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Banater Post

Die Gottesbeziehung in der Gemeinschaft stärken

Der Wallfahrtsgottesdienst in der Gnadenkapelle des Loreto-Heiligtums in Ludwigshafen-Oggersheim wurde von Weihbischof Dr. Reinhard Hauke und Pfarrer Paul Kollar, Geistlicher Beirat des Gerhardsforums Banater Schwaben, zelebriert

Neben Hunderten von Gläubigen nahmen auch Vertreter der Landsmannschaft der Banater Schwaben sowie des Gerhardsforums Banater Schwaben an der Wallfahrt teil. Fotos: Cornel Simionescu-Gruber

Der Wallfahrtsgottesdienst wurde von Weihbischof Dr. Reinhard Hauke, Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für die Vertriebenen- und Aussiedlerseelsorge, und Pfarrer Paul Kollar zelebriert.

Auch wenn mit Pkw, Bus oder Bahn relativ leicht zu erreichen, bedeutet dieser Ort für manchen Wallfahrer doch noch einen ziemlich anstrengenden Weg. Aber bei all den Strapazen lässt man an diesem Tag, bei der Wallfahrt zur Gnadenkapelle des Loreto-Heiligtums in Ludwigshafen-Oggersheim, seinen Alltag hinter sich. Manche Dinge erscheinen plötzlich ganz unwichtig, und man vergisst sie sogar. Je mehr man seinen Alltag dann zurücklässt, desto mehr kann man sich seiner eigenen Gottesbeziehung, der Gemeinschaft der Landsleute und weiteren wirklich relevanten Anliegen widmen. Selbst der wolkenverhangene Himmel und der zeitweise einsetzende Regen konnten dieser Gemeinschaft nicht schaden. Denn diese Wallfahrt  ist ein wesentliches Element unseres Christseins und unserer donauschwäbischen Gemeinschaft im Rhein-Neckar-Gebiet und darüber hinaus geworden. Sie ist auch ein Bild für unser Leben, das ein Vorwärtsgehen ist, auf Gott hin, und so auch auf die Gemeinschaft derer, mit denen man Schicksal und Leben teilt.

Darüber hinaus ist das Hl. Haus von Nazareth in der Gnadenkapelle des Loreto-Heiligtums in Ludwigshafen-Oggersheim den Pilgern auch aus anderen Gründen wichtig. Das Heiligtum ist zum einen das Haus der Gottesmutter Maria. Hier ist Maria bei ihren Eltern Joachim und Anna groß geworden. Hier hat sie durch den Engel Gabriel die Frohbotschaft empfangen, dass sie die Mutter des Erlösers werden solle und hat ihr Ja-Wort gesprochen. Das Haus von Nazareth ist zum anderen aber auch in gewissem Sinn das „Elternhaus Jesu“. In ihm hat die Hl. Familie – Jesus, Maria und Josef – auf Erden gelebt. Jesus selbst hat, laut Tradition, hier einen Teil seiner Kindheit und seine gesamte Jugend verbracht. Das Wallfahrtsbild auf dem Altar im Heiligen Haus von Nazareth zeigt uns Maria. Über dem Bild von ihrem Sohn als Kind lädt sie ein, mit ihr auf Christus zu schauen: auf Christus als Kind und auch auf den Christus, den wir als den gekreuzigten Erlöser bei jeder Eucharistiefeier vor Augen haben. Von ihm erwarten auch die Wallfahrer den besonderen Segen für ihr eigenes Haus und für ihre Familien.

Zum Geläut der Glocken der Wallfahrtskirche erfolgte am 7. Mai um 11 Uhr der feierliche Einzug der Zelebranten und der Ministranten. Die Heimatortsgemeinschaften Lenauheim und Ebendorf waren durch Fahnenabordnungen vertreten (Werner Griebel beziehungsweise Cornel Simionescu-Gruber). Zugegen waren auch Jürgen Griebel und Walter Keller seitens des Bundesvorstandes der Landsmannschaft der Banater Schwaben sowie Adam Lulay seitens der Donaudeutschen Landsmannschaft Rheinland-Pfalz. Das Gerhardsforum Banater Schwaben war durch seine Vorsitzende Anni Fay vertreten.

Hauptzelebrant war Weihbischof Dr. Reinhard Hauke aus Erfurt, Beauftragter der Deutschen Bischofkonferenz für die Vertriebenen- und Aussiedlerseelsorge. Konzelebranten waren P. Darek Bryk, Guardian des Minoritenklosters in Ludwigshafen-Oggersheim, und Pfarrer Paul Kollar, Geistlicher Beirat des Gerhardsforums Banater Schwaben. Zu Beginn des Pontifikalamtes begrüßte Pfarrer Paul Kollar die Gäste und Wallfahrer.

Weihbischof Dr. Reinhard Hauke sagte in seiner Predigt: „Wir wachsen als Christen mit Bildern des Glaubens auf, die wir irgendwann einmal wirklich gesehen haben und die sich tief einprägten… Christus- und Marienbilder können dem entsprechen, was die Heilige Schrift mir sagt. Ich kann dann auch überlegen, warum zu bestimmten Zeiten Jesus und Maria in dieser und jener Weise dargestellt wurden. Ich weiß, wie sehr wir Menschen einerseits die Bilder brauchen und wir uns andererseits aber auch von bestimmten Vorstellungen lösen müssen, weil sie nur einen bestimmten Aspekt und eine bestimmte Sichtweise Jesu und Mariens zeigen können.“ Als Beispiel nannte er die beiden Bildworte aus dem heutigen Evangelium: „Ich bin der gute Hirt“ und „Ich bin die Tür zu den Schafen.“ Ausgehend von diesen Bibelstellen wies Hauke auf die Bedeutung der Feier einer solchen Wallfahrt und einer solchen Begegnung für die Heimatvertriebenen und Aussiedler hin.

