des Heimathauses der Banater Schwaben in Würzburg, das ein Brauchtums- und Trachtenpuppenmuseum beherbergt und vom Kreisverband Würzburg betreut wird. Die 1987 durch die Bemühungen von Anna Luise Mecher, Peter Krier und Michael Pfeifauf und mit Unterstützung der Stadt Würzburg, der Regierung von Unterfranken und des Bundesministeriums des Innern eröffnete Einrichtung ist eine Heimstatt für ein Stück Banater Kulturerbe, das in die neue Heimat hinübergerettet werden konnte und hier erhalten werden soll.

Der Kreisverband Würzburg und die Betreuerin des Hauses, Katharina Haidt, hatten anlässlich des Jubiläums zu einem Tag der offenen Tür eingeladen. Erfreulicherweise sind viele Landsleute von nah und fern der Einladung gefolgt, sodass die Erwartungen der Gastgeber weit übertroffen wurden. Im Stundentakt bot Katharina Haidt Führungen durch die Ausstellungsräume an, bei denen sie den Besuchern die vielen kleinen Schätze präsentierte, die das Museum zu bieten hat. Neben den über hundert Trachtenpuppenpaaren, die ein anschauliches Bild von der Vielfalt der banatschwäbischen Trachten vermitteln, sind auch zahlreiche Originaltrachten und Brauchtumszubehör, Arbeitsgeräte, Möbel, Hausrat, Gebrauchs- und Zierkeramik, alte Fotografien und vieles andere ausgestellt. Ein besonderer Blickfang sind die typisch eingerichtete Banater „gute Stube“ und eine banatschwäbische Küche. Die Sammlungen des Heimathauses bieten einen umfassenden Einblick in die Volkskultur der Banater Schwaben und deren vielfältige Ausdrucksformen. Bei vielen Besuchern weckten die Exponate Erinnerungen an längst vergangene Zeiten.

Am Abend stand der Vortrag „Die Auswanderung aus Franken in das Banat“ auf dem Programm, zu dem sich zahlreiche interessierte Gäste eingefunden haben. Günter Kaupa, Mitglied des Landesvorstandes Bayern und Ehrenvorsitzender des Kreisverbandes Würzburg, begrüßte das Publikum und hieß die Ehrengäste willkommen: die Würzburger Stadträtin und Vorsitzende des Bürgervereins Heuchelhof, Christiane Kerner, Stadtrat Heinz Braun aus Heidingsfeld, dem Würzburger Stadtteil, in dem sich auch das Banater Heimathaus befindet, Pfarrer Adam Possmayer, Vertriebenen- und Aussiedlerseelsorger der Diözese Würzburg. Anschließend überbrachte Franz Schlechter, Sprecher der Heimatortsgemeinschaften, die Glückwünsche des Bundesvorstands der Landsmannschaft zum 30-jährigen Bestehen des Heimathauses der Banater Schwaben. Schlechter dankte Katharina Haidt, seit 2012 Betreuerin des Hauses, für ihr engagiertes Wirken. Sie sei ein Glücksfall für dieses Haus und bringe sich mit viel Herzblut und Leidenschaft ein, sagte er.    

Vortrag „Die Auswanderung aus Franken in das Banat“

Von außergewöhnlichem Engagement ist auch das Wirken von Bernhard Fackelmann innerhalb unserer Landsmannschaft geprägt. Der 67-jährige gebürtige Sanktmartiner ist stellvertretender Landesvorsitzender in Bayern, Vorsitzender des Kreisverbandes München und der Heimatortsgemeinschaft Sanktmartin. An diesem Abend aber präsentierte er sich dem Publikum als Lokalforscher, der mehrere Buchveröffentlichungen zur Geschichte seines Heimatortes vorzuweisen hat.

Mittels einer anschaulichen, gut strukturierten PowerPoint-Präsentation arbeitete Fackelmann die historischen wie die aktuellen Bezüge zwischen Sanktmartinern und Franken heraus. Im Zuge seiner langjährigen Recherchen zum Familienbuch von Sanktmartin, das 2011 erschienen ist, hatte er herausgefunden, dass die Vorfahren der Sanktmartiner 1724 aus Franken ausgewandert
waren. Der Referent erläuterte nach einem Exkurs über die Geschichte der Franken die Gründe und Umstände der Auswanderung, stellte die wichtigsten Auswanderungsorte vor, erwähnte den Abschiedsgottesdienst in der katholischen Kirche von Gerolzhofen, zu dem sich die 380 auswanderungswilligen Familien am 20. Mai 1724 eingefunden hatten, und beschrieb den Weg der Auswanderer von Gerolzhofen bis Regensburg, ab hier auf den „Ulmer Schachteln“ donauabwärts bis Dunaföldvár und von dort mit Leiterwägen bis Gyula, wo sie auf Gyula, Elek und Sanktmartin verteilt wurden.

Fackelmann betonte, dass die Ansiedlung nicht im Zuge des staatlich gelenkten sogenannten Ersten Schwabenzuges erfolgte, sondern es sich um eine privatherrschaftliche Ansiedlung durch Johann Georg Harruckern gehandelt habe. Harruckern hatte es vom Sohn einer Mühlviertler Weberfamilie aus ärmlichen Verhältnissen bis zum Verpflegungsfachmann der kaiserlichen Heere  und zum ungarischen Magnaten geschafft. 1729 wurde er in den Freiherrenstand erhoben. Der Referent skizzierte die Entwicklung des Dorfes Sanktmartin, wo sich 150 Familien aus Franken niedergelassen hatten, bis zur Rückwanderung in die Heimat der Ahnen im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts.

Im zweiten Teil seines Vortrags ging Bernhard Fackelmann auf die aktuellen Beziehungen der Sankt-martiner zur Herkunftsregion ihrer Vorfahren, insbesondere zur Stadt Gerolzhofen ein. Durch eine ganze Reihe von Veranstaltungen, darunter insbesondere die große 290-Jahr-Feier in Gerolzhofen im Jahr 2014, sei den Sanktmartinern ein viel beachteter Brückenschlag nach Unterfranken gelungen. „Die Urheimat unserer Ahnen ist jetzt wieder unsere Heimat – und so schließt sich der Kreis“, sagte Fackelmann zum Schluss. Der Vortrag stieß beim Publikum auf reges Interesse und wurde mit viel Beifall honoriert.

Unter dem Eindruck des an diesem Tag Erlebten, ergriffen die beiden anwesenden Würzburger Stadträte spontan das Wort. Die Stadt Würzburg könne sich glücklich schätzen, dass es das Banater Heimathaus seit drei Jahrzehnten gebe, dass die Banater Schwaben ihre Traditionen und ihre Trachten pflegten, sagte Christiane Kerner. Das Haus sei eine Bereicherung für Heidingsfeld, fügte Heinz Braun hinzu. Er sei beeindruckt vom Engagement und der Lebendigkeit dieser Gemeinschaft.

Bevor die riesige Geburtstagstorte angeschnitten und mit einem Glas Wein angestoßen wurde, dankte Franz Schlechter im Namen des Bundesvorstandes Günter Kaupa für seine Arbeit als Kreisvorsitzender und wünschte seinem jungen Nachfolger Patrick Stanek ein ebenso erfolgreiches Wirken. Katharina Haidt dankte Kaupa für die Unterstützung und überreichte ihm ein Präsent seitens der Seniorengruppe.