zur Druckansicht

private Anzeige schalten

Media-Center

Banater Post

Gelebte Realität: Kaum zu glauben, aber wahr

Vor dem Heiligen Grab in der Neupaulischer Kirche erinnert Pfarrer Miklós Erős an die Grablegung Jesu.

Pfarrer Miklós Erős feiert in der Altpaulischer Kirche die Ostersonntagsmesse. Fotos: Mihaela Iusco

Paulisch liegt am Fuße des Gal-Berges, am rechten Maroschufer, 24 Kilometer von Arad und 7 Kilometer von Radna entfernt. Laut einer Statistik aus dem Jahr 1930 lebten in Paulisch 2848 Personen, davon 778 Deutsche, 402 in Neupaulisch und 376 in Altpaulisch. Trotz der geringen deutschen Bevölkerungszahl gab und gibt es in Paulisch zwei katholische Kirchen. Die Neupaulischer Kirche, dem Heiligen Martin geweiht, wurde 1880 allein von den Neupaulischern errichtet, die sich sowohl finanziell als auch mit freiwilligen „Handlangerarbeiten“ am Bau beteiligten. Die Altpaulischer Kirche, 1878 staatlicherseits errichtet, feiert ihr Kirchweihfest am 29. Juni, zu Peter und Paul. Zudem gab und gibt es in Paulisch auch zwei katholische Friedhöfe, einen in Neupaulisch und einen in Altpaulisch.

Zurzeit leben in Paulisch 75 Katholiken: 25 Rumänen, 30 Ungarn und 20 Deutsche (die nichtdeutschen Partner in Mischehen sind in dieser Zahl inbegriffen). Der Sitz der Pfarreien befindet sich in der 5 Kilometer entfernten Gemeinde Gyorok.  In Paulisch wurden seit eh und je die Messen abwechselnd in beiden Kirchen gehalten. Was weniger bekannt sein dürfte ist die Tatsache, dass auch heutzutage die Messen, trotz geringer Kirchengängerzahl (12-15, darunter 2-3 Deutsche), jeden Sonn- und Feiertag immer noch abwechselnd gefeiert werden.
Früher wurden die Messen in Neupaulisch in deutscher Sprache gehalten, in Altpaulisch in deutscher und ungarischer Sprache. Rumänische Katholiken gab es damals nicht. Nach der Wende 1990 kamen, infolge der Zuwanderung oder durch Konvertierung einiger Einheimischer, Katholiken rumänischer Volkszugehörigkeit dazu. Seitdem hält Pfarrer Miklós Erős jede Messe dreisprachig: deutsch, rumänisch und ungarisch. Dass in Maria Radna oder im Dom zu Temeswar die Messen in drei oder vier Sprachen gehalten werden, ist selbstverständlich, dass aber in Paulisch jeden Sonn- und Feiertag die Messen alternierend wie seit eh und je und dazu noch dreisprachig gefeiert werden, ist kaum zu glauben, aber wahr. Dafür gebührt Pfarrer Erős Lob, Anerkennung und ein herzliches Dankeschön.
Hervorgehoben werden muss auch der Zusammenhalt der Katholiken und das Bemühen der Kirchenpflegerinnen und -pfleger (Anna Holzer, unterstützt von Rita und Mihaela Iusco, in Neupaulisch; Rosalia Barics und Julius Herrling in Altpaulisch), die beiden Kirchen instandzuhalten. Auch ihnen gebührt ein herzlicher Dank.
Wir, die Paulischer fern der Heimat, schätzen ihre Arbeit, die engen Verbindungen der in Neu- und Altpaulisch lebenden Katholiken sowie die Art und Weise, wie in der alten Heimat Gemeinschaft im Alltag gelebt und Zusammenhalt gepflegt werden. Aufgrund dessen finden wir als „Besucher“ ein Stück der von uns seinerzeit erlebten und gelebten Realität wieder.