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Banater Post

Gedanken auf der Heimfahrt vom Perjamoscher Treffen

Der Jahrgang 1957 der deutschen Allgemeinschule von Perjamosch mit Klassenlehrer Johann Heiberger beim Klassentreffen in Karlsruhe. Das von Gerhardt Bittenbinder organisierte Wiedersehen fand im Rahmen des Perjamoscher Heimattreffens statt. Einsender: Gerhardt Bittenbinder

Auf der Heimreise von unserem Treffen prasseln die Regentropfen gegen die  Windschutzscheibe. Meine Gedanken sind noch in Karlsruhe: Wer war das erste Mal dabei? Wer war die Älteste, wer die Jüngste? Noch nie war mir ein Weg zu weit, um zu einem Treffen zu fahren. Ob in Landshut oder in Regensburg, ob in Ried im Innkreis oder in Siegen, ob in Düsseldorf oder Dormagen. Und jetzt Karlsruhe, schon zum dritten Mal. Wir hatten schon viele Treffen, aber diesmal war es, wie es ein junger eingeheirateter Alemanne ausdrückte, „ein Treffen mit viel Herzenswärme“. Es war sehr ergreifend, gefühlvoll, man hat die Seligkeit der Landsleute gespürt, die unterdrückten Tränen in den Augenwinkeln gesehen. Dreihundert Leute waren einfach glücklich, sie waren für einen Tag wieder in Perjamosch oder in Razampeter, sie waren „derhem“, sie umarmten und drückten sich herzlich, konnten von früher und von heute erzählen.

Wir waren angenehm überrascht, dass unsere jungen Leute bis in den frühen Morgen tanzten. Erstaunlich, dass es den „Zugeheirateten“ so gut gefallen hat. Einige Enkel oder Urenkel sollten ja nur Fahrdienste übernehmen, doch daraus wurde mehr. Einen jungen Mann fragte ich am frühen Morgen, wo denn seine Eltern seien, und er meinte: „Die habe ich ins Hotel zum Schlafen gebracht und ich bin wieder zurückgekommen, um weiter zu tanzen.“

Die „Lustigen Schwaben“ haben zur Herzenswärme beigetragen. Sie sangen Lieder über das Elternhaus und die Mutterliebe, über Heimat und Brauchtum. Im zweiten Teil, „Leit, wie doch die Zeit vergeht“, ging es um unser gelebtes Leben im Banat. Von der Taufe, der Kindheit und dem Schulbesuch über Hochzeit, Kirchweih und Schweinschlachten bis zur Ausreise. Der Zug in ein neues Land… Als dieser abfuhr, war es manch einem schwer ums Herz. Die Perjamoscher Ehepaare Hilde und Josef Klein sowie Anneliese und Dieter Schneider machen seit vielen Jahren aktiv bei den „Lustigen Schwaben“ mit, auch in der Tanzgruppe. Und dann kam die Leimener Tanzgruppe. Sie brachte richtige Kirchweihstimmung in den Saal und im Nu war die Tanzfläche voll.

Wir dachten gegen ein Uhr an ein Schlusslied, da kamen erst die Wünsche nach alten Walzer und Polkas auf. Ja, wir haben in Erwin Pfaffenrath einen ungekrönten „Polkakönig“. Es wurde bis zur Erschöpfung gezeppelt. Die „Müdgeglaubten“ sprangen wieder auf und tanzten.

Ich fahre noch immer im Regen, neben mir sprudeln die Nachrichten aus meinem Handy. Hilde Klein: „Scheen wors, komm gut heim!“ Gerlinde Pohl: „Es woor so scheen, nor heit kann ich vom viele Tanze nemmi laafe.“ Noch in Karlsruhe gaben wir uns das Versprechen: In zwei Jahren treffen wir uns wieder, aber dann in Rastatt.

Ja, die Regularien durften bei diesem Treffen nicht fehlen. Werner Gilde begrüßte die Teilnehmer im Namen des Bundesvorstandes der Landsmannschaft der Banater Schwaben. HOG-Vorsitzender Anton Enderle legte den Tätigkeitsbericht vor. Die Akzeptanz des „Perjamoscher Heimatbriefs“, der jedes Jahr kurz vor Weihnachten erscheint, sei nach wie vor groß. Gerda Krakker, die Vorsitzende des Hilfskomitees, organisiere die Zustellung von Brennmaterial für 33 deutsche Haushalte. Sie betreue in vortrefflicher Weise auch die Heimatortskartei. Elfriede Schuch habe Spenden des Düsseldorfer Rotary Clubs vermittelt, die Alten, Bedürftigen und Kranken zugutekommen. Enderle erwähnte auch, dass die beiden Friedhöfe im Auftrag der HOG gepflegt, die deutsche Grundschule und die Pfarrei finanziell
unterstützt würden und dankte den Perjamoschern für ihre große Spendenbereitschaft. Geplant sei ein Denkmal in der Ortsmitte, das als sichtbares Zeichen den Beitrag der deutschen Bevölkerung am Werden des Ortes dokumentieren soll.

Bei der Totenehrung wurde stellvertretend für die Verstorbenen der letzten zwei Jahre an Franz Ritter, langjähriges Vorstandsmitglied und Organisator der Treffen in Ried (Österreich) gedacht, des Weiteren an Tiberiu Goşa, viele Jahre Direktor des Lyzeums und des Kinderheims in Perjamosch.

Wendel Bittenbinder trug den von Karl Gillich verfassten Kassenbericht vor. Der beachtliche Reinerlös der Tombola kam dem Hilfskomitee zugute. Bücher über Perjamosch und das Banat sowie Veröffentlichungen von Perjamoscher Schriftstellern rundeten das kulturelle Angebot ab. Schwerpunkt der Bücherausstellung waren diesmal Veröffentlichungen des aus Perjamosch stammenden Schriftstellers Richard Wagner. Es war eine würdige Ehrung zu seinem 65. Geburtstag. Wagner hat in diesem Jahr zwei neue Bücher veröffentlicht. Der Gedichtband „Gold“ kann als Auswahl seines lyrischen Lebenswerks gewertet werden. Das Buch „Poetologik“ (zusammen mit Christina Rossi, die auch seinen Vorlass wissenschaftlich erschließt) reflektiert in Gesprächsform die poetologischen und ästhetischen Grundsätze seines umfangreichen Werks. Sehr lesenswert ist die Materialsammlung mit zum Teil heute nur schwer zugänglichen Texten aus den Jahren 1967-2015. Und für die Freunde der Ahnenforschung gab es etwas ganz Besonderes: Sie konnten im Original des Matrikelbuches von Perjamosch-Haulik (1883-1952) alle Einträge ihrer Familienangehörigen sehen und auch fotografieren.

Erfreulich, dass nach einem Spendenaufruf an die Landsleute aus Großsanktpeter ein Betrag zusammenkam, der für die Friedhofspflege in diesem Jahr ausreicht.

Die Pittersch Resi-God, mit ihren 89 Jahren die älteste Teilnehmerin, stellte treffend fest: „Scheen wor’s weder. Es sol me jede leed ton, der wo net debei wor.“