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Banater Post

Wir pflegen unsere Gemeinschaft weiter

Die 15 Trachtenpaare ließen Erinnerungen an die Kirchweihfeste, wie sie einst in Schöndorf gefeiert wurden, aufleben und verliehen dem Heimattreffen eine reizvolle Note. Foto: Brunhilde Forro

Auf dem Einlassschild des diesjährigen 19. Schöndorfer Treffens, das am 24. Juni stattfand, leuchtete den Besuchern die Pipatsch entgegen, ein Wahrzeichen unserer Banater Heimat. In einem Gedicht, das während des Programms vorgetragen wurde, heißt es: „Der Himmel neigt sich über jeden leisen Ort, / wo Ähren glühn / und blau gesprenkelt da und dort / Kornblumen und Pipatsch blühn.“ Das weckte in manch einem der älteren Teilnehmer Erinnerungen an die sommerlichen Getreidefelder unseres Herkunftsortes. So hefteten sie das Schild mit wissendem Lächeln an Hemd oder Bluse und betraten erwartungsvoll den Festsaal.

Die ersten der 240 Teilnehmer waren schon im Laufe des Vormittags eingetroffen, wollte man doch neben dem Feiern auch noch die Möglichkeit wahrnehmen, miteinander zu erzählen. Sie wurden dieses Mal mit einem Gläschen Raki „vun dahoam“ oder einem Weichsellikör, der in den späteren Jahren in Mode kam, von Mitgliedern des Vorstands empfangen. Währenddessen kamen nach und nach auch die Trachtenträger in die Stadthalle von Ostfildern, denn das Anlegen der traditionellen Gewänder braucht seine Zeit. Ebenso versammelten sich die Schöndorfer Musikanten, die bald vor dem Gebäude mit den ersten Walzern und Polkas für Stimmung sorgen sollten.

Am frühen Nachmittag setzte sich bei strahlendem Sonnenschein der Trachtenzug mit Marschmusik Richtung Kirche in Bewegung. Die 15 Paare, angeführt von dem Vortänzerpaar Werner und Herta Mayer und dem Nachtänzerpaar Christine und Sven Seitz, boten ein buntes Bild: Vorherrschend waren die leuchtenden Festtagskleider der Jugendlichen und jungen Frauen, aber auch Alltagstrachten und die typische Kleidung älterer Jahrgänge waren vertreten. Mehrere Generationen waren also beteiligt, wobei besonders das Kinderpaar Lena Klug und Ralf Dauttner, das die Strapazen eines solchen Auftritts tapfer auf sich nahm, die Aufmerksamkeit auf sich zog. Generationenübergreifend war aber nicht nur der Trachtenzug als Ganzes, sondern waren auch manche Einzelpaare. Mütter marschierten mit ihren Söhnen auf und brachten damit zum Ausdruck, dass die Pflege heimatlichen Brauchtums an die nächste Generation weitergegeben wird.

Einen ersten Höhepunkt des Tages stellte der Gottesdienst in der Kirche „Zur Heiligsten Dreifaltigkeit“ dar, wo der aus Hatzfeld stammende Pfarrer Robert Dürbach in bewegenden Worten an die Kirchweihfeste aus dem Banat erinnerte sowie an die Heimatkirchen, die dort für viele den Mittelpunkt des geistlichen Lebens verkörperten. Als Erinnerungshintergrund dienten ein Bild der Schöndorfer Kirche auf dem Altar und der davor platzierte Kirchweihstrauß. Musikalisch mitgestaltet wurde der Gottesdienst durch das in Höchstform agierende Bläserensemble unter der Leitung von Erhard Prohaska und den ebenso gekonnt auftretenden Kirchenchor, geleitet von Franz Kessner aus Neuarad. Gesungen wurde eine den Schöndorfern aus vielen Festgottesdiensten vertraute Messe von Franz Bühler (1760-1825). Das bekannte Gesangsduo Andrea und Melanie Mayer begleitete die Kommunion mit Schuberts „Ave Maria“ und dem bekannten Lied „Wenn die Welt dich lockt“, was die Besucher zu spontanem Applaus anregte. Wie jede Festmesse in Schöndorf endete auch dieser Gottesdienst mit dem Marienlied „Mit frohem Herzen will ich singen“.

Frohen Herzens verfolgten die Gäste auch den Aufmarsch der Trachtenpaare im Festsaal und die traditionellen Kerweihtänze. In den darauf folgenden Ansprachen der HOG-Vorsitzenden Anita Maurer und der stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft der Banater Schwaben, Christine Neu, wurde vor allem die Beteiligung der Jugend an den Treffen hervorgehoben und die damit verbundene Kontinuität in der Pflege des Brauchtums, hieß doch das Motto dieses Treffens „Wir pflegen unsere Gemeinschaft weiter“.

Den Kerweihstrauß ersteigerte diesmal der in Schöndorf geborene Pfarrer Johannes Bermel, der ihn der HOG-Ehrenvorsitzenden Barbara Hirth schenkte.

Das Programm wurde durch Auftritte von Jugendlichen bereichert: Ralf Dauttner, der die Besucher schon vor zwei Jahren mit der Schöndorfer Variante des Struwwelpeters unterhalten hatte, belustigte das Publikum mit dem Gedicht vom „Daumeluddler“. Laura Angner bewies gleich zweimal ihr Können durch den Vortrag eines Gedichts des Banater Heimatdichters Peter Jung und des Liedes „Zwei Herzen aus Gold“, das den Ehepaaren gewidmet war, die in diesem Jahr ein rundes Ehejubiläum feiern.

Der restliche Teil des Abends gehörte vor allem den Tänzerinnen und Tänzern. Die Banater Teck
Musikanten sorgten mit ihrem vielseitigen Repertoire für beste Unterhaltung und eine volle Tanzfläche bis weit nach Mitternacht. Die bis zum Schluss verbliebenen Besucher bildeten zum Abschied einen großen Kreis, fassten sich an den Händen und sangen gemeinsam das Lied „Wahre Freundschaft“.

Als am nächsten Morgen die Gäste, die am Ort der Veranstaltung übernachtet hatten, sich zum Frühstück trafen, hörte man den einen oder anderen sagen: „Jetzt haben wir hier so viel Zeit verbracht und trotzdem haben wir kaum miteinander gesprochen. Hoffentlich klappt es beim nächsten Mal.“ Seien wir also zuversichtlich. Ein Motto für das nächste Treffen ist schon angedacht: „Tradition pflegen, Neues wagen und Zukunft gestalten.“