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Banater Post

Jugend lässt Kirchweihbrauchtum aufleben

Das feierliche Hochamt in der voll besetzten Mutter-Anna-Kirche war der Höhepunkt des 148. Sanktannaer Kirchweihfestes.

Die beiden Geldherrenpaare und ein Kinderpaar mit Pfarrer Peter Zillich und dem Sanktannaer Seelsorger László Barják. Fotos: Josef Budean

Angeführt wurde der Kirchweihzug in diesem Jahr von Eugen Rogojan und Patricia Galiş. Die Rekascher Blaskapelle begleitete den Umzug.

Sanktanna ist einer der wenigen Orte im Banat, in denen die Tradition des Kirchweihfestes in ununterbrochener Folge, und das seit knapp 150 Jahren, aufrechterhalten wird. Das Sanktannaer Kirchweihfest ist ein Großereignis, das alljährlich hunderte Gäste aus nah und fern anlockt. Bekanntlich erfreute sich das Fest im vergangenen Jahr des Besuches hochrangiger Ehrengäste aus Deutschland, darunter der damalige Innenminister des Landes Baden-Württemberg, Reinhold Gall, und der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Hartmut Koschyk MdB. Deren Präsenz war auch den zeitnahen Feierlichkeiten in Maria Radna geschuldet, die gelegentlich des Abschlusses der Renovierungsarbeiten an der Wallfahrtskirche und am ehemaligen Franziskanerkloster stattfanden. Heuer, beim 148. Kirchweihfest der Mutter-Anna-Kirche, wurden zwar keine prominenten Ehrengäste mehr und auch weniger Besucher aus Deutschland verzeichnet, was aber nichts an dem besonderen Stellenwert dieses Festes änderte. Immerhin reihten sich diesmal 21 Trachtenpaare in den Kirchweihzug ein.

Dass das Sanktannaer Kirchweihfest in diesem großen Rahmen gefeiert werden kann, ist dem Einsatz des Deutschen Demokratischen Forums, des Kirchengemeinderats, der Lehrkräfte der Sankt-Anna-Schule und nicht zuletzt der Mitwirkung vieler Kinder und Jugendlicher zu verdanken. Einige Trachtenträger wie Johanna Reinholz, Eugen Rogojan, Claudius Höniges, Claudia Costantea oder Tania Boldiş sind schon seit Kindesbeinen dabei und machen auch heute noch – mittlerweile mit dem Abitur in der Tasche – begeistert mit.

Ein solch groß angelegtes Fest erfordert eine langfristige Planung, eine durchdachte Organisation und rechtzeitige Vorbereitung, auch wenn vieles eingespielt ist und ein bewährtes Team die Fäden in der Hand hält. Unter dessen Koordination begannen die Vorbereitungen schon eine Woche davor. Die jüngeren Teilnehmer, meist Schüler der Sankt-Anna-Schule, mussten mit dem Kirchweihbrauchtum und dem Ablauf des Festes vertraut gemacht werden, zudem mussten die Kirchweihtänze und -lieder einstudiert werden. Im Vorfeld des Festes galt es auch die drei Rosmarinsträuße mit Farbbändern und Myrtenzweigen „aufzuputzen“, den Kirchweihbaum zu schmücken und aufzustellen sowie die beiden Kirchweihsprüche (in Mundart und in Hochdeutsch) zu verfassen. Die jungen Kirchweihpaare hatten große Freude an diesen Vorbereitungen und warteten schon gespannt auf die Umsetzung des Vorhabens. Dem Haus der Heimat in Nürnberg, das die Pflege des Kirchweihbrauchtums durch die Sanktannaer Jugend gefördert hat,  gebührt ein herzlicher Dank.

Am Samstag, dem 30. Juli, war es dann soweit: Die Kirchweihjugend begab sich ins Rathaus, um die
Honoratioren der Stadt zum Fest einzuladen, und machte dann einen Abstecher ins deutsche Altenheim. Die Einladung der Heimbewohner gehört mittlerweile zum festen Ablauf der Festlichkeiten. Der übliche Einladungsbesuch im Pfarrhaus war diesmal nicht möglich, da gerade die Dachsanierungsarbeiten in vollem Gange waren. Zur Tradition gehört auch das Gulaschessen am Samstagabend im Schulhof der Deutschen Abteilung. Das Team um Stefan Mayer, Theresia und Anton Höniges sowie Martin Reinholz kümmerte sich um die Zubereitung des Gulaschs, das bei den Gästen wieder sehr gut angekommen ist. Für gute Stimmung sorgten die Blaskapelle aus Rekasch unter der Leitung von Mathias Henschel und das von Dan Miculiţ geleitete Jugendblasorchester „Lambert Steiner“ aus Sanktanna.

