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Banater Post

Ulmbacher sind ein Teil von Rechberghausen

Die Ausstellung in der „Kulturmühle“ bot den Ulmbachern die Möglichkeit, ihre Geschichte und Traditionen darzustellen. Foto: HOG Ulmbach

HOG Ulmbach/Neupetsch gestaltet die Ausstellung „Kriegsende 1945 − Neuanfang in Rechberghausen“ mit. Wenn es um unsere Traditionspflege geht, kann ich mich manchmal der Analogie zu einem trotzigen Kind nicht entziehen: So lange etwas verboten ist, wird es erst recht gemacht. Wird das Kind hingegen zu etwas angehalten, so löst sich sein Interesse daran schlagartig in Luft auf. Dazu fällt mir ein, dass in den 60-er Jahren unsere Lehrer – manche zwar sehr widerwillig – sonntags vor der Kirche stehen mussten, um uns Schüler vom Kirchenbesuch abzuhalten. Noch nie hatte der Pfarrer so viele Ministranten, die sich nun auf abenteuerliche Art und Weise durch den Pfarrgarten anschleichen mussten… Zum Glück gibt es ja immer wieder rühmliche Ausnahmen und man pflegt seine Tradition, weil man auch den anderen zeigen will, wo man herkommt und welche unbezahlbaren kulturellen und geistigen Schätze man damals im ideellen Gepäck hatte. Und weil man sich wohlfühlt dabei, ein bisschen wie „daheim“.

Eine dieser rühmlichen Ausnahmen konnte man zwischen dem 27. Dezember 2015 und dem 10. Januar 2016 in der „Kulturmühle“ in Rechberghausen bewundern. Anlässlich der von Bruno Seng koordinierten „Begegnungsausstellung 2015-2016: Kriegsende 1945 – Neuanfang in Rechberghausen“ hatten die Ulmbacher Gelegenheit zur umfangreichen Darstellung ihrer Tradition und ihrer Identität und konnten sich neben Sudetendeutschen, Bessarabiendeutschen, Ungarndeutschen, Flüchtlingen aus dem Schönhengstgau und dem ehemaligen Jugoslawien aktiv als „Neuanfänger“ in die Gestaltung der Ausstellung mit einbringen. Zu den prominenten Besuchern gehörten Ex-Bürgermeister Reiner Ruf mit Ehefrau Gertrud, Bürgermeisterin Claudia Dörner, Pfarrer Bernhard Schmid, Alexander Göser, neuer Vorstand des TV Rechberghausen 1888, mit Ehefrau Sabine, Landrat a.D. Franz Weber, ehemaliger Festredner bei der Enthüllung der Ulmbacher Gedenktafel in Rechberghausen.

Der Motor seitens der Ulmbacher war die erste stellvertretende HOG-Vorsitzende Elfriede Beck (geb. Kupi), die jahrzehntelang als Lehrerin in Rechberghausen tätig war und dadurch in der Gemeinde, neuzeitlich ausgedrückt, hervorragend „vernetzt“ ist – nicht zuletzt auch durch ihren „einheimischen“ Ehemann Reinhard Beck. Unter Mithilfe vieler beherzter Ulmbacher Landsleute ist es ihr gelungen, ein umfassendes Bild der Ulmbacher und der Banater Schwaben im Allgemeinen zu vermitteln und vor allem das Interesse der Besucher für unser Schicksal und unsere Geschichte zu wecken. Beweis: Die von unserer Landsmannschaft zur Verfügung gestellten Flyer über die Banater Schwaben gingen weg wie warme Semmel. Vielen der rund 1000 Besucher der Ausstellung war zwar der mittlerweile verstorbene Sepp Kupi als Initiator der Sonnenbergsiedlung und als Gartenbaufachmann ein Begriff, der Bezug zu den Banater Schwaben oder Donauschwaben wurde ihnen jedoch erst durch diese äußerst informative und berührende Ausstellung klar.

Schon bei der Eröffnung am 27. Dezember gaben die Ulmbacher den Ton an: Unter der Leitung von
Mathias Mittler boten einige aktive oder ehemalige Musikanten der Original Banater Schwabenkapelle die musikalische Kulisse für die feierliche Eröffnung der Ausstellung – wunderbare traditionelle Klänge in der urigen Atmosphäre der aufwändig restaurierten ehemaligen „Burgmühle“ (auch „Untere Mühle“ genannt) des Grafen von Rechberg. Viele Ulmbacher berührte das Ambiente ganz besonders, war es doch ihre erste Bleibe in der neuen Heimat, als die Mühle noch als Übergangswohnheim für Aussiedler diente.

Der von Elfriede Beck exzellent konzipierte Ulmbacher Teil der Ausstellung bot für jeden etwas. Die anhand von Schautafeln präsentierte Geschichte der Ulmbacher und der Banater Schwaben allgemein führte zu angeregten Diskussionen mit Elfriede Beck, Mathilde Wacker, Leni Buchmann, den Repräsentanten der Ulmbacher, die täglich für Auskünfte, Beratung und Aufsicht zur Verfügung standen. Insgesamt unterstützten 15 Helferinnen und Helfer aus den Reihen unserer Landsleute tatkräftig diese für unsere Integration so wichtige Veranstaltung. Die zahllosen Begegnungen mit Einheimischen oder Vertriebenen aus anderen ehemaligen Ostgebieten trugen in hohem Maße zum besseren Verständnis unserer Vorgeschichte und zur Erhöhung der Akzeptanz unserer Volksgruppe in der neuen Heimat bei. Dabei wurden „Lebensgeschichten“ ausgetauscht, die den Stoff für einige Romane liefern könnten…

Natürlich dürfen bei einer Ausstellung der Ulmbacher die Trachtenpuppen nicht fehlen – schließlich hatte die Kapelle bei der Vernissage ja sogar den traditionellen Ulmbacher Kirchweihtanz gespielt. Diesmal waren die Trachtenpuppen funkelnagelneu, da sie auf dem Weg ins Lenauheimer Heimatmuseum in der Kulturmühle lediglich einen Zwischenstopp einlegten.

Konzentrierten die Nicht-Ulmbacher sich vorwiegend auf die ausgestellten Veröffentlichungen unserer HOG wie Familienbuch, Familien-CD, Ortsmonographie u.a., sorgten bei den Ulmbachern vorwiegend die ausgestellten Miniaturen von Sepp Mittler für Gesprächsstoff: der „Soochmehloowe“ (Sägespäne-Ofen), der „Schroder“ (Schrotmühle) und die „Trauwepress“ (Kelter). Unterhaltsam waren auch die Gespräche um „Faatschpolster“, Weihwasserkessel u.a. Die ausgestellten Schmiedewerkzeuge oder die Werkzeuge zum Teppichknüpfen ließen so manche bereits verblasste Erinnerung wieder aufleben. Sogar eine originale Aussiedlerkiste mit der Anschrift der Nürnberger Durchgangsstelle durfte noch als Ablage für Ausstellungsgegenstände dienen.

Am Neujahrstag erklangen bei einem offenen Liedersingen neben den Rechberghäuser Heimatliedern auch Lieder aus der Heimat der Zugezogenen. Die Ulmbacher sangen einige Lieder aus der von der HOG herausgegebenen Sammlung „Ulmbacher Lieblingslieder“, welche bei den anderen Sängern nicht nur Aufsehen erregte, sondern von einigen sogