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Banater Post

Bayern unterstützt deutsche Minderheit in Rumänien

Staatssekretär Johannes Hintersberger (zweiter von links) legte einen Kranz der Bayerischen Staatsregierung am Denkmal für die Opfer der Russlanddeportation vor dem Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus in Temeswar nieder. Foto: Bayerisches Sozialministerium

Staatssekretär Johannes Hintersberger besucht erstmals das Banat und Siebenbürgen - Der Freistaat Bayern bringt großes Interesse für die deutsche Minderheit in Rumänien auf, fühlt sich mit ihr verbunden und will sie weiterhin unterstützen. Dieses Fazit lässt sich nach der dreitägigen Besuchsreise von Staatssekretär Johannes Hintersberger im Banat und Siebenbürgen ziehen, die vom 10. bis 12. Mai stattfand. Auf dem Programm standen ausschließlich Begegnungen und Gespräche mit den Vertretern der deutschen Minderheit in den beiden traditionellen Siedlungsgebieten der Deutschen in Rumänien.

Begleitet wurde der Staatssekretär aus dem Bayerischen Sozialministerium, welches das Fachressort für Vertriebene und Aussiedler in Bayern ist, von den Bundesvorsitzenden der Verbände der Siebenbürger Sachsen, Herta Daniel, und der Banater Schwaben, Peter-Dietmar Leber. Aus dem Sozialministerium nahm Oberregierungsrat Uwe Fabritius an der Reise teil. Begleitet wurde die Delegation von den Konsuln der Bundesrepublik Deutschland in Temeswar, Rolf Maruhn, und Hermannstadt, Judith Urban.

Für Johannes Hintersberger war es die erste Reise nach Rumänien. Der studierte Lehrer und Wirtschaftsfachmann aus Augsburg wurde auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise aus dem Finanz- in das Sozialministerium überstellt. Hier arbeitete er sich auch schnell in den Bereich der Vertriebenen- und Aussiedlerpolitik ein, zumal in seinem Wahlkreis in Augsburg viele Angehörige dieser Gruppe leben.
Erste Station der Reise war Temeswar, wo Staatssekretär Hintersberger den Abgeordneten des Demokratischen Forums der Deutschen im rumänischen Parlament, Ovidiu Ganţ, und Vertreter des Banater Regionalforums traf. Abgeordneter Ganţ informierte über die Situation der Deutschen im Banat sowie über die aktuelle politische Situation im Land nach dem Wahlsieg der Sozialisten, denen fragwürdige Kampagnen vorausgingen sowie erratische Regierungsbeschlüsse folgten. Er dankte für die politische Unterstützung aus Deutschland, die sowohl der Staatspräsident als auch das Forum und die rumänische Zivilgesellschaft erfahre. Im Umkehrschluss sei diese Region auch für die deutsche Wirtschaft von Interesse, zumal in der Stadt und in der Region nicht nur der Unterricht in deutscher Sprache bis zum Abitur gewährleistet sei, sondern auch unzählige deutschsprachige Studiengänge angeboten werden.

Über das Schicksal der ehemaligen Russlanddeportierten, ihre Verschleppung und Zwangsarbeit nach dem Krieg, aber auch über das Wirken ihres Verbandes informierte dessen Vorsitzender Ignaz Bernhard Fischer. Lautstark und eindringlich legte er dar, was erlebt, erlitten und letztlich auch an Rechten für die ehemaligen Deportierten erstritten wurde. Am Denkmal für die Opfer der Deportation legte der Staatssekretär einen Kranz der Bayerischen Staatsregierung nieder.

Über das kulturelle Wirken des Deutschen Forums informierte die stellvertretende Vorsitzende Dagmar Șiclovan. Das Forum erfreue sich auch des Zuspruchs der jungen Generation, die über die deutschsprachigen Schulen einen Zugang zur deutschen Kultur findet. Es blieb dem langjährigen Direktor der Adam-Müller-Guttenbrunn-Stiftung Helmut Weinschrott vorbehalten, dem Gast das gleichnamige Haus mit seinen Bewohnern und die Ausstellungen zur Geschichte der Banater Schwaben zu zeigen. Von der Größe und Weitläufigkeit der Anlage, dem ruhigen Leben der Heimbewohner, aber auch dem Freizeitangebot war Staatssekretär Hintersberger sehr angetan.

Bei einem Rundgang durch die Stadt war er überrascht von deren Größe, den wuchtigen Bauten der Gründerzeit, den barocken Klein-odien der Altstadt. Bei der Besichtigung des Doms wurden die Gäste von Diözesanbischof Martin Roos, Kanzleidirektor Nikola Lauš und Archivar Claudiu Călin begleitet. Hintersberger, der dem Diözesanrat Augsburg angehört, konnte dabei so manche Bezüge einer gemeinsamen mitteleuropäischen Geschichte und Kulturgeschichte entdecken, die auch im Banat von einer neuen Generation gerade wiederentdeckt wird.

