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Banater Post

Juleica Upgrade 2.0: das Handwerk der Jugendarbeit

Teilnehmer aus den Reihen der DBJT am Juleica-Seminar (vorne, von links): djo-Geschäftsführer Hartmut Liebscher, Julia Polling, Melanie Furak, Stefanie Timmler, Ann-Kathrin Kobsa, Bianca Schummer, Referentin Annika Walser; 2. Reihe, von links: Patrick Polling, Christian Spreitzer, Johannes Krispin, Anna Lehmann, Lukas Krispin; nicht auf dem Foto: Ann-Kathrin Wagner, Leonhardt Hutter, Martina Lenhardt. Foto: DBJT

Fast ein Jahr nach dem ersten Seminar haben sich 14 DBJT-ler zur Fortsetzung des Juleica-Seminars vom 23. bis 25. September getroffen. Diesmal in Weil der Stadt, in der Landesakademie für Jugendbildung.

Die Jugendleitercard (Juleica) ist ein bundesweit einheitlicher Ausweis für ehrenamtliche Mitarbeiter in der Jugendarbeit. Sie bestätigt, dass ein 40-stündiger Kurs belegt wurde, in welchem Rechte und Pflichten für Leiter einer Gruppe sowie weitere interessante Themengebiete besprochen wurden. In vielen deutschen Organisationen, unter anderem beim Roten Kreuz und bei verschiedenen kirch-lichen Organisationen, findet diese Qualifikation große Anerkennung.

Diesmal waren nicht nur Teilnehmer der DBJT anwesend, sondern auch drei Mitglieder der Theatergruppe Art-Palast. Nachdem alle Teilnehmer angereist waren, wurden die Teilnehmer von Hartmut Liebscher, Geschäftsführer der djo Baden-Württemberg, und der Referentin Annika Walser begrüßt. Daraufhin informierte uns Annika darüber, was uns das kommende Wochenende erwarten würde.

Zwar kannten wir uns größtenteils schon, jedoch sollten sich alle Teilnehmer und die Referentin besser kennenlernen und dies geschieht nirgendwo so effektiv wie bei Kennenlernspielen. Damit wurde der Bezug zu unserer ersten Lektion Spielepädagogik hergestellt. Diese gehört zu den Methoden der Jugendarbeit. Es wussten zwar viele schon über die Verwendung der Spielepädagogik Bescheid, jedoch wurde uns zusätzlich noch deren Vielfältigkeit nähergebracht. Dabei gab uns Annika viele Tipps und Tricks um Spiele in Gruppenstunden durchzuführen und wir bekamen einige Spieleanleitungen vorgestellt. Wir tauschten uns aber auch untereinander aus und diskutierten verschiedene Ansätze.

Nach dem Abendessen konnten wir den Abend ausklingen lassen. Bei entspannten Gesprächen brachten wir Annika die Arbeit der DBJT und die Kultur der Banater Schwaben näher. Wir präsentierten ihr sogar den Tanz „Veilchenblaue Augen“, nachdem wir uns beim Seilspringen aufgewärmt hatten. Schon beim letzten Seminar hatte sich das Gesellschaftsspiel Activity etabliert und wurde diesmal fortgesetzt. Ein Whiteboard diente dazu, die Begriffe zu visualisieren. Der Abend schritt fort und irgendwann wurde es dann Zeit ins Bett zu gehen.

Mit einem energiereichen Frühstück begann der zweite Tag mit dem Thema: Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen. Es ging zu allererst um unsere Erwartungen an die Jugendarbeit und darum diese nicht nur aus der Sicht als Gruppenleiter zu betrachten, sondern auch aus Sicht der Gruppenmitglieder. Dadurch traten die Werte und Wünsche der Jugendlichen in den Vordergrund. Auch kam das Thema „entwicklungspsychologische Aspekte“ auf. Durch den Austausch zwischen den Teilnehmern merkte man, dass gruppenübergreifend dieselben Probleme auftreten und Konflikte, je nach Alter, einem bestimmten Muster folgen.

Eines der Themen, das man vor dem Seminar nicht auf dem Schirm hatte, waren Geschlechterrollen und -gerechtigkeit. Die Jungs durften die Rollenbilder und Vorurteile der Mädchen und anders herum erarbeiten und am Ende wurde darüber offen und ehrlich diskutiert.

