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Banater Post

Feierlichkeiten zum 265. Kirchenjubiläum in Neubeschenowa

In der 265 Jahre alten Kirche zelebrierte der Generalvikar der Diözese Temeswar, Monsignore Johann Dirschl, eine Gedenk- und Dankmesse, die vom Chor der Temeswarer Domkirche musikalisch gestaltet wurde.

Zu den Klängen der Blasmusik zogen Geistliche, Ministranten, Trachtenträger und Gäste zum Friedhof, wo die Neuweihe der Rochus-Kapelle und die Enthüllung zweier Gedenktafeln stattfand. Fotos: Walther Konschitzky

Bürgermeister Alin Nica überreichte Konsul Rolf Maruhn ein Erinnerungspräsent. Foto: KMF

Das 265. Kirchenjubiläum von Neubeschenowa wurde zum Anlass genommen, um im Rahmen einer dreitägigen Veranstaltung auch einiger anderer geschichtlicher Ereignisse zu gedenken.

Am Samstag, dem 1. Oktober 2016, fand die Wallfahrt des Klerus (Priester und Ordensleute) nach Maria Radna statt, an der auch die Reisegruppe der ehemaligen Neubeschenowaer teilnahm. Auf der Fahrt nach Maria Radna wurde ein Zwischenstopp im Heimatmuseum Guttenbrunn eingelegt. Der für den Radna-Komplex zuständige junge Priester Ioan Cădărean führte die Reisegruppe durch das Klostermuseum. Nach der heiligen Messe in der Basilika zu Radna gab es ein Mittagessen mit Weinprobe in Paulisch.

Am Abend folgten wir der Einladung des Konsuls der Bundesrepublik Deutschland in Temeswar, Rolf Maruhn, in die Staatsoper zu den Feierlichkeiten anlässlich des Tags der Deutschen Einheit. Hier wurden wir sowie Bürgermeister Alin Nica aus Neubeschenowa (Dudeştii Noi) mit Gattin von Konsul Maruhn und dem aus Hermannstadt stammenden Regierungsrat im bayerischen Sozialministerium, Uwe Fabritius, begrüßt. Ausschnitte aus berühmten Opern und Operetten sowie Ballettvorführungen begeisterten das Publikum.

Am 2. Oktober wurde dann in Neubeschenowa gefeiert. Bürgermeister Alin Nica hatte die Ehre, den deutschen Konsul Rolf Maruhn, den Vizepräsidenten des Deutschsprachigen Wirtschaftsklubs Banat, Daniel Marcu, sowie die Schulleiterin des Nikolaus-Lenau-Lyzeums, Helene Wolf, zusammen mit zwei Lehrkräften dieser Schule, Andrea Reisz und Daniela Marcu, im Gemeindehaus willkommen zu heißen. Zu den Marschklängen der Timişoara Big Band unter der Leitung von Franz Hoffner marschierten fünf Trachtenpaare des Jugendtrachtenvereins „Banater Rosmarein“ (Leitung: Edith Singer) vom Gemeindehaus zur Kirche. Die heilige Messe wurde von Monsignore Johann Dirschl, Generalvikar der Temeswarer Diözese, zusammen mit dem Ortspfarrer Bonaventura Dumea zelebriert. Der Organist Róbert Bajkai-Fábián und der Chor der Temeswarer Domkirche sorgten für die musikalische Gestaltung der Messe. Es waren der ehrfürchtige Ort und die bekannten Lieder, die in den Augen der Gläubigen Tränen der Rührung erkennen ließen.

Die katholische Pfarrkirche zu Neubeschenowa wurde am 10. Oktober 1751 zu Ehren des Heiligen Wendelin zusammen mit dem Pfarrhaus und dem Friedhof durch Domherr Michael Slezak geweiht. Mit dem Bau des Gotteshauses nach den Plänen des Wiener Hofbaumeisters Johann Baptist Martinelli war am 15. August 1750 unter Pater Matthias Chwoika begonnen worden; die Grundstein-legung erfolgte durch den Mercydorfer Pfarrer Franz Anton Martinuzzi. Die Inneneinrichtung der Kirche wurde größtenteils von der Kaiserin Maria Theresia gespendet.

Das Gebiet, auf welchem sich derzeit der Friedhof befindet, wurde 1836 nach Ausbruch der Cholera, welche viele Menschen dahinraffte, als Gottesacker angelegt. Im Jahr 1844 erfolgte die Grundsteinlegung der Friedhofskapelle zu Ehren des Heiligen Rochus. Zur Sühnung wurde hier jährlich am Sonntag nach dem Rochustag (16. August) ein feierliches Hochamt mit Festpredigt abgehalten, zu dem auch Wallfahrer aus den umliegenden Gemeinden in Prozessionen gepilgert sind. Die Gemeindeverwaltung von Neubeschenowa hat 2016 die Restaurierung der Friedhofskapelle in die Wege geleitet und finanziert, so dass sie nun in neuem Glanz erstrahlt. Im Gedenken und zu Ehren der beiden Neubeschenowaer Geistlichen Josef Nischbach (1889-1970) und Johann Schmidt (1909-1980) wurden an der Kapelle zwei Gedenktafeln angebracht, deren Kosten die HOG Neubeschenowa getragen hat.

