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Banater Post

Neue Fakten über den Freikauf der Rumäniendeutschen

Dr. Heinz-Günther Hüsch (links) und Ernst Meinhardt bei der Tagung zum Thema »Freikauf« in Kissingen. Foto: Wilhelm Ernst Roth.

Szenenbild aus »Sold Out«, dem Theaterstück von Gianina Carbunariu, das im Frühjahr 2010 an den Münchner Kammerspielen Premiere hatte, und in dem der Freikauf der Rumäniendeutschen auf eindrucksvolle Weise thematisiert wurde. Foto: münchner Kammerspiele.

Die Rumäniendeutschen standen im Mittelpunkt einer Tagung, die vom 5. bis zum 10. Dezember 2010 an der Akademie Mitteleuropa im bayerischen Bad Kissingen stattfand.

Organisiert wurde die Veranstaltung, an der Gäste aus Deutschland, Rumänien und der Schweiz teilnahmen, von Studienleiter Gustav Binder. Besonderes Interesse erregte ein Vortrag, den Ernst Meinhardt über den „Freikauf der Rumäniendeutschen“ hielt. Der Redakteur der Deutschen Welle (Berlin) legte eine Übersicht aller Pro-Kopf-Beträge vor, die für ausgereiste Banater Schwaben und Siebenbürger Sachsen von 1969 bis 1989 von Bonn nach Bukarest geflossen sind. Bisher war nur ein Bruchteil dieser Zahlen bekannt. Dass sie jetzt komplett offengelegt wurden, ist das Verdienst des langjährigen Unterhändlers der Bundesregierung, Dr. Heinz-Günther Hüsch. Der Rechtsanwalt aus Neuss (Nordrhein-Westfalen) und ehemalige CDU-Abgeordnete des Deutschen Bundestags möchte so seinen Beitrag dazu leisten, dass die Wahrheit über dieses Kapitel deutscher, rumänischer und europäischer Geschichte ans Tageslicht kommt und dass Tatsachen an die Stelle unbewiesener Behauptungen und wilder Spekulationen treten.

Ernst Meinhardt, der aus dem Banat stammt, hat 2004 als erster bundesdeutscher Journalist mit Recherchen zum „Freikauf der Rumäniendeutschen“ begonnen. Er hat seither zahlreiche freigegebene Akten des Bundesarchivs in Koblenz und des Politischen Archivs des Auswärtigen Amtes in Berlin eingesehen und Bundespolitiker befragt, die sich in ihrer aktiven Zeit mit der Ausreise der Rumäniendeutschen beschäftigten. Er hat aber auch mit vielen Aussiedlern über ihre Erlebnisse und Erinnerungen an die Ausreise gesprochen. Als besonders fruchtbar erwiesen sich die Gespräche, die er mit dem Rechtsanwalt Dr. Heinz-Günther Hüsch führte. Dieser war von 1967/68 bis zum Sturz des kommunistischen Regimes in Rumänien im Jahre 1989 Beauftragter der Bundesregierung für die Verhandlungen mit der rumänischen Seite über die Ausreise der Rumäniendeutschen. Niemand weiß über dieses Thema besser Bescheid als er. Der Rechtsanwalt und ehemalige Bundestagsabgeordnete genoss das Vertrauen aller Bundesregierungen, ganz gleich ob in Bonn eine große Koalition, eine sozial-liberale oder eine christlich-liberale Koalition regierte. In ausführlichen Gesprächen und in einem ausgedehnten Briefwechsel gewährte Dr. Hüsch Ernst Meinhardt Einblick in seine Verhandlungen mit der rumänischen Seite und in die insgesamt sechs Ausreise-Vereinbarungen, die er in den mehr als zwei Jahrzehnten seiner Tätigkeit ausgehandelt hat. Seinem Verhandlungsgeschick haben es mehr als 210000 Rumäniendeutsche zu verdanken, dass sie in die Bundesrepublik Deutschland ausreisen durften. Nach der Wende bescheinigten ihm seine früheren rumänischen Verhandlungspartner, dass er mehr erreicht habe, als Bukarest zu geben bereit gewesen sei. Im Folgenden dokumentiert die „Banater Post“ / „ADZ“ den Vortrag, den DW-Redakteur Ernst Meinhardt am 6. Dezember 2010 in Bad Kissingen hielt. Ergänzt ist er um Fakten, die Dr. Heinz-Günther Hüsch in seinem eigenen Vortrag auf der Kissinger Tagung präsentierte, sowie um Details, die er Ernst Meinhardt danach zur Verfügung stellte.

Lesen Sie den Beitrag „Klarheit über Bonner Zahlungen“ von Ernst Meinhardt in der Banater Post Nr. 2 vom 20. Janaur 2011 (Seite 4).