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Banater Post

Hatzfeld feiert groß sein 250. Jubiläum (Teil 1)

Straßenschilder mit dem ursprünglichen deutschen Namen (siehe oben links) sollen die Erinnerung an die deutsche Präsenz in Hatzfeld wachhalten. Die Enthüllungsfeier fand in der Hauptgasse statt.

Zu den Ehrengästen bei der Feierstunde im Kulturhaus zählten auch der deutsche Konsul in Temeswar, Rolf Maruhn, sowie der Vorsitzende des Banater Regionalforums, Dr. Johann Fernbach (3. und 4. von links).

Der von der HOG Hatzfeld aufgestellte Gedenkstein erinnert an die deutsche Ansiedlung vor 250 Jahren und die wechselvolle Geschichte des Ortes.

Im Schein der Kerzen fand auf dem Friedhof eine von Pfarrer Robert Dürbach gestaltete Ahnengedenkfeier mit Gebeten, Gesängen und Kranzniederlegungen statt. Fotos: Michael Vastag

Der schon 2015 von der Heimatortsgemeinschaft Hatzfeld unterbreitete Vorschlag, Schilder mit den historischen Straßennamen (Luxemburger Gasse, 1. und 2. Trierer Gasse, Hauptgasse, Lothringer Gasse, Spenglergasse und Sauergasse) anzubringen, wurde von der Stadtverwaltung sofort gutgeheißen. Die Schilder, in Farbe und Schrift den einstigen ähnlich, wurden von der HOG hier in Deutschland in Auftrag gegeben. Zwecks Information der heutigen Bewohner hatte man sich darauf geeinigt, Zusatzschilder in rumänischer Sprache anzubringen. Die Kosten hierfür übernahm die Stadt. Die Enthüllung der neuen Schilder wurde am Freitagvormittag (5. August) nur an einem Ort – im Zentrum, in der Hauptgasse, heute Strada Tudor Vladimirescu – vorgenommen. Bürgermeister Darius Adrian Postelnicu wies zunächst auf die Bedeutung des Ereignisses hin, wonach der HOG-Vorsitzende Josef Koch auf die ursprünglichen, von der deutschen Bevölkerung bis heute gebrauchten Straßennamen einging und den Zusammenhang zwischen den Bezeichnungen und den Herkunftsregionen der Ansiedler erläuterte. Mit dem Anbringen dieser Straßenschilder solle die Geschichte des Ortes für die jetzige Bevölkerung etwas lebendiger werden, so Koch. Nach einer weiteren kurzen Ansprache von Sergiu Dema, der für die Ausführung der Zusatzschilder in rumänischer Sprache zuständig war, wurde die Tafel im Beisein vieler Interessierter enthüllt. Diese Form des Erinnerns an die deutsche Vergangenheit des Ortes dürfte wohl zum ersten Mal im Banat praktiziert worden sein, und darauf sind wir stolz.

Daran anschließend folgte im Kulturhaus die Vorstellung des Buches „Ein Wort, ein Bild“. Die darin enthaltenen Gedichte von Peter Jung, denen die Übersetzungen ins Rumänische gegenübergestellt sind, werden mit Werken von Stefan Jäger illustriert. Nikolaus Horn, für Redaktion und Textauswahl zuständig, und der Übersetzer der Gedichte, Simion Dănilă, gaben Einblicke in die Entstehung und Besonderheit dieser Neuerscheinung. Die Auswahl der Gedichte und dazu passender Illustrationen sei eine Herausforderung gewesen, letztendlich sei man aber mit dem Ergebnis zufrieden, betonte Nikolaus Horn. Hingewiesen wurde auch auf die vorzügliche grafische Gestaltung des Bandes durch Herwig Horn, der bei der Buchpräsentation ebenfalls anwesend war.

Der Freitagnachmittag stand ganz im Zeichen des Wiedersehens. Das große Zelt hinter dem Kulturhaus, geschmackvoll in den Banater/Hatzfelder Farben Grün-Weiß dekoriert, erwies sich fast zu klein. Trotz großer Hitze strömten überraschend viele Landsleute aus nah und fern ins Zelt, um bei diesem Begegnungsfest dabei zu sein. Hier hatte man Gelegenheit Landsleute anzutreffen, die man sonst nie zu Gesicht bekommt, miteinander ins Gespräch zu kommen und Erinnerungen aufzufrischen. Das Begegnungsfest, vom Hatzfelder Deutschen Forum veranstaltet, wurde von dessen Vorsitzenden Hans Jirkowsky eröffnet. Er hieß die Gäste herzlich willkommen und wünschte allen ein gemütliches Beisammensein. Danach trugen Evelyn Reisbeck sowie Jana und Jule Aicher Peter Jungs Gedichte „Mein Heimatland“ und „Gruß an Hatzfeld“ vor. Ein herzlicher Applaus war ihnen sicher.