Nach dem Gottesdienst begaben sich die Teilnehmer der Jubiläumsfeier zum Friedhof, wo die sanierte Rochus-Kapelle neu eingeweiht wurde und die beiden Gedenkplaketten durch Generalvikar Johann Dirschl gesegnet wurden. „Ich habe mitbekommen, dass diese Kapelle von allen Ethnien und Religionen benutzt wird, also ist auch hier die für das Banat typische Multikulturalität zu spüren“, sagte Konsul Rolf Maruhn.

Anschließend wurde in der Ranch Robert gefeiert, wo erst die Trachtenpaare des Jugendtrachtenvereins „Banater Rosmarein“ zur Musik der Timişoara Big Band tanzten. Nach den Festreden erzählten der Diözesanarchivar Claudiu Călin und Hochschulassistent Dr. Mihai Panu aus der Geschichte des Ortes und des Banats. Die römisch-katholische Dorfkirche der Gemeinde mit ihren 265 Jahren ist eine der ältesten Kirchen im Banat. In diesem Jahr werden 300 Jahre seit der Befreiung Temeswars von der osmanischen Herrschaft durch die österreichischen Heere von Prinz Eugen von Savoyen gefeiert. Zu den interessantesten Aspekten, die sich auf Neubeschenowa beziehen, zählt eine Episode aus dem Ersten Weltkrieg, die mit dem dortigen Zeppelin-Flughafen verbunden ist. Von November 1915 bis April 1917 wurde der Lufthafen von Neubeschenowa von deutschen Luftschiffen als Basis genutzt. Heuer jährt sich zum 100. Mal der Absturz des Zeppelins LZ 86 nach einem Kampfeinsatz. Fünf der damals ums Leben gekommenen Luftschiffsoldaten sind auf dem Heldenfriedhof in Temeswar begraben. Auch mit einer anderen Geschichtsepisode steht Neubeschenowa in Verbindung. Die Bewohner von Neubeschenowa legten am 9. August 1850 ein feierliches Gelübde zum Dank für die Erhaltung der Gemeinde während der ungarischen Revolution 1848/49 ab, an der sich auch über hundert Bewohner des Ortes beteiligt hatten. Seitdem wurde der Tag als Gemeindefeiertag begangen. Die Entscheidungsschlacht des Revolutionskriegs fand am 9. August 1849 auf der Gemarkung von Neubeschenowa statt. 1905 wurde an dem bekannten Ort, mitten auf dem Feld, ein Obelisk zum Gedenken an die 54 namenlosen Helden des Freiheitskampfes vom 9. August 1849, die für ihr Vaterland starben, aufgestellt. Laut Aussagen ungarischer Geschichtswissenschaftler ist dieser Gedenkstein das einzige noch erhaltene Mahnmal der Revolution von 1848/49.

Das viergängige Mittagsmenü wurde traditionsgemäß mit der Dobosch-Torte abgeschlossen. Der Nachmittag verging wie im Fluge, weil die Teilnehmer sich viel zu erzählen hatten. Vor dem Abendessen mit „Mici“ gab es eine musikalische Überraschung: Die erst elfjährige Antonia Rădulescu bezauberte mit ihrer fantastischen Stimme das Publikum mit einigen Songs.

Die hervorragende Organisation des Ablaufs und der Bewirtung bei den Feierlichkeiten verdankt die HOG Neubeschenowa dem Reisebüro Redona mit der Inhaberin Monica Sere und Mitarbeiterin Teodora Munteanu. Auch die Töchter der beiden, Ava und Irina, waren mit Fotografieren und Gästebetreuung voll eingebunden. Ein herzliches Dankeschön!

Den 3. Oktober, den Nationalfeiertag Deutschlands und gleichzeitig auch 86. Geburtstag des Ehrenvorsitzenden der HOG Neubeschenowa, Matthias Wanko, verbrachten einige der Teilnehmer in den Gassen und auf dem Friedhof von Neubeschenowa. Ilse Adam aus Hamburg war das erste Mal in Rumänien. Sie hatte aus der Presse erfahren, dass es in Neubeschenowa Feierlichkeiten gibt, zu welchen sie sich mit dem Flugzeug auf den Weg gemacht hat. Frau Adam konnte sich ein Bild machen von dem Geburtsort ihrer Großmutter, wenngleich der Ort Neubeschenowa zum Ende des 19. Jahrhunderts sicherlich anders ausgesehen hat. Auch stand die Reisegruppe auf dem Terrain der ehemaligen „Fliegerhalle“ für Zeppeline vor den Überresten der beiden Bassins. In dem größeren der beiden werden Schweine gezüchtet. Eine Broschüre zu den Zeppelinen im Banat liegt vor und kann bei Interesse zugeschickt werden.