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Banater Post

Eindrucksvolle Kirchweih zum 230. Jubiläum

Eine kleine Dorfgemeinschaft feierte, auch dank sehr aktiven und traditionsbewussten Trachtengruppe Würzburg/Wetschehausen, ihr Ortsjubiläum ganz groß. Foto: Franz Ottohal

„Morgenstern“ nannten die ersten Ansiedler das 1786, am äußersten Rand der Banater Hecke angelegte Dorf. Die offizielle Bezeichnung lautete jedoch Vecseháza, benannt nach dem Kameraladministrator Nikolaus Freiherr von Vecsey, der die Ansiedlung dieser Ortschaft förderte. Davon leitet sich das von den Deutschen als Ortsname gebrauchte Wetschehausen ab. 230 Jahre danach erinnerten die Wetschehauser im Rahmen ihres Heimatortstreffens mit Kirchweihfest an die Ortsgründung. Um das Jubiläum ihres Heimatdorfes zu feiern, kamen sie am 17. September aus allen Ecken Deutschlands nach Würzburg. In ihren Reihen durften sie auch Landsleute und Freunde aus anderen Banater Ortschaften begrüßen, ebenso die beiden Gastgruppen aus Crailsheim und Spaichingen.

Im Mittelpunkt des Treffens stand natürlich das Kirchweihfest. Angeführt wurde der Kirchweihzug vom Vortänzerpaar Verena Zippert und Benjamin Streitmatter. Dem buntgeschmückten Kirchweihstrauß folgten rund fünfzig Trachtenträgerinnen und -träger. Heimatpfarrer Adam Possmayer, Vertriebenen- und Aussiedlerseelsorger der Diözese Würzburg, empfing den feierlichen Trachtenzug sowie die Kirchweihgäste in der Heilig-Kreuz-Kirche zum Festgottesdienst. In seiner Predigt ging Pfarrer Possmayer auf das Dorfjubiläum ein und lobte den Zusammenhalt und das Miteinander der Wetschehauser. Die musikalische Umrahmung an der Orgel übernahm kurzfristig Kantor Franz Meisel. Die heilige Messe hinterließ bei allen einen tiefen Eindruck, zumal sich viele an die schönen Kirchweihfeste in der alten Heimat erinnert fühlten.

Nach dem kirchlichen Segen und dem obligatorischen Gruppenfoto marschierte der Kirchweihfestzug zügig Richtung Gemeindezentrum Heiligkreuz, da der himmlische Wettersegen schief hing. Die Trachtenpaare hatten aber nur ein paar Regentropfen abbekommen, als sie den Festsaal erreichten. Die „Temeschtaler Musikanten“ unter der Leitung von Richard Dobner begleiteten den Kirchweihzug mit Marschmusik und spielten anschließend im Saal zum Tanz auf.

Nach alter Sitte begrüßte der Vortänzer, nach den Willkommensworten des HOG-Vorsitzenden Günter Kaupa, die Kirchweihpaare und Gäste. Mit dem traditionellen Wetschehauser Kirchweihwalzer „Blumengeflüster“ wurde das Fest eingeleitet. Die Würzburger Bürgermeisterin Marion Schäfer-Blake erinnerte in ihrem Grußwort an die Zeit, als sich viele Banater Schwaben in Würzburg niederließen und lobte deren vorbildliche Integration. Die Stadt Würzburg habe durch die neuen Bürger eine Bereicherung erfahren und wisse deren Einsatz für den Erhalt und die Pflege ihrer Kultur und Tradition zu schätzen, so Schäfer-Blake.

Nach den obligatorischen „Kerbeistickle“ führte die Trachtengruppe Würzburg/Wetschehausen zusammen mit den befreundeten Tanzgruppen aus Crailsheim (Leitung: Clara Weber) und Spaichingen (Leitung: Käthe Winze) die DBJT-Gemeinschaftstänze vor, die mit viel Applaus belohnt wurden. Die Jugend- und Erwachsenentanzgruppe Würzburg unter der Leitung von Alwine Zippert und Günter Kaupa präsentierte sodann einen neuen, von der Jugendtanzgruppenleiterin Ines Lopez choreografierten Walzer, wonach die Kindergruppe unter der Leitung von Renate Müller und Hermine Gasseldorfer zusammen mit den Jugendlichen die Donauschwäbische Tanzfolge zeigte.

Bettina Streitmatter, die Gewinnerin des „Tiechels“ (von Theresia Windhager gehäkelt und der HOG gespendet), Josef Mikautsch, dem das Los den Hut einbrachte, sowie Reinhard Lischka, der Gewinner des Kegelturniers, erhielten traditionell einen Ehrentanz. Das „Verlizitieren“ des von Erika Kopp geschmückten und gespendeten Kirchweihstraußes zusammen mit den von Annemarie Gasseldorfer gebastelten Kirchweihrosen ging ziemlich flott vonstatten, zumal die Spendierfreudigkeit der Landsleute  groß war.

Zur Musik des Duos „Günter & Werner“ ging es dann bei ausgelassener Stimmung bis in die Morgenstunden weiter. Spätestens beim Umschmeißen des „Kerbeipams“ und beim „Mescheln“-Rupfen sowie dem anschließenden Hinaustragen des Kirchweihbaums war allen klar, dass die Kirchweih nun „ein Loch hat“ und dass es Zeit ist, den Heimweg anzutreten. Der Kirchweihbaum war von
August und Walter Zippert gemeinsam mit einem Helferteam mit viel Hingabe geschmückt und aufgestellt worden. Sie hatten auch die im Foyer laufende Fotoschau vorbereitet.

Der HOG-Vorstand dankt für die zahlreichen Kuchenspenden sowie allen, die zum Gelingen des Festes beigetragen haben. Ein besonderes Dankeschön gebührt allen Trachtenpaaren, den beiden Gastgruppen sowie der Tanzgruppe Würzburg. Letztere war der eigentliche Träger der Veranstaltung, aber auch sonst, das ganze Jahr über, scheut sie keine Mühen und Kosten, um das banatschwäbische Brauchtum aufrechtzuerhalten und bei verschiedensten Anlässen zu präsentieren.