Bei der Jugendarbeit spielt jedoch nicht nur das Beachten des Geschlechts eine Rolle, sondern auch die Sensibilisierung des Jugendleiters für unterschiedliche Interessen und Lebenssituationen. Wie soll man sich als Gruppenleiter verhalten, wenn es zu Interessenskonflikten in der Gruppe kommt? Ein wichtiges Instrument ist dabei die interkulturelle Bildung.

Was bei unseren Vereinsstrukturen gar nicht mehr wegzudenken ist, ist die Öffentlichkeitsarbeit und das Beherrschen des Umgangs mit den unterschiedlichen Medien. Es wurden nicht nur die Klassiker, wie Zeitung oder Soziale Netzwerke betrachtet, sondern man formulierte auch einen Radiobericht oder arbeitete an einem Film. Das Medium Film wurde an diesem Abend noch weiter vertieft. Anhand eines Schulungsfilms wurde uns klargemacht, welche Macht bewegte Bilder haben und wie schwerwiegend sie manipuliert werden können.

Nach dem Film waren alle erschöpft und wir machten an diesem Abend etwas früher Schluss und hatten somit wieder Zeit nach dem Abendessen miteinander ins Gespräch zu kommen und Spiele zu spielen. Das Whiteboard wurde auch an diesem Abend nicht verschont.

Der letzte Tag brach mit dem groß angelegten Thema Konfliktlösung und Umgang mit Notsituationen an. Dabei handelt es sich um ein Thema mit dem jeder in Kontakt kommt und vor allem als Gruppenleiter sollte man damit zurechtkommen. Wir spielten verschiedenste Situationen gedanklich durch und konnten auch viel Erfahrung aus unserem Vereinsleben einbringen.

Die beste Lösung für Konflikte ist Kommunikation und diese ist bei der Arbeit als Team unumgänglich. Kommunikation ist leider nicht immer die Lösung, sondern Kommunikation kann auch einen Konflikt entfachen oder sogar anheizen. Deswegen müssen Gespräche richtig geführt werden. Es geht darum dem Gegenüber das Gefühl zu geben, auf Augenhöhe zu diskutieren. Anhand eines Spieles durften wir am eigenen Leib erfahren, zu welch unterschiedlichen Ergebnissen es kommt, wenn man eine Anweisung mit und ohne Rückmeldung ausführt. Der Leser darf selbst überlegen, welches Ergebnis am Ende das bessere war.

So neigte sich das Seminar schnell dem Ende zu. Durch die intensive Arbeit und den Spaß bei der Sache verflog die Zeit wie im Flug. Das Erarbeiten der Themen mit unserer Referentin Annika brachte uns nicht nur in der Theorie weiter. Ich denke, dass wir viele neue Erfahrungen gesammelt haben, die wir in unseren Gruppen anwenden können, um mit alltäglichen Problemen besser zurechtzukommen.

Das gesamte Juleica-Seminar gab uns die Möglichkeit, die eigene Arbeit und das eigene Verhalten zu reflektieren und in einer großen Runde zu analysieren. Jeder hatte die Möglichkeit persönliche Erfahrung in den Raum zu stellen und sich von anderen Tipps geben zu lassen. Ich hoffe, dass dies nicht nur im Rahmen der Juleica stattfand, sondern sich auch Menschen in unserem Verband zukünftig in schwierigen Situationen unter die Arme greifen. Unsere kulturelle Brauchtumsarbeit kann nur fortgeschrieben werden, wenn wir mit der Zeit gehen und Konflikte und Differenzen so schnell wie möglich aus der Welt schaffen. Vielen Dank an Hartmut Liebscher für die Möglichkeit, das Handwerk der Jugendarbeit, von solch kompetenten und freundlichen Menschen wie Johanna Bontzol und Annika Walser näher gebracht zu bekommen. Dies professionalisiert nicht nur die Arbeit in unserem Verband, sondern bringt auch jeden Einzelnen menschlich weiter. Ich hoffe, dass wir damit einen Grundstein für weitere Seminare gelegt haben, denn diese sind eine Erfahrung, die jeder machen sollte.