In Maria Radna war Domkapitular Andreas Reinholz ein freundlicher und sachkundiger Gesprächspartner, der die Wallfahrtskirche und deren wechselvolle Geschichte als neues Ziel vieler Gläubigen aus dem In- und Ausland vorstellte. Eine Gruppe aus Ungarn war da, für den Abend war ein Reisebus aus München angekündigt, für die folgende Woche auch. Es waren keine Banater Schwaben, sondern Pilger. 180000 waren es im letzten Jahr, Tendenz steigend.

Wohin Temeswar jetzt mit dem Titel „Kulturhauptstadt Europas“ 2021 kommen will, ist Hermannstadt schon vor 15 Jahren gewesen. Das muss man neidlos anerkennen, wenn man sich im Zentrum der Stadt bewegt. Es ist herausgeputzt, Touristen aus aller Herren Länder sind unterwegs und vom Charme dieser Stadt angetan. Bürgermeisterin Astrid Fodor hat das Erbe von Klaus Johannis angetreten. Die Probleme der Stadt sind auch die der anderen Städte Rumäniens. Steuergelder werden von der Zentrale in Bukarest verteilt, oft nach politischen Gesichtspunkten, Handwerker fehlten, gute Leute gingen in den Westen. Es werde dagegengesteuert, manches auch erreicht, aber es sei viel zu tun und vieles gleichzeitig. Das Deutsche Forum hat im Stadtrat die Mehrheit und das, obwohl die Deutschen mit 1500 Personen nur etwas mehr als ein Prozent der Stadtbevölkerung stellen. Anfang August werden es für einige Tage aber mehr als 10000 sein, so viele hatten sich schon zum Sachsentreffen in Hermannstadt angemeldet.

Einige von ihnen traf die Delega-tion innerhalb der Kirchenburg Großau. Es waren Männer aus dem Raum Geretsried in Bayern, die hier auf die Jagd gingen, mit den Motorrädern durch die Karpaten streiften und am Abend am Lagerfeuer gemeinsamen Erinnerungen nachhingen. Warum sie hier seien: „Das ist doch unsere Heimat“, war die klare und unmissverständliche Antwort. Spätestens beim Gesang waren alle Grenzen überwunden, Banater, Bayerische und Siebenbürger Stimmen harmonierten.
Der Sitz des Landes- und des Siebenbürger Forums befindet sich in Hermannstadt in unmittelbarer Nähe des Rathauses und des Bischofssitzes. Martin Bottesch, der Vorsitzende des Siebenbürger Forums, ist Mathematik-Lehrer am Brukenthal-Lyzeum und war Vorsitzender des Kreisrates Hermannstadt. Er kennt die schulischen und politischen Probleme der deutschen Minderheit sehr gut, er erläutert auch die Chancen, die im Aufrechterhalten der bestehenden Strukturen vorhanden sind.

Das Pendant zum Altenheim im Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus in Temeswar ist das Carl-Wolff-Haus in Hermannstadt, das von der evangelischen Theologin Ortrun Rein geleitet wird. Neben dem Altenheim hat sie noch ein Alten- und ein Kinderhospiz aufgebaut. Die Arbeit in diesen Einrichtungen erfordert eine besondere seelische Stärke. Vermehrt kämen jetzt die Schwächeren ins Heim, die früher noch von der Familie oder der Gemeinschaft in den Dörfern mitbetreut und aufgefangen wurden. Wo diese nicht mehr da seien, blieben die Menschen allein zurück. Im Banat hatte es Helmut Weinschrott ähnlich geschildert, die Probleme sind die gleichen und die Zahl der-jenigen, die sich um sie kümmern, ist auch geschrumpft.

Zwei Lichtblicke dann doch noch zum Schluss: In einer Betreuungseinrichtung für Schulkinder in schwierigen Familienverhältnissen, von der damaligen Sozialministerin Barbara Stamm eingerichtet, arbeitet engagiertes deutschsprachiges Personal, es kann schöne Erfolge vorweisen. Unter ihnen ist auch ein Lehrer aus Deutschland, der sich für diesen Weg entschieden hat.

Und am Flughafen in Hermannstadt höre ich plötzlich hinter mir im breitesten Banater Schwäbisch meinen Namen rufen. Günter Wagner, ein Jahrmarkter selbständiger Handwerkerunternehmer aus München, war mit Ausbildern der Handwerkerinnung München wieder in Siebenbürgen, wo Lehrlinge mit historischen Baumaterialien und sehr eigenständig ein altes evangelisches Pfarrhaus in Martinsdorf, 20 Kilometer südlich von Mediasch gelegen, sanieren dürfen. Sie machten dabei solche Fortschritte, dass das Programm weitergeführt wird. Das freut nun wiederum Staatssekretär Hintersberger sehr, der solche Programme immer wieder ins Gespräch gebracht hatte, aber auch die Handwerkermeister, die gleich die Bestätigung für ihr Wirken aus berufenem Mund erhielten.