Zur festlichen Gestaltung des Gottesdienstes trugen Organist Albert Schankula, die Blaskapelle „Pfalzklang“ aus Frankenthal unter der Leitung von Jakob Groß sowie der Chor der Donaudeutschen Landsmannschaft Frankenthal unter der Leitung von Katharina Eicher-Müller bei. Die Musikstücke des Blasorchesters, die Lieder des Chors und die Orgelbegleitung verliehen dem Gottesdienst besondere Glanzlichter. Die Kollekte erbrachte den Betrag von rund 654 Euro und kommt zu gleichen Teilen den Wallfahrtskirchen Maria Himmelfahrt und Maria-Radna zugute.

Vor dem Schlusssegen führte Weihbischof Dr. Reinhard Hauke Pfarrer Paul Kollar für weitere viere Jahre in das Amt des Geistlichen Beirats des Gerhardsforums Banater Schwaben ein. Die Vorsitzende des Gerhardsforums, Anni Fay, dankte in ihrem Grußwort Weihbischof Hauke für seine Anwesenheit in Oggersheim: „Das ist für uns auch gleichzeitig eine Ermutigung, nach acht Jahren guter Zusammenarbeit mit Pfarrer Kollar, diese auch in Zukunft fortsetzen zu können“. An Pfarrer Kollar gewandt, sagte sie: „(...) bei Ihnen bedanke ich mich im Namen des Vorstands des Gerhardsforums, dass Sie dieses Amt weiter führen wollen (…). Wir wissen das sehr wohl zu schätzen, vor allem, weil es neben Ihren vielen Aufgaben als Seelsorger ein Ehrenamt ist und doch einiges an persönlichem Einsatz und Zeit erfordert. Sie gehörten vor acht Jahren zu den Gründungsmitgliedern des Gerhardsforums und haben uns seitdem geistlich begleitet, mit uns Gottesdienste, Maiandachten und Kirchweihfeste gefeiert, mit uns gemeinsam vor einigen Jahren die 300. Deutsche Wallfahrt im südungarischen Máriagyűd begangen und unsere Anliegen als Aussiedler ernst genommen. Gleichzeitig helfen Sie uns, die Kontakte zu unseren Heimatdiözesen lebendig zu halten. Es braucht immer Visionäre wie Sie, die sich für eine Sache einsetzen, um unsere Werte weiter zu geben und um nicht zu vergessen, dass die Vergangenheit auch ein Teil von uns ist. Dafür sagen wir Ihnen ein herzliches Vergelts Gott und wünschen Ihnen Gottes Segen in Ihrer weiteren Tätigkeit als Priester und Geistlicher Beirat des Gerhardsforums.“

Mit dem Segen des Hauptzelebranten und dem Hymnus „Großer Gott, wir loben dich“, von der Blaskapelle begleitet, endete das Pontifikalamt. Zum Auszug sang der Chor das Marienlied „Wunderschön prächtige“.

Nach dem glanzvollen Pontifikalamt war der Wallfahrtstag aber noch nicht zu Ende. Wie schön Christsein in der Gemeinschaft sein kann, zeigte sich auch anschließend in der Oggersheimer Festhalle. Auch hier stellten die Wallfahrer unter Beweis, dass sie eine große Gemeinschaft sind. Das Team um den Vorsitzenden des Ortsverbandes Ludwigshafen der Banater Schwaben, Gotthold Abel, hat auch diesmal ein leckeres Gulasch aufgetischt. Ebenso gab es wieder eine riesige Kuchentheke aus
gespendeten Torten, Kuchen und sonstigem Gebäck. Pfarrer Kollar bedankte sich bei den freiwilligen Helfern, bei den Kuchenspenderinnen, bei den Organisatoren Käthe und Peter Schmidt für ihr Engagement. Während sich die Gäste am reichhaltigen Kuchenbuffet bedienten, spielten die Musikanten stimmungsvolle Lieder, wofür sie viel Lob ernteten. Großen Anklang fand auch die von Peter Schmidt im Foyer der Festhalle organisierte Fotoausstellung mit Kirchen aus dem rumänischen Banat.

Der Wallfahrtstag endete mit einer Marienandacht und dem Sakramentalen Segen. Davor fand das beliebte Marienliedersingen unter großer Beteiligung statt. Bevor Pfarrer Kollar bei der Maiandacht die Wallfahrer für diesen Tag bis zur Wallfahrt im nächsten Jahr am 6. Mai verabschiedete, bedankte er sich nochmals für die große Beteiligung und bei allen, die zum Gelingen des Tages beigetragen haben.

Papst Franziskus hat in diesem Jahr die vatikanische Zuständigkeit für katholische Wallfahrtsstätten neu geregelt. Die betreffende Kompetenz geht von der Kleruskongregation auf den Päpstlichen Rat zur Förderung der Neuevangelisierung über. In dem Erlass heißt es unter anderem, das Pilgern selbst und die Teilhabe an der Spiritualität der Wallfahrtsorte sei ein „Akt der Evangelisierung“. Zudem stünden solche Stätten auch „Kranken, behinderten Menschen und vor allem Armen, Ausgegrenzten, Flüchtlingen und Migranten“ offen. Sicherlich ist die Oggersheimer Wallfahrt für viele ältere Pilger eine physische Herausforderung, aber auch ein großes Erlebnis, ein wichtiges Glaubenszeugnis. Wer sich herausgefordert fühlt, setzt mit seiner eigenen Teilnahme und mit intensiven Gesprächen in seinem Bekanntenkreis ein weiterwirkendes Zeichen: „Was du kannst, das sollst du auch wagen!“