Josef Koch überreichte sodann Hans Jirkowsky den Ehrenbrief der Landsmannschaft der Banater Schwaben, der ihm auf Vorschlag der HOG Hatzfeld durch den Bundesvorstand verliehen worden war. Dies sei ein Zeichen des Dankes und der Anerkennung für Jirkowskys langjährigen Einsatz zum Wohle unserer Landsleute in der alten Heimat, betonte Koch. Sichtlich gerührt bedankte sich der Geehrte und kündigte an, bei den im Herbst anstehenden Wahlen für den Forumsvorstand nicht mehr anzutreten. Glücklicherweise ist aber eine Lösung der Nachfolgefrage in Sicht. In geselliger, gemütlicher Runde wurde das Begegnungsfest fortgesetzt. Für diesen gelungenen Nachmittag spricht die HOG dem Vorstand des Hatzfelder Forums großen Dank aus.

Einen ersten Höhepunkt erreichte die Festwoche am Samstag, dem 6. August. Um 11 Uhr fand im vollbesetzten Kulturhaussaal die Feierstunde „250 Jahre Hatzfeld im Banat“ statt. Die eintreffenden Teilnehmer wurden mit Blasmusik vor dem Kulturhaus begrüßt und erhielten beim Betreten des Saales eine Anstecknadel mit dem Hatzfelder Jubiläumslogo.

Eröffnet wurde die Veranstaltung, durch die Monika Böss führte, mit einem Gedichtvortrag. Jule Aicher, Evelyn Reisbeck und Jana Aicher sowie drei rumänische Kinder (Iulia Ulăreanu, Miruna Cojocaru, Andrei Balogh) rezitierten die Gedichte „Gruß an Hatzfeld“ und „Mein Heimatland“ von Peter Jung in deutscher und rumänischer Sprache. 

Als erster Redner bot der Direktor des Hatzfelder Lyzeums, Adrian Petruţ, einen kurzen Abriss über die Ansiedlungsgeschichte der Deutschen in Hatzfeld. Es folgte Josef Koch, der die 250-jährige Geschichte Hatzfelds kurz umriss und besonders auf die großen wirtschaftlichen und kulturellen Errungenschaften verwies, die Hatzfeld die Beinamen „Perle der Banater Heide“ und „Weimar des Banats“ einbrachten. Er erinnerte auch an die dunklen Seiten der Geschichte, an Krieg, Deportation, Enteignung und Diskriminierung der deutschen Bevölkerung. Als Ironie des Schicksals bezeichnete Koch die Tatsache, dass das erste Jubiläumsfest in Hatzfeld selbst, das 250., zu einer Zeit stattfinde, da nur noch wenige Nachfahren der Erstsiedler dort leben. Ebenso wies er darauf hin, dass die Beziehungen der HOG zum Heimatort, zur Stadtverwaltung, zur katholischen Pfarrei, zum Deutschen Forum und weiteren Institutionen der Stadt sehr gut seien. Koch zeichnete sodann vier Schüler des Hatzfelder Lyzeums (Rebeca Cozma, Denis M. Mateaş, Martina Presing, Oana Miheţ), die an einem von der HOG initiierten Schreibwettbewerb zur Hatzfelder Geschichte teilgenommen hatten, mit einer Urkunde und einer kleinen Geldprämie aus.

Bürgermeister Darius A. Postelnicu lobte in seiner Ansprache die guten Beziehungen zwischen der Stadt und der HOG Hatzfeld und würdigte den unschätzbaren Beitrag der deutschen Bevölkerung zur gedeihlichen Entwicklung der Ortschaft. Auffallend waren die warmen und anerkennenden Worte der rumänischen Redner in Bezug auf die ehemaligen deutschen Mitbewohner und das Bedauern über deren Verlust. Der Vorsitzende des Banater Deutschen Forums, Dr. Johann Fernbach, lobte den Zusammenhalt der ausgewanderten und der in der Heimat verbliebenen Hatzfelder und die gute Zusammenarbeit zwischen dem Hatzfelder und dem Banater Regionalforum. Der nächste Redner, Dragomir Ciobanu, stellte sein vor kurzem erschienenes Buch „Jimbolia în scrieri, amintiri şi fotografii“ (Hatzfeld in Schriften, Erinnerungen und Bildern) vor, wobei er auch die oft schwierigen Zeiten in der neuesten Geschichte der Stadt ansprach und das friedliche Zusammenleben aller  Nationalitäten unterstrich.

Etwas ganz Besonderes hatte sich Lehrerin Bianca Balogh für diese Feierstunde einfallen lassen. Unter dem Motto „Hatzfelder Geschichte mit Kinderaugen gesehen“ stellte sie mit einer Schülergruppe wesentliche Momente der Ortsgeschichte bildlich und wörtlich dar. Zum Abschluss der Festveranstaltung boten Vali Niculescu, Heidi Volk und Lorena Bakaity einen musikalischen Leckerbissen. Auf ihren Geigen spielten sie Werke der Hatzfelder Komponisten Emmerich Bartzer, Josef Linster und Matthias Svoboda.

Im Anschluss an diese Feierstunde wurden im Kulturhaus zwei interessante Ausstellungen eröffnet: eine über die gräfliche Familie Csekonics und deren Hatzfelder Domäne und eine weitere über die Banater Schmalspurbahn, beide von dem Forscher-Duo Mária Szilágyi und Anica Draganić erarbeitet. In die Ausstellungen führte Mária Szilágyi, wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl für Arcitektur und Urbanismus der Universität Novisad/Neusatz, ein. Zu diesen Ausstellungen sind auch drei Bücher erschienen, jeweils dreisprachig (rumänisch, deutsch, ungarisch): „Das Landgut von Hatzfeld. Der Banater Großgrundbesitz der Familie Csekonics“, „Das Csekonics-Erbe“ und „Die Banater Schmalspurbahn“.

Am Samstagnachmittag fanden dann weitere, gut besuchte Veranstaltungen statt. So wurde um 16 Uhr auf dem neu gestalteten Kirchenvorplatz unter den Klängen der Rekascher Blaskapelle der Kirchweihbaum aufgestellt. Die Trachtengruppen aus Warjasch, Billed und Hatzfeld, die sich in Sonntagstracht präsentierten, gaben dem Auftakt zum Kirchweihfest eine ganz besondere Note. Nach dem Aufstellen des Baumes wurden mehrere Volkstänze vorgeführt. Für die vielen Zuschauer war es ein ganz besonderes Ereignis, das viele Erinnerungen an vergangene Zeiten aufleben ließ.

Zu einem weiteren Höhepunkt gestaltete sich die Enthüllung eines aus Mitteln der HOG Hatzfeld finanzierten Gedenksteins zur Erinnerung an die deutsche Ansiedlung vor einem Vierteljahrtausend. Im Hof der katholischen Kirche hatte sich eine riesige Menschenmenge versammelt. Der Gedenkstein, ein weißer, gelblich schimmernder Marmorstein, aus dem berühmten Steinbruch von Ruşchiţa, wurde vorläufig im Hof der Kirche aufgestellt, seinen endgültigen Standort wird er vor dem Rathaus, nach der Neugestaltung des Platzes, erhalten. Die Form des Steines deutet auf die Geschichte der Hatzfelder Deutschen hin: zunächst Bevölkerungswachstum und Wohlstand, dann, nach dem Zweiten Weltkrieg, stetiger Rückgang. Die grob gehaltene Oberfläche des Steines soll zudem an die vielen Rückschläge, wie Naturkatastrophen, Kriege, wechselnde Staatszugehörigkeiten, Enteignungen, Deportationen, Verschleppungen, politische Repressionen und zuletzt an die Auswanderungen erinnern. Eine schlichte, zweisprachig gehaltene Metalltafel, erinnert an das Ortsjubiläum. Die Inschrift lautet: „250 de ani de la colonizarea germană / 1766 – 2016 / Hatzfeld – Zsombolya – Dzombolj – Jimbolia / 250 Jahre seit der deutschen Ansiedlung / 1766 - 2016“.

Rechts und links des Gedenksteins standen Jugendpaare in banatschwäbischer, rumänischer, ungarischer und serbischer Tracht – stellvertretend für die wechselnden Staatszugehörigkeiten des Ortes. In kurzen Ansprachen wiesen Bürgermeister Darius A. Postelnicu und HOG-Vorsitzender Josef Koch auf die Bedeutung dieses Momentes und des Gedenksteins hin – ein einfacher, aber massiver Stein, der die wechselvolle Geschichte des Ortes versinnbildlichen soll. Danach segneten Pfarrer Dr. Davor Lucacela und Pfarrer Robert Dürbach den Gedenkstein.

Im Anschluss an die Gedenksteinenthüllung gab es ein weiteres Konzert in der Kirche. Unter der Leitung des ehemaligen Hatzfelder Kantors Franz Müller musizierten Heidi Volk, Lorena Bakaity, Herbert Christoph, Walter Berberich und Valerică Niculescu. Zu hören waren unter anderem Werke von Dietrich Buxtehude, Georg Friedrich Händel, Johann Sebastian Bach, Franz Schubert und Antonio Vivaldi, aber auch Werke der Hatzfelder Komponisten Emmerich Bartzer und Josef Linster.

Nach dem Konzert begab man sich unter den Klängen der Blasmusik zum Friedhof, zu einem Ahnengedenken. Mit Gebeten und Liedern wurde der Ahnen gedacht und zum Glockengeläut Kränze niedergelegt: an der Friedhofskapelle für die in der alten und neuen Heimat Verstorbenen, an den deutschen Soldatengräbern für die in den Kriegen Gefallenen und am Hauptkreuz für die in der Deportation Verstorbenen. Ein weiterer Kranz, für die ersten in der neuen Heimat Hatzfeld verstorbenen Urahnen, war vorher an der Kapelle am Bahnhof niedergelegt worden, wo sich der erste Hatzfelder Friedhof befand. Gestaltet wurde der religiöse Teil des Gedenkens von Pfarrer Robert Dürbach. Die Gedenkansprache hielt der stellvertretende HOG-Vorsitzende Dr. Franz Quint, der auf das Schicksal unserer Vorfahren hinwies. Während dieser Gedenkfeier brach der Abend herein und nur noch die Kerzen spendeten Licht. So erhielt diese Veranstaltung eine ganz besondere Note.