Landsmannschaft der Banater Schwaben e.V.

Weihnachtsbotschaft S.E. Martin Roos, Bischof von Temeswar

SE Bischof Martin Roos, Bischof der Diözese Temeswar

Schwestern und Brüder im Glauben,

Weihnachten ist das Fest des Glaubens. Wir Menschen machen oft viele Worte. Je mehr der Worte wir machen, umso weniger glaubwürdig sind wir. Gott aber spricht nur ein einziges Wort; und dieses Wort wird Mensch zu Bethlehem, geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt (Gal 4,4). Mit diesem Wort spricht Gott uns an – sagt doch Christus selber zu seinen Jüngern: „Wer mich sieht, sieht den Vater“ (Joh 14,9). Gott offenbart sich durch Jesus Christus uns Menschen auf eine menschliche, verständliche Art und Weise. Gott wird Mensch, ein Kind. Gott ist immer gut für eine Überraschung. Und deswegen wählt er einen Weg, der mit dem unseren nicht gleich ist. Gott denkt anders, er denkt Gedanken des Friedens, der Versöhnung und des Erbarmens. Wir haben das Jahr der Barmherzigkeit abgeschlossen. Barmherzigkeit aber wird immer wieder von uns erwartet und verlangt, denn Gott hat uns alle angenommen, und so sagt Paulus zu Recht: „Nehmen auch wir einander an!“ (Röm 15,7). Deswegen sind wir in Christus Jesus Brüder und Schwestern. Wir haben den gemeinsamen Vater, der sich in Jesus Christus zeigt. Und wie Jesus seinerzeit seinen Zeitgenossen Erbarmen, Güte, Milde und Barmherzigkeit entgegengebracht hat, so erwartet er es auch von uns (vgl. Mt 25,40), gerade in diesen Tagen der Weihnachtszeit.

Gott wird Mensch, einer von uns, uns in allem gleich außer der Sünde (vgl. Hebr 2,17). Deswegen sind wir aufgerufen, miteinander diese Tage zu feiern. Jeder von uns sucht in dieser Zeit Geborgenheit bei einem Freund, bei der eigenen Familie, und deswegen ist die Weihnachtszeit immer auch eine Zeit, die Versöhnung schafft, denn Gott hat uns durch Jesus Christus mit sich und auch untereinander versöhnt. Wir sind daher berufen, in die Fußstapfen Jesu Christi zu treten, der im Stall zu Bethlehem eine Bleibe gefunden hat, weil er von den Seinen nicht aufgenommen wurde (vgl. Joh. 1,11). Gott aber zeigt hier seine Demut, seine Bereitschaft und Offenheit uns Menschen gegenüber. Jesus Christus, der Gott war, hielt nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde ein Mensch (Phi 2,7), wie du und wie ich.

Deswegen sind wir eingeladen, durch Jesus Christus uns Gott zu nähern und Gott die Antwort auf seinen Anruf in Jesus Christus zu geben. Gott zeigt sich uns Menschen, aber er erwartet auch unsere Antwort, sei es in Wort, sei es in der Tat. Deswegen sind wir als Christen aufgerufen, dem Menschen, der neben uns ist, das Gleiche zu tun, wie wir es von Gott her erfahren haben. Angenommen, offen, mit Güte, mit Milde und Geduld. Denn Gott hat eine große Geduld mit uns allen. Deswegen wünschen wir in diesen Tagen auch einander Gnade und Segen. In diesen beiden Worten ist alles mitenthalten, was wir unter Heil, Freude und Liebe verstehen. Deswegen wünsche ich Ihnen allen gnadenreiche und gesegnete Tage der Weihnachtszeit. Feiern wir miteinander, denn Gott hat sich unser erbarmt und uns angenommen.

In diesen Tagen fällt mir immer wieder ein altes, kindliches Weihnachtslied ein; seinerzeit haben wir es mit Begeisterung gesungen:

Ihr Kinderlein kommet, o kommet doch all’!

Zur Krippe her kommet in Betlehems Stall,

und seht, was in dieser hochheiligen Nacht,

der Vater im Himmel groß’ Freude uns macht.

 

Diese Freude wünsche ich Ihnen allen von ganzem Herzen!

Temeswar, am Heiligen Abend,

dem 24. Dezember 2016.

 

 

† Martin,

Bischof von Temeswar