Die beiden Kapellen übernahmen auch die musikalische Begleitung des Kirchweihfestes am darauf folgenden Tag. Dies wurde auch dank der finanziellen Förderung durch die Kulturreferentin für Südosteuropa am Donauschwäbischen Zentralmuseum Ulm, Dr. Swantje Volkmann, möglich, der auch auf diesem Wege unser Dank ausgesprochen werden soll. Die ganze Aufmerksamkeit zogen an diesem Tag natürlich die 21 Trachtenpaare in der typischen weiß-schwarzen Sanktannaer Tracht auf sich. Angeführt wurde der Kirchweihzug von dem ersten Geldherrnpaar Eugen Rogojan und Patricia Galiş, gefolgt von dem zweiten Geldherrn Maximilian Reinholz mit Claudia Costantea. Wie in Sanktanna
üblich, machten auch diesmal deutsche, rumänische und ungarische Kinder und Jugendliche mit, die bereit sind, die Kirchweihtradition in ihrem Heimatort weiterzuführen.

Höhepunkt des Tages war das feierliche Kirchweihhochamt in der Mutter-Anna-Kirche, das von Heimatpfarrer Peter Zillich aus Regensburg und dem Sanktannaer Seelsorger László Barják zelebriert wurde. Der Kirchenchor unter der Leitung von Marianne Hellstern umrahmte die Messfeier musikalisch mit vertrauten Liedern. Der erste Geldherr Eugen Rogojan trug gekonnt den Kirchweihspruch in Hochdeutsch vor, wonach Pfarrer Zillich die Kirchweihsträuße segnete.

Unter dem Kirchweihbaum vor dem Kulturhaus „Lambert Steiner“ wurde am Nachmittag weitergefeiert. Die Trachtenpaare tanzten um den Baum, wonach der zweite Geldherr Maximilian Reinholz den von seinem Vater, dem Forumsvorsitzenden Martin Reinholz, verfassten Spruch in Sanktannaer Mundart vortrug. Dafür gab es regen Applaus. Die Kirchweihburschen versuchten indes, etwas Geld zur Deckung der Kosten des Festes zusammenzukriegen. Hierfür wurde verlost und versteigert. Bei der Tombola gewannen Christa Baier aus Wasserburg am Inn den Hut und Karina Palcu-Socaciu das Tuch, die beiden geschmückten Rosmarinsträuße ersteigerte Familie Höniges für ihre Töchter Sonja und Jasmin, während der geschmückte Hut an Monika Göpfrig ging. „Ich wurde hier geboren und habe hier zehn Jahre gelebt, nun wohne ich in Österreich und trage erstmalig den Kerweihhut in meine neue Heimat. Ich werde den Hut in Ehren halten, denn er erinnert mich an die Kerweih“, so die Gewinnerin der „Banater Zeitung“ gegenüber.

Mit einem Kirchweihball in der Gaststätte Mackert klang die Sanktanner Kirchweih bei guter Stimmung aus. Dass die Kirchweihtradition und das Brauchtum im Jahreslauf in Sanktanna weiter gepflegt werden, ist in erster Linie ein Verdienst der Schule in Sanktanna und ihrer Lehrkräfte, die Schülerinnen und Schüler zum Mitmachen motivieren. Diesbezüglich sagte Martin Reinholz: „Die Teilnehmer sind mal jünger, mal erwachsener, das ändert sich von Jahr zu Jahr, wir sind aber froh, dass wir genügend Interessenten finden, die mitmachen wollen. Ich finde, wir sind ihnen zu Dank verpflichtet.“ (zitiert nach dem Bericht von Adrian Arde-lean in der „Banater Zeitung“ vom 10. August 2016)

Am Abend des 1. August fand im Katharina-Ackermann-Park gegenüber der Mutter-Anna-Kirche eine Feier zum Gedenken an alle verstorbenen Sanktannaer statt. Für sie wurde ein Kranz am Dreifaltigkeitsdenkmal niedergelegt. Namentlich gedacht wurde der großen Wohltäterin Katharina Ackermann, deren 90. Todestag sich am 19. Juli gejährt hatte. Die musikalische Umrahmung durch die Stadtkapelle aus Trostberg unter der Leitung von Sepp Maurer, das Jugendblasorchester „Lambert Steiner“ aus Sanktanna und den Sanktannaer Kirchenchor verlieh der Ahnengedenkfeier einen würdigen Rahmen.

Im Anschluss daran fand unter Beteiligung der Stadtkapelle aus Trostberg ein interkultureller Abend statt. Auf der neuen Bühne im Katharina-Ackermann-Park wechselten sich die Jugendkapelle, rumänische Tanzgruppen, ein Chor und die Stadtkapelle Trostberg mit musikalischen und tänzerischen Darbietungen ab. Die Trostberger brachten auch drei Stücke des Komponisten Johann Reinholz zur Aufführung, der an diesem Abend anwesend war.

Der Vorstand der HOG Sanktanna und der Verein „Valores. Hilfe - Jugend - Kultur“ aus Neumarkt in der Oberpfalz werden auch weiterhin die Jugendarbeit in Sanktanna unterstützen und die bewährte Zusammenarbeit mit den Behörden, dem Deutschen Forum, der Schule und der Kirchengemeinde fortsetzen. Die anwesenden Vorstandsmitglieder der HOG Sanktanna und des Vereins „Valores“ bedankten sich bei den Organisatoren und Mitwirkenden für das schöne Fest und die vielen positiven Eindrücke, die sie, wie auch alle anderen Gäste, von dieser 148. Kirchweih mitnehmen durften.