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Banater Post

Herbstfest in Reutlingen: Heidedorf Großjetscha im Blickpunkt

Mitwirkende beim Herbstfest in Reutlingen: Referent Dr. Norbert Neidenbach (links), die Kindertanzgruppe des Kreisverbandes Reutlingen sowie Mitglieder der Erwachsenentanzgruppen aus Reutlingen und Singen. Foto: Banater Knipser Reutlingen

Das traditionelle Herbstfest des Kreisverbandes Reutlingen steht jeweils unter dem Motto „Viele Dörfer – eine Heimat“. Genauso ist es Tradition, dass die Heimatortsgemeinschaft, nach deren Brauch das Kirchweihfest im Sommer ausgerichtet wurde, beim Herbstfest die Gelegenheit bekommt, sich den Besuchern vorzustellen. Da die Kirchweih 2016 nach Großjetschaer Art gefeiert wurde, hatte diesmal die HOG Großjetscha die Möglichkeit, ihre Heimatgemeinde am 6. November 2016 den zahlreich erschienenen Gästen im Mehrgenerationenhaus in Reutlingen vorzustellen. Der Zufall wollte es, dass die Veranstaltung fast auf den Tag genau stattfand, an dem die Großjetschaer ihre Kirchweih feierten. Ihre Heimatkirche ist dem heiligen Karl Borromäus geweiht, dessen Gedenktag am 4. November begangen wird.

Nach der Begrüßung und Vorstellung der Ehrengäste durch die Kreisvorsitzende Christine Neu bildete die vom Vorsitzenden der HOG Großjetscha, Dr. Norbert Neidenbach, vorbereitete Präsentation den ersten Programmpunkt. Die Präsentation stützte sich auf Informationen aus dem Nationalarchiv Budapest, dem Hofkammerarchiv Wien, der Historia Domus von Großjetscha und der Gemeindechronik von Johann Racher, die im Laufe vieler Jahre von dem Referenten und dessen Eltern zusammengetragen und ausgewertet wurden. Dr. Norbert Neidenbach ging zunächst auf die geographische Lage ein, die für die Hauptcharakteristik seines Heimatortes bestimmend war: ein typisches Banater Heidedorf, mit Landwirtschaft als hauptsächlicher, aber nicht einziger Erwerbsquelle seiner Bewohner.

Die Herkunft des Ortsnamens sowie die ersten urkundlichen Erwähnungen des Prädiums Jecsa wurden ebenso angesprochen wie die wechselhafte verwaltungsmäßige Zugehörigkeit der Gemeinde – alles mit Karten und Kopien von Dokumenten unterlegt. Der Referent hatte die Präsentation chronologisch aufgebaut und ging nur auf die wichtigsten Ereignisse und Entwicklungen in der nunmehr 250-jährigen Geschichte des Dorfes ein.

„Diese Geschichte besteht nicht nur aus Fakten, Zahlen und Landkarten. Es waren die Menschen des Dorfes, unsere Ahnen, die diese Geschichte geschrieben haben, die die Leistungen erbracht, gearbeitet und gefeiert haben, die ihre Sitten gut zweihundert Jahre erhalten und unsere Gemeinde zu dem gemacht haben, was sie zu ihren besten Zeiten war: ein schönes, sauberes, reiches Banater Heidedorf“, so der Referent. Angesichts des realistischen Bildes von Großjetscha, das Dr. Neidenbach zu vermitteln vermochte, waren die Rückmeldungen aus dem Publikum durchwegs positiv.

In der Pause bot die Banater Backakademie selbstgebackene Köstlichkeiten an, und es war auch noch genügend Zeit, um sich auf einen kurzen Plausch einzulassen. Der zweite Teil des Herbstfestes begann mit dem Auftritt der Kindertanzgruppe des Kreisverbandes Reutlingen unter der Leitung von Melinda Petla und Sabine Kirsch. Die Kinder haben ihre Darbietung sehr engagiert und fast schon professionell gemeistert und dafür auch den gebührenden Beifall erhalten. Es ist nicht immer einfach, Kinder und Jugendliche dafür zu motivieren, bei landsmannschaftlichen Aktivitäten mitzuwirken, aber die Leiterinnen der Tanzgruppe und der Vorstand des Kreisverbandes sind stets bemüht, die junge Generation einzubinden. Dank gebührt auch den Eltern, die die Kinder unterstützen und anspornen, sowie den beiden Näherinnen Erna Rosner und Magdalena Ortinau, die in ehrenamtlicher Arbeit die Kindertrachten geschneidert und genäht haben. Für ihren Einsatz wurden die beiden Frauen offiziell geehrt.

Die Tanzgruppen aus Reutlingen und Singen führten in der Arbeits-tracht der Banater Schwaben einen Tanz der Schnitter vor und boten damit eine Vorschau auf ihren Auftritt beim nächsten Großjetschaer Heimattreffen am 16. September 2017 in Rastatt. Als letzter Programmpunkt stand die Aufführung des Theaterstücks „Die Kur“ an, das aus der Feder von Michael Huschitt stammt. Die Darsteller Rosi Petla, Oswald Wolf und Raimund Klotzbier – Mitglieder der Theatergruppe des Kreisverbandes Reutlingen – spielten ihre Rollen gekonnt. Die Zuschauer belohnten die Pointen mit häufigem Zwischenapplaus und würdigten zum Schluss die Leistung der Mitwirkenden mit gebührendem Applaus.

Insgesamt war es ein gelungener Nachmittag sowohl für die Zuschauer wie auch für die Mitwirkenden. Fazit: Das Banat hat für so manchen noch unbekannte Flecken parat. Die jährlichen Kirchweih- und die darauf folgenden Herbstfeste tragen in ihrem Kern dazu bei, Tradition, Brauchtum und Geschichte einzelner Dörfer näher kennenzulernen.