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Banater Post

Banater Kulturerbe im Blickpunkt

Ehrengäste, Referenten und Organisatoren des Symposiums in Nitzkydorf. Foto: Alex Zarin

Die Schulbibliothek in Nitzkydorf erhielt den Namen des Schriftstellers und ADZ/BZ-Redakteurs Balthasar Waitz. Foto: Astrid Weisz

Eine nicht alltägliche Kulturveranstaltung initiierte Tiberiu Buhnă-Dariciuc in der ehemaligen banatschwäbischen Gemeinde Nitzkydorf. Der Rumänischlehrer macht schon seit Jahren durch Kulturprojekte auf sich aufmerksam. So brachte er im vergangenen Jahr eine Monografie der Nitzkydorfer Schule heraus und richtete ein Schulmuseum ein, das anlässlich der 230-Jahr-Feier der Gemeinde eröffnet wurde. Diesmal organisierte er ein Symposium zu dem Thema „Das Kulturerbe der Banater Schwaben“. Eine bemerkenswerte Initiative,  zumal die deutsche Bevölkerung des Ortes schon seit Jahren fast zur Gänze ausgewandert ist. Mitveranstalter des Symposiums, das am 19. Mai im Festsaal der Nitzkydorfer Gymnasialschule stattfand, waren das Zentrum für Studien des Patrimoniums und Kulturanthropologie Temeswar, die Heimatortsgemeinschaft Nitzkydorf und die Gemeindeschule.

Den Veranstaltern ist es gelungen, das weitläufige und vielschichtige Thema des banatschwäbischen Kulturerbes von einer ganzen Reihe von Referenten beleuchten zu lassen. Mit Beiträgen beteiligten sich Historiker, Schriftsteller, Publizisten, Forscher, Gymnasial- und Lyzeallehrer aus Temeswar, Bakowa, Busiasch, Liebling, Lugosch und Nitzkydorf sowie Hochschullehrer und Forscher von der Temeswarer West-Universität. Zugegen waren zahlreiche Gäste aus dem Banat und aus Deutschland, als Ehrengäste nahmen teil Siegfried Geilhausen, deutscher Vizekonsul in Temeswar, Christine Neu, stellvertretende Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Banater Schwaben, Dr. Hella Gerber, Vorsitzende der HOG Nitzkydorf, der bekannte Publizist Luzian Geier aus Augsburg. Dem Symposium wohnten auch Nitzkydorfs Bürgermeister Ioan Mașcovescu, die Direktorin der Nitzkydorfer Schule Adelina Briscan, der stellvertretende Generalschulinspektor des Kreises Temesch Aurelian Sima, die Leiterin der Tagesstätte „Stern der Hoffnung“ aus Nitzkydorf, Sandra Korom sowie die Rundfunkjournalistin Astrid Weisz von Radio Temeswar bei.

Zur Eröffnung der Veranstaltung führten rumänische Schüler der Vorbereitungs- und der dritten Klasse  deutsche Volkstänze in banatschwäbischer Tracht vor. Diese waren von der Grundschullehrerin Margareta Dragoș eigens zu diesem Anlass einstudiert worden. Nach der Vorführung des Dokumentarfilms „Die Schwaben aus dem Banat“, 1996 von dem Temeswarer Publizisten und Fernsehredakteur Vasile Bogdan realisiert, wurde eine von Schülergruppen aus Nitzkydorf, Busiasch und Bakowa gestaltete Posterausstellung zum Thema „Die kulturellen Symbole unserer Gemeinschaft“ vorgestellt. Darauf referierte der bekannte Historiker Ioan Haţegan vom Institut für Banater Studien der Temeswarer Zweigstelle der Rumänischen Akademie über die Banater Schwaben und ihren entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der Region.

Einem zeitgeschichtlichen Thema war der Vortrag des Schriftstellers und Publizisten Duşan Baiski gewidmet. Am Beispiel von Nitzkydorf erläuterte er die sogenannte „deutsche Frage im Banat“. Der Forscher Sorin Forţiu bot sodann neue Erkenntnisse über die ersten beiden Etappen der karolinischen Ansiedlung (1717-1726). Als nächste Referentin stellte Nicoleta Balog, Biologielehrerin in Bakowa, die traditionelle Tracht der Schwaben aus Bakowa vor. Zum Abschluss des ersten Teils des Symposiums bot Valentin Ivănescu, Französischlehrer am Theoretischen Lyzeum in Busiasch, eine Überblicksdarstellung zur Geschichte des Eisenbahnverkehrs im Banat. Ivănescu ist ein passionierter Forscher auf diesem Gebiet und Autor mehrerer einschlägiger Veröffentlichungen.

Den zweiten Teil des Symposiums leitete Gastgeber Tiberiu Buhnă-Dariciuc mit einer Vorstellung der bisher erschienenen monografischen Studien über Nitzkydorf ein. „Das Banat in der Kartografie des 18. Jahrhunderts“ war Thema des Vortrags von Dr. Sofronie Mureşan, Geografielehrer am „Coriolan Brediceanu“-Lyzeum in Lugosch. Anschließend sprach Simion Dănilă, langjähriger Rumänischlehrer in der Gemeinde Belinţ und bekannter Nietzsche-Übersetzer, über den Hatzfelder Dichter Peter Jung, dessen Todestag sich 2016 zum 50. Mal jährt. Dănilă trug auch einige von ihm ins Rumänische übersetzte Gedichte von Peter Jung vor. Dr. Hella Gerber, Vorsitzende der HOG Nitzkydorf, referierte sodann über die Gemeinschaft der Banater Schwaben in Deutschland und deren Bemühen um den Erhalt ihres kulturellen Erbes. Corina-Eugenia Popa und Eliana Popeţi von der Temeswarer West-Universität präsentierten zwei ethnologische Studien über die Banater deutsche Dorfgemeinschaft: eine Fallstudie über den Nitzkydorfer Dorffriedhof bzw. eine Studie über den Fachwortschatz eines schwäbischen Handwerkers aus Otveşti.

Zum Abschluss der Veranstaltung bestritt der aus Nitzkydorf stammende Schriftsteller und Journalist Balthasar Waitz eine Lesung aus seinem Werk. Mittels Auszügen aus seinem in Vorbereitung befindlichen Roman „Das rote Akkordeon“ und einiger Gedichte aus seinem Band „mit schwalben am hut“ ist es dem Autor gelungen, die Atmosphäre des banatschwäbischen Dorfes wiederzugeben. Anlässlich des Symposiums wurde Balthasar Waitz eine besondere Ehrung zuteil: Die Bibliothek der Nitzkydorfer Gymnasialschule wurde nach ihm benannt. Waitz war, wie auch die Nobelpreisträgerin Herta Müller, Schüler dieser Schule.

Den Teilnehmern und Gästen des Symposiums wurde die Gelegenheit geboten, das noch kleine, aber in stetigem Anwachsen befindliche Schulmuseum von Nitzkydorf sowie die römisch-katholische Dorfkirche zu besuchen.

„Das kulturelle Erbe der Banater Schwaben befindet sich in Nitzkydorf in guten Händen“, so das Resümee eines Teilnehmers. Dem kann man nur beipflichten. Das Symposium soll eine dauerhafte Veranstaltung werden und wird im nächsten Jahr eine Fortsetzung erfahren.