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Banater Post

Tagung des Erweiterten Bundesvorstandes in Ulm

Die Mitglieder des Erweiterten Bundesvorstandes unserer Landsmannschaft tagten in Ulm. Sie besprachen ausgiebig laufende Projekte sowie Belange der Banater Schwaben. Foto: Jürgen Griebel

Die Situation der wichtigsten organisierten Gliederungen und die Perspektiven landsmannschaftlich organisierter Arbeit standen im Mittelpunkt der Sitzung des Erweiterten Bundesvorstandes der Landsmannschaft der Banater Schwaben, der am 22. Oktober im Kultur- und Dokumentationszentrum der Landsmannschaft in Ulm tagte. Bundesvorsitzender Peter-Dietmar Leber konnte hierzu sämtliche Mitglieder des Bundesvorstandes, die Landesvorsitzenden von Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz, den Vorsitzenden des Heimatverbandes der Banater Berglanddeutschen und den Vorsitzenden des Hilfswerks der Banater Schwaben begrüßen. In einem kurzen Rückblick auf das Jahr 2016 stellte er eine Vielzahl von öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen fest, eine angemessene Präsenz des Verbandes zu relevanten Fragen in Gesellschaft und Politik sowie eine neue und starke Hinwendung vieler Gliederungen zum ehemaligen Heimatort. Während die Kinder- und Jugendarbeit in der DBJT weiter Fortschritte gemacht habe, sei die Organisationsstruktur des Verbandes „verbesserungswürdig“. Manche Gliederungen hielten keine Versammlungen ab, protokollierten keine Sitzungen, seien mit Wahlen in Verzug. Deshalb sei es ungemein wichtig, rechtzeitig die kommende Generation in die Vorstände zu holen, sagte der Bundesvorsitzende. DBJT-Vorsitzender Harald Schlapansky erklärte, dass die Jugend vermehrt bereit sei, auch in der Landsmannschaft Verantwortung zu übernehmen.

Von einer erfolgreichen Arbeit der Jugend- und Trachtengruppen konnte auch der baden-württembergische Landesvorsitzende Josef Prunkl berichten. Die jahrzehntelange Förderung dieser Arbeit durch das Land Baden-Württemberg hat diese Entwicklung unterstützt, weshalb Kürzungen in diesem Bereich äußerst negative Auswirkungen hätten. Prunkl konnte auf traditionelle Veranstaltungen wie die jährliche Kulturtagung und das Volkstanzfestival mit Landestrachtenfest verweisen, die weit in das Land und darüber hinaus strahlten und den Bekanntheitsgrad der Banater Schwaben steigern. Hierfür habe der Landesverband seine Präsenz in den neuen Medien und sozialen Netzwerken verbreitert und erhöht.

In Rheinland-Pfalz ist das landsmannschaftliche Wirken vor allem in Frankenthal konzentriert, wo um das Donauschwabenhaus und den dortigen Kreisverband unserer Landsmannschaft ein Schwerpunkt landsmannschaftlichen Wirkens entstanden ist, so der Vertreter unserer Landsmannschaft im Landesverband Rheinland-Pfalz der Donaudeutschen Landsmannschaft, Adam Lulay. In dem Verband sind auch die Donauschwaben aus dem ehemaligen Jugoslawien und die Deutschen aus Ungarn organisiert, die sich jedoch mittlerweile schwer täten, die von ihnen errichteten Häuser und Strukturen zu erhalten.

Vor allem in den großen Ballungszentren Bayerns zeigen die in der Landsmannschaft organisierten Banater Schwaben in Bayern öffentliche Präsenz. Es gebe jedoch immer wieder hoffnungsvolle Zeichen in kleinen Verbänden, wenn sich eine Gruppe von Aktiven bildet und das Heft in die Hand nimmt, stellte Landesvorsitzender Leber die Situation in diesem Bundesland vor. Dort, wo Orts- oder Kreisverbände nicht mehr bestehen können, sollten die Vorstände größere Einheiten schmieden, um die Mitglieder einzubinden. Mit den Kultur- und Heimattagen erreicht der Verband seit 39 Jahren eine große
Öffentlichkeit, so auch im vergangenen Jahr in München mit großen Empfängen im Landtag und im Rathaus der Landeshauptstadt.

Differenziert analysierte der Vorsitzende des Heimatverbandes der Banater Berglanddeutschen Günther Friedmann die Situation des von ihm geführten Verbandes mit mehr als 600 Mitgliedern. Steigende Kosten bei sinkender Mitgliederzahl erfordern eine intensivere Zusammenarbeit zwischen dem Heimatverband und der Landsmannschaft, sind doch beide Verbände mit diesem Problem konfrontiert. Es wurden konkrete Schritte zur Bündelung der Kräfte diskutiert, die aber der Zustimmung der entsprechenden Gremien bedürfen. Von allen Ortschaften des Banater Berglandes mit ehemaliger deutscher Bevölkerung gebe es mittlerweile ein Familienbuch, lediglich jenes von Anina und Russberg sei noch in Arbeit, teilte Friedmann mit.

Zum ersten Mal vertrat Nikolaus Rennon in diesem Gremium das Hilfswerk der Banater Schwaben. Er lieferte den Teilnehmern einen umfassenden Überblick über das Wirken dieser Einrichtung in Deutschland und im Banat. In Ingolstadt betreibt der Verein das Seniorenzentrum „Josef Nischbach“, welches bei den Kontrollen der Aufsichtsbehörden stets beste Bewertungen erhält, im Banat wirkt der Verein als Mittlerorganisation des Bundes für die Altenheime im Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus in Temeswar, in Sankt-anna und Bakowa sowie die Sozialstationen in Billed und Großsanktnikolaus. Mittels dieser Einrichtungen werden von der dortigen Adam-Müller-Guttenbrunn-Stiftung als Träger – Direktor der Stiftung ist Helmut Weinschrott – täglich ca. 500 Landsleute betreut. Das Hilfswerk sei bestrebt, so Rennon, neue und jüngere Mitglieder heranzuziehen und verfolge in der Kulturarbeit (Online-Archiv der Werke des Malers Stefan Jäger) oder in der Jugendarbeit, gemeinsam mit der Landsmannschaft und der DBJT, eigene Projekte.

Die Sitzungsteilnehmer waren sich darin einig, dass weitere und neue Anstrengungen nötig sind, um Kultur und Geschichte der Banater Schwaben, die heute weltweit leben, nicht nur weiterzutragen, sondern auch zu vermitteln. „Öffnung ist angesagt, wir müssen versuchen vermehrt jene zu erreichen, die sich für uns, unsere Geschichte, unsere Kultur und unser Brauchtum interessieren, unabhängig davon, von wo sie stammen oder welche Wurzeln sie haben“, resümierte Bundesvorsitzender Peter-Dietmar Leber. Natürlich bleibe für uns der Bezug zum Banat nötig, es sei unser Alleinstellungsmerkmal. Mit Temeswar als Kulturhauptstadt Europas 2021 werde der Blick auf die ehemalige Hauptstadt des Banats und die gesamte Region gelenkt, ein Umstand, den es auch für die Banater Schwaben zu nutzen gilt.