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Banater Post

Brauchtumsseminar der DBJT

Ein neuer Tanz wird einstudiert. Einsender der Fotos: Harald Schlapansky

Unter der Leitung von Hildegard Grimm fertigen die Kinder Puppen aus Maiskolben.

Haare einflechten mit Katharina Schlapansky

Musizieren mit Günter Kaupa

Line-Dance mit Theresia Teichert

Waffel-Backen mit Alwine Zippert

Damit die Sitten, Bräuche und Traditionen der Banater Schwaben in Zukunft nicht aussterben, organisiert die DBJT seit Jahren schon Brauchtumsseminare. Am ersten Novemberwochenende 2010 hat wieder ein solches Seminar stattgefunden, dieses Mal jedoch auf eine etwas andere Art und Weise. Denn haben sich bisher Tanzen und Trachtenpflege die Waagschale gehalten, so hat diesmal das Tanzen eindeutig überwogen, während an Stelle der Trachtenpflege einige Elemente aus dem ehemals schwäbischen Alltagsleben getreten sind.

Die Mitglieder der Tanzgruppen aus Reutlingen, Karlsruhe, München, Spaichingen, Crailsheim, Nürnberg, Esslingen, Singen und Würzburg sind am 5. November wie immer mit viel Vorfreude und Begeisterung, diesmal aber auch mit einer guten Portion Neugierde angereist. Niemand außer dem Organisationsteam kannte das neue Haus: ein ehemaliger alleinstehender Bauernhof, saniert und für Schulungs- bzw. Tagungszwecke umgebaut. Karina Lind hatte die Örtlichkeit im Auftrag der DBJT ausfindig gemacht und als zweckmäßig befunden. Stefan Mlynarczek hatte die Aufteilung der Zimmer sowie die Schlüsselübergabe übernommen und war somit der Erste, dem die „Ah, toll!“- und „Oh, super!“-Ausrufe der positiven Überraschung zu Ohren gekommen sind. Nach der Zimmerverteilung hat Harald Schlapansky (Vorstandsvorsitzender der DBJT und Hauptorganisator dieser Veranstaltung) alle herzlich begrüßt und die Hausordnung bekanntgegeben. Im Anschluss an das gemeinsame Abendessen stellte Gerhard Kappler das bekannte Einwanderungsbild von Stefan Jäger vor. Danach haben sich die Gruppenleiter und das Referenten-Team zurückgezogen, um den Verlauf des Seminars mit Gruppenaufteilung und Küchendiensteinteilung zu besprechen. Nach dem organisatorischen Teil kam dann endlich der musikalische Teil, den Günter Kaupa mit viel Freude und Engagement übernommen hatte. Er musizierte mit den Kindern und Jugendlichen. Auch die Erwachsenen haben eifrig mitgesungen. Dieses gemütliche Beisammensein dauerte bis spät in die Nacht.

Am Samstag nach dem Frühstück begann das Seminarprogramm in fünf verschiedenen Gruppen. Die erste Gruppe war im Bastelraum, wo am Vorabend schon eine kleine Fotoausstellung mit Trachten verschiedener Generationen und Nahaufnahmen der dazugehörigen Trachtenfrisuren angebracht worden waren. Diese Fotos kannten einige Mädchen schon vom Herbstseminar des vergangenen Jahres und haben sich gleich das Zopfmuster ausgesucht, wie sie ihre Haare eingeflochten haben wollten. Mit den Fotos daneben wussten sie nichts anzufangen: Es waren verschiedene Figuren, aus Maisblätter gebastelt. Dazu hatte Katharina Schlapansky einige „Kukruz-Phoppe“ (Puppen aus Maiskolben) ausgestellt, die ihre Mutter Anna Liep für das Seminar als Muster gemacht hatte. Anschließend wurden den Kindern Maiskolben ausgeteilt, die Harald Schlapansky eigens dafür aus seinem ehemaligen Heimatdorf Bakowa besorgt hatte. Hildegard Grimm bastelte mit den Kindern und zeigte ihnen, wie sie solche „Kukruz-Phoppe“ selbst machen konnten. Es war ähnlich wie einst in den schwäbischen Dörfern im Banat, wenn an herbstlichen Abenden am „Kukruz-Haufen“ während dem „Kukruz-Lieschen“ der Erwachsenen die Kinder ihren eigenen Beschäftigungen nachgingen. Anfangs waren die Seminarteilnehmer etwas skeptisch, doch dann haben sie richtig Spaß daran gefunden und selbst wunderschöne und originelle Puppen gestaltet.

Behilflich war ihnen dabei Katharina Schlapansky. Währenddessen las Lothar Blickling aus seinem Buch „So ward mer, meer Banatar Schwowe“ Mundarttexte vor. In der zweiten Gruppe haben die Kulturreferenten des Donau-schwäbischen Zentralmuseums von Ulm ihren Länderworkshop „Messe Europa“ gehalten und Groß und Klein viel Wissenswertes und Interessantes über die Geschichte, Kultur und Gesellschaft der Herkunftsländer der Donau-schwaben vermittelt. Den Walzer- und Polka-Grundkurs für die Jugendlichen und Erwachsenen leitete Harald Schlapansky in der dritten Gruppe und zeigte dabei, dass man sogar auf moderne Musik Polka tanzen kann.

Damit auch die Kleineren nicht zu kurz kommen, wurde in der vierten Gruppe mit ihnen die „Donauschwäbische Tanzfolge“ eingelernt unter Anleitung von Bianca Dornstauder und Emilia Ruttner mit Unterstützung von Gerhard Kappler. Bianca und Emilia haben nach der Tanzpause ihre Premiere als junge Tanzlehrerinnen gemacht und mit den jüngsten Seminarteilnehmern eigenständig die Tänze „Ritsch-Ratsch“ und „Zwei-Tanz“ eingeübt. Als Tanzpause gab es eine musikalische Einlage, in der auch die Musiker an die Reihe kamen und mit Günter Kaupa einige Lieder eingeübt wurden. Der „Kathi-Ländler“ ist mittlerweile schon ein Gemeinschaftstanz für alle Tanzgruppen geworden und war deshalb in der fünften Gruppe nur noch für Wenige neu. Danach haben Hilde Redl und Stefan Ruttner mit den Tänzern die Polka „Veilchenblaue Augen“ als zweiten Gemeinschaftstanz für alle Tanzgruppen eingelernt. Im zweiten Teil des Programms konnten die Tänzer zusätzlich zum bisher Gebotenen mit Theresia Teichert in die Tanzrichtung „Linedance“ reinschnuppern. Die Kinder hatten die Möglichkeit, unter Anleitung von Alwine Zippert und Mithilfe einiger der Begleiterinnen leckere Waffeln zu backen.

Um 15.30 Uhr haben dann alle Teilnehmer eine kleine Kaffeepause eingelegt und die große Auswahl an mitgebrachten Kuchen und Gebäck genossen. Dann folgte der letzte Teil des Programms mit entsprechendem Gruppenwechsel der Teilnehmer. Nach dem gemeinsamen Abendessen um 19 Uhr hat der wohlverdiente gemütliche Teil des Tages begonnen. Im Gemeinschaftsraum wurde in fröhlicher Runde getanzt und zwischendurch die schönen alten, aber auch neue Lieder gesungen. Während dieser Zeit haben Harald Wagner und Richard Lind die Videoaufnahmen vom Tanz-Seminar der drei Gruppen bearbeitet und für jede Tanzgruppe auf Datenträger gespeichert als Grundanleitung für die Tanzproben in den jeweiligen Gruppen. So hat dieser Tag für alle sein Ende erst nach Mitternacht gefunden. Nach dem gemeinsamen Frühstück am Sonntagmorgen hat in geschlossener Runde ein kurzer Rückblick mit Manöverkritik stattgefunden. Danach hat Harald Schlapansky sich bei allen Teilnehmern bedankt, besonders bei den Referenten, den Gruppenleitern, dem organisatorischen Team, der Kochakademie und ganz besonders bei Karina Lind für ihren Einsatz bei der Organisierung des Seminars. Anhaltender Applaus hat die Worte von Günther Kaupa begleitet, mit denen er sich im Namen aller Teilnehmer bei Harald Schlapansky bedankt hat für dessen Einsatz im Rahmen der DBJT im allgemeinen und dieses Seminars im besonderen.