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Banater Post

Hatzfeld feiert groß sein 250. Jubiläum (Teil 1)

Das Pressemuseum trug zu den Festlichkeiten unter anderem mit der Veranstaltung „Frühstück und Zeitungen“ bei. Fotos: Michael Vastag

HOG-Vorsitzender Josef Koch (rechts) führt den Bundesvorsitzenden Peter-Dietmar Leber durch die Fotoausstellung „250 Jahre Hatzfeld uf de Heed“.

Das von Walter Berberich, Wilfried Michl, Dr. Franz Metz, Corneliu Meici und Herbert Christoph (von links) bestrittene Konzert fand großen Anklang.

Das Jahr 1766 markiert die Gründung der Großgemeinde Hatzfeld, die mit Kolonisten aus verschiedenen Gegenden des Deutschen Reiches besiedelt wurde. Das Heidestädtchen feiert demnach heuer sein 250-jähriges Jubiläum. Der Bedeutung des Anlasses entsprechend wurde das Gründungsjubiläum eine ganze Woche lang, vom 1. bis 7. August, in Hatzfeld gefeiert. Die Festwoche war in doppelter Hinsicht denkwürdig. Zum einen war es das erste Ortsjubiläum, das überhaupt in Hatzfeld begangen wurde, obwohl auch schon in der Vergangenheit besondere Jahrestage mehrfach Anlass hierzu geboten hätten. Der 100. wie auch der 150. Geburtstag der Gemeinde fiel in Kriegszeiten, und 1966, als das 200-jährige Jubiläum anstand, herrschte zwar Frieden, jedoch ließen die politischen Verhältnisse keine öffentliche Feier zu. Zum anderen leben die Nachfahren jener deutscher Ansiedler, die sich vor einem Vierteljahrtausend auf dem Boden ihrer neuen Heimat im Banat niederließen, heute in ihrer überwiegenden Mehrheit in Deutschland, so dass auch hier des 250-jährigen Bestehens der Heimatgemeinde in einer Feierstunde am 11. Juni in Ulm gedacht wurde.

Die ersten Planungen hatten schon zwei Jahre zuvor auf Initiative der Heimatortsgemeinschaft Hatzfeld begonnen. Zu ersten konkreten Absprachen zwischen Stadtverwaltung, katholischer Pfarrei und HOG kam es im August 2015. Daraufhin verstetigten sich die Kontakte und im November 2015 unterbreitete der HOG-Vorstand der Stadtverwaltung erste Programmvorschläge. Das Festprogramm nahm immer konkretere Gestalt an. Die wichtigsten Punkte dabei waren der Abschluss der  Kirchenrenovierung, das Aufstellen eines Gedenksteins, ein Kirchweihfest aus Anlass der Grundsteinlegung der Kirche vor 250 Jahren, kulturelle Veranstaltungen, Begegnungen, Unterhaltung und weiteres mehr. Unter maßgeblicher Beteiligung der HOG Hatzfeld und ihres Vorsitzenden Josef Koch und im Zusammenwirken mit dem Bürgermeisteramt der Stadt und anderen Einrichtungen ist es letztendlich gelungen, ein umfangreiches und vielseitiges Festprogramm auf die Beine zu stellen. Besonders bemerkenswert dabei war, dass die umfassenden Sanierungsarbeiten der Kirche bis zu den Jubiläumsfeierlichkeiten abgeschlossen werden konnten. Dass die altehrwürdige St.-Wendelin-Kirche nun in neuem Glanz erstrahlt, ist auch dem ansehnlichen Spendenbetrag in Gesamthöhe von 45000 Euro zu verdanken, der sich aus den finanziellen Zuwendungen unserer Landsleute und der HOG selbst speist. Dafür dankte der Hatzfelder Seelsorger Dr. Davor Lucacela während der Kirchweihmesse ausdrücklich.

Im Rückblick lässt sich sagen, dass das 250-jährige Hatzfelder Jubiläum in einem würdigen Rahmen begangen wurde. Das Festprogramm war alles in allem – auch dank seiner Mannigfaltigkeit – sehr gelungen, die einzelnen Veranstaltungen waren gehaltvoll und stets gut besucht. Etwa 250 bis 300 Hatzfelder waren aus Deutschland angereist, um den Feierlichkeiten in der alten Heimat beizuwohnen. Auch zahlreiche Ehrengäste konnten während der Festwoche in Hatzfeld begrüßt werden, unter anderem Peter-Dietmar Leber, Bundesvorsitzender der Landmannschaft der Banater Schwaben, Ovidiu Ganţ, Abgeordneter der deutschen Minderheit im rumänischen Parlament, Rolf Maruhn, Konsul der Bundesrepublik Deutschland in Temeswar, Dr. Johann Fernbach, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat, Peter Krier, Ehrenvorsitzender des Hilfswerks der Banater Schwaben, Helmut Weinschrott, Geschäftsführer der Adam-Müller-Guttenbrunn-Stiftung, Christine Neu, stellvertretende Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Banater Schwaben, Ute Moisuc, Geschäftsführerin des Regionalforums Banat.

Zum Auftakt der Festwoche gab Pfarrer Robert Dürbach, aus Hatzfeld gebürtig und im Dekanat Göppingen-Geislingen tätig, am Montag, dem 1. August, einen Empfang anlässlich seines 50. Geburtstags. Bei angenehmen Temperaturen wurde der Empfang in den Hof der Kirche verlegt. Glückwünsche, Dankesworte und ein musikalisches Ständchen umrahmten diese Feier.

Am darauffolgenden Tag nahm eine Gruppe von Gläubigen an der Deutschen Wallfahrt in Maria Radna teil. Die HOG hatte eigens eine Busfahrt angeboten. Das Pontifikalamt zelebrierte Diözesanbischof Martin Roos, dem mehrere Priester aus Rumänien und Deutschland, darunter auch Pfarrer Robert Dürbach, assistierten. Für die musikalische Untermalung zeichneten der Organist Dr. Franz Metz aus München sowie die Stadtkapelle Trostberg unter der Leitung des aus Hellburg stammenden Kapellmeisters Josef Maurer. Nicht nur der Festgottesdienst hinterließ bei den Hatzfelder Wallfahrern einen tiefen Eindruck, sondern auch die neu renovierte Wallfahrtsstätte.

Der dritte Festtag (3. August) startete im Pressemuseum „Sever Bocu“ mit der Veranstaltung „Zeitungen und Frühstück“. Museumsleiterin Cristina Dema stellte diese in Rumänien einzigartige Einrichtung vor und präsentierte als Ergebnis des aktuellsten Museumsprojekts die Publikation „Student-Press“. Es handelt sich um eine Sonderausgabe aus Anlass der 250-Jahr-Feier mit Beiträgen von Journalistik-Studenten aus Temeswar, die ihre während eines Besuchs in Hatzfeld gewonnenen Eindrücke schildern sowie geschichtliche und kulturelle Besonderheiten des Ortes herausstellen. HOG-Vorsitzender Josef Koch unterstrich in seinem Grußwort die gute Zusammenarbeit mit dem Pressemuseum und erinnerte dabei an dessen Gründer Petre Stoica und die von ihm ins Leben gerufene Rumänisch-deutsche Kulturstiftung, zu der die HOG ebenfalls enge Kontakte unterhielt. Dem Museum überreichte er die neueste Ausgabe des Hatzfelder Heimatblattes.

Anschließend wurde ein interessanter, vom Hatzfelder lokalen Fernsehen (Televiziunea Jimbolia) realisierter Film, „Amintiri de acasă. Biserica şi Kirchweih-ul“ (Erinnerungen an daheim. Kirche und Kirchweih) gezeigt. Anhand von Interviews, Filmmaterial und historischen Fotografien veranschaulicht der halbstündige Film die Geschichte der Stadtpfarrkirche und deren Renovierung sowie das Wesen und die Merkmale des Kirchweihfestes.

Die Nachmittagsveranstaltung bei „Kaffee und Kuchen“, ebenfalls im Pressemuseum, wurde durch den Besuch des Journalisten Siegfried Thiel, Redakteur der „Banater Zeitung“ aus Temeswar, bereichert. Er hatte die neueste Ausgabe der Zeitung mitgebracht, die einen ganzseitigen Beitrag dem „Jubiläum am Wirtschafts- und Kulturstandort“ Hatzfeld widmete. Thiel lieferte auch allgemeine Informationen zur „Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien“, als deren Wochenbeilage die „Banater Zeitung“ erscheint. Nebst Kaffee und Kuchen konnten die Gäste eine gutgemachte Ausstellung zur deutschen Presse im Banat besichtigen.

Am späteren Nachmittag wurde im Kinderklub (ehemaliges Pionierhaus) die von Michael und Hans Vastag realisierte Fotoausstellung „250 Jahre Hatzfeld uf de Heed“ im Beisein vieler Landsleute und interessierter Bürger der Stadt durch den HOG-Vorsitzenden Josef Koch eröffnet. Zugegen war auch Bundesvorsitzender Peter-Dietmar Leber. Danach sprach der Bildjournalist Michael Vastag über das Zustandekommen dieser Ausstellung, die auf 76 thematischen Tafeln nahezu 450 Bilder präsentiert und die letzten 120 Jahre deutscher Geschichte in Hatzfeld eindrucksvoll dokumentiert. Ein Teil der Bilder komme von Landsleuten, die – einem Aufruf der HOG folgend – Fotos eingesendet haben, so Vastag, der restliche Teil stamme aus seinem eigenen Archiv. Das umfangreiche Fotomaterial sei gesichtet, digitalisiert und zu einer Ausstellung zusammengefügt worden, die „leicht zu transportieren ist und viele Bereiche erfasst“. „Wir wollten durch die Sammlung an Fotos etwas Besonderes machen“, sagte der HOG-Vorsitzende. Entstanden sei daraus außer der Ausstellung auch ein Fotoalbum, das die HOG zum Jubiläum herausgebracht habe.

Vom Kinderklub ging es anschließend ins Kulturhaus, wo eine weitere Fotoausstellung mit dem Titel „Hatzfeld heute“ eröffnet wurde. Die großflächigen, künstlerisch gelungenen Aufnahmen stammen von Theo Soltész und Sergiu Dema.

Am Donnerstagnachmittag erfolgte im Stefan-Jäger-Museum die Eröffnung der Ausstellung „Stefan Jäger: bekannt – unbekannt“, die 25 Originalwerke des Malers – Porträts und Skizzen – aus den Beständen des Donauschwäbischen Zentralmuseums (DZM) Ulm präsentierte. Josef Koch begrüßte die Gestalterin der Ausstellung, Dr. Swantje Volkmann, und betonte, dass diese Ausstellung auch Ausdruck der jahrelangen guten Zusammenarbeit zwischen der HOG und der Kulturreferentin für Südosteuropa am DZM sei. Daraufhin führte Dr. Volkmann in die Ausstellung ein und wies dabei auf das Werk Stefan Jägers, insbesondere auf die Bedeutung seiner Skizzen und Studien hin.

Am Abend war in der Stadtpfarrkirche ein kirchenmusikalisches Konzert angesetzt, das im Rahmen der von Dr. Franz Metz (München) initiierten Reihe „Banater Sommerkonzerte“ stattfand. Neben dem Organisten Franz Metz wurde das Konzert von weiteren hochkarätigen Musikern bestritten: Wilfried Michl (Bariton), Walter Berberich (Tenor), Corneliu Meici (Trompete) und Herbert Christoph (Bratsche). Zu Gehör kamen neben Werken der weltbekannten Barockmusiker Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel, Henry Purcell, Georg Philipp Telemann auch Werke von Hatzfelder Komponisten, wie Josef Schidek, Josef Linster und Emmerich Bartzer. Die zahlreich anwesenden Musikliebhaber waren von den erstklassigen Darbietungen begeistert und spendeten den Solisten langanhaltenden Applaus. Die eingegangenen  Spenden kamen der Hatzfelder Kirche zugute.

Mit einer ungewöhnlichen Ausstellung zu später Stunde im Hof des Jäger-Museums klang der Tag aus. Präsentiert wurden Keramikkunstwerke, die anlässlich eines Symposiums in Hatzfeld gefertigt wurden.