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Banater Post

Auf der Suche nach Heimat: zwischen Tradition und Hoffnung

Dr. Markus Söder, Bayerischer Staatsminister der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat, richtete als Schirmherr der Jubiläumsveranstaltung ein Grußwort an die Nürnberger Banater Schwaben

Zu Beginn des Festes trugen die Kinder Gedichte zum Muttertag vor und erfreuten damit nicht nur die Mütter. Fotos: KV Nürnberg

Große Ereignisse werfen lange Schatten. Schatten kann, je nachdem, wohltuende Kühle spenden oder
einen frösteln lassen. Im Schatten der Feier „40 Jahre Kreisverband Nürnberg und 25 Jahre Kindertrachtengruppe“ brauchte keiner zu frösteln, denn es dürfte – nach der Resonanz beim Publikum zu urteilen – eine gelungene Feier gewesen sein. Gleich mit einem Lorbeerkranz durch die Tür ins Haus zu fallen, ist sicherlich nicht die feine Art, vor allem, da dieser Bericht vom Organisationsteam des Festes selbst verfasst wurde. Da kaum zu erwarten war, dass ein Dritter zur Feder greifen wird (in unserem Umfeld gilt das Schreiben als Fron), wollen wir unseren Auftrag mit diesem Bericht abrunden. Dabei objektiv zu bleiben, ist nahezu unmöglich, denn zu viel Herzblut haben wir investiert, um das Kind, das wir geboren, nicht auch lieb zu gewinnen. Aber wir wollen es versuchen.

Doch beginnen wir mit dem Anfang: Die Veranstaltung stand unter der Schirmherrschaft des Staats-
ministers der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat, Dr. Markus Söder, der sich nach 23-jähriger Mitgliedschaft in unserem Kreisverband in seiner Ansprache weiterhin dazu bekannte und uns als gern
gesehene Freunde bezeichnete, in deren Mitte er sich immer wohlfühle. Wir danken Dr. Markus Söder auch auf diesem Wege für sein Kommen, seine ausdrucksstarke und zugleich zum Schmunzeln anregende Rede, aber vor allem für seine klare und eindeutige Positionierung.

Das Fest stand unter dem Motto „Auf der Suche nach Heimat: zwischen Tradition und Hoffnung“. Warum gerade diese Überschrift? Nun, vielleicht, weil wir der Meinung sind, dass noch nicht alle angekommen sind. Noch immer nicht angekommen? Eine Behauptung, die bei einem Fest zum 40-jährigen Bestehen des Kreisverbandes, etwas gewagt klingen mag. Vierzig Jahre sind ein halbes Menschenleben, zwei Generationen – und dann eine solche Behauptung: „Auf der Suche nach Heimat“. Im Laufe der Präsentation setzten sich die Moderatorinnen mit den Begriffen „Daheim“ (im Banat) und „Zuhause“ (in Deutschland) auseinander und kamen zu dem Schluss, dass Heimat nur über diese beiden Begriffe definiert werden könne. Jedoch nur wer hier in Deutschland sowohl daheim als auch zuhause ist, sei auch angekommen.

Dass die Suche nach Heimat nur über die Tradition erfolgen kann, dass das Zuhause ohne die Tradition vom Daheim nicht vorstellbar ist, bezeugt das Wirken des Kreisverbandes Nürnberg im Laufe dieser langen Zeit. All seine Unternehmungen standen im Zeichen der Tradition von daheim – mit dem Ziel, das Zuhause so angenehm und so nahe wie möglich an das Daheim zu gestalten. Im Zeitraffer, anhand von Auszügen aus Artikeln der „Banater Post“, die das Vereinsleben der letzten 40 Jahre dokumentieren, versuchten die Moderatorinnen, Erinnerungen wachzurufen, Denkanstöße zu setzen, aber auch Vergleiche zu ziehen. Auf dem Schwabenball 1982 beispielsweise tanzten 700 Gäste – eine Zahl, die für heutige Verhältnisse astronomisch wirkt und jeden, der versucht, dem Verein Geist und Leben einzuhauchen, beinahe verzagen lassen könnte.

Aber als zweiter Begriff auf der Suche nach der Heimat steht die Hoffnung. Hoffnung? Ja, Hoffnung auf Fortbeststand, nicht nur des Vereins, sondern vielmehr des Bewusstseins, Banater Schwabe zu sein. Denn wenn die Generation, die hier daheim UND zuhause ist, mit dem Daheim ihrer Eltern und Großeltern nichts mehr anzufangen weiß, wenn sie nur noch fränkisch spricht und ihr Schwowisch zur Fremdsprache geworden ist, wer erinnert und gedenkt dann noch des Volksstamms der
Banater Schwaben?

Wer 25 Jahre Kindertrachengruppe feiern darf, sollte sich an dieser Hoffnung aufrichten können und daraus Mut und Kraft schöpfen, weiter zu machen und auch eine Antwort parat zu haben: Unsere Hoffnung sind die Kinder. Eben die Kinder, die zu Beginn des Festes ihren Müttern zur Muttertagsfeier Gedichte vortrugen, die mit ihrem Kindermund in Videobeiträgen während der Präsentation kundtaten, was sie von Proben, Trachten, Tanz, Spiel und Trachtengruppe im Allgemeinen halten. Possierlich und ungezwungen gaben sie lachend Antworten auf all diese Fragen: un-geschminkt, frank und frei, wie der Spatz auf dem Zaun. Den Zuschauern zur Gaudi, aber auch als Denkanstoß. Denn Kinder sagen die Wahrheit, die uns Erwachsenen manchmal verborgen bleibt oder die wir einfach verdrängen, um die Welt angenehmer, bequemer oder manchmal auch existenziell ertragbar zu gestalten.

Auf zwei Schwerpunkte der Präsentation sei hier besonders hingewiesen. In Zusammenhang mit der Danksagung an jene, die die Kindertrachtengruppe längst verlassen haben, weil sie inzwischen erwachsen sind, oder auch nur, weil sie andere Wege für ihre Freizeitgestaltung eingeschlagen haben, hieß es in der Präsentation:

„Die meisten der Ehemaligen haben ihre Tracht und auch ihre Tanzschuhe längst an den Nagel gehängt, und werden vielleicht sagen: Ich habe fertig! Wirklich fertig? Mag sein, dass der eine geschoben wurde, um mitzumachen, dass der andere lieber Fußball gespielt hätte und auch, dass mancher unter euch denkt: Ich habe damit nichts mehr zu tun.

Trotzdem, irgendwo, tief in euch drin wurde ein Pflänzchen gepflanzt, das zurzeit vielleicht vertrocknet und verkümmert in der Gegend eures Herzens sein Dasein fristet. Doch wer weiß, ob nicht eines Tages ein Tropfen Zufall auf das Pflänzchen fällt und dieses gedeihen und blühen lässt, wie die Rose von Jericho.“

Der zweite Schwerpunkt lag auf dem Respekt vor dem Mut der Kinder und deren Bereitschaft, die Tracht in der Öffentlichkeit zu tragen: „Danke den Kindern, die so viel Selbstbewusstsein hatten und haben, die Tracht in der Öffentlichkeit zu tragen, auch auf die Gefahr hin, von ihren Schulkollegen gesehen und dafür vielleicht belächelt zu werden. Wir leben in einer offenen und toleranten Gesellschaft, aber Kinder können grausam sein. Über den Dingen zu stehen, dazu gehört nicht nur Selbstvertrauen, sondern auch Mut. Danke allen Kindern dafür.“

Auf so einem Fest ist es üblich, Danke zu sagen: dem und jenem, vielen, allen, den Großen, den Kleinen, den Jetzigen und den Ehemaligen, den Musikern, den Gästen… Wo fängt man an, wo hört man auf? Um es kurz zu fassen: Alle Tanzleiterinnern, unter deren Obhut die Kindertrachtengruppe im Laufe der verflossenen 25 Jahre stand, wurden vom Kreisverband ausgezeichnet. Die Ehrung nahm die stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes Bayern der Landsmannschaft der Banater Schwaben, Helmine Buchsbaum, vor. Neben Frau Buchsbaum, die auch Stadträtin in Nürnberg ist, durfte der Vorsitzende des Kreisverbandes Nürnberg, Lucian Mot, in seiner Begrüßung zahlreiche Vertreter der Politik, befreundeter Verbände und des Hilfswerks der Banater Schwaben willkommen heißen.

Abgerundet wurde der Festakt mit dem Theaterstück „Der weite Weg zurück“, aufgeführt von Maria und Peter Warkentin, Schauspieler am Russland-Deutschen Theater Niederstetten. Zwar gab es schon im Laufe der Vorbereitungen und nach Bekanntgabe des Programms Einwände und Fragen, wieso ein russlanddeutsches Stück aufgeführt werden solle. „Gibt es denn nichts Schwäbisches, nichts aus dem Banat, das ihr zeigen könnt?“, lautete eine häufig gestellte Frage. Wir denken, dass die meisten, die das Stück an diesem Abend gesehen haben, unsere Wahl und Entscheidung passend fanden, denn der gespendete Applaus war reichlich und anhaltend. Und zu unserer Rechtfertigung für alle Nörgler und Zweifler: Die Geschichte der Deutschen ist seit Jahrhunderten eine der Auswanderung, der Enttäuschung, der Suche nach Heimat, der Verschleppung und Vertreibung und der Rückkehr. Da gibt es unzählige Parallelen zwischen der Geschichte der Russlanddeutschen, der Banater Schwaben und der Siebenbürger Sachsen, sodass es genügen würde, die Namen der Ortschaften auszutauschen, um dieselbe Geschichte von Hoffnung, Not, Leid und Enttäuschung zu erzählen. „Der weite Weg zurück“ – ein echt empfehlenswertes Stück!

Bleibt nur noch die musikalische Umrahmung des Festaktes zu erwähnen und den Musikern für die richtige Auswahl der Stücke, die meisterliche Interpretation und ihren Einsatz selbst zu danken. Der Abend war lang und noch länger wird er hoffentlich vielen in Erinnerung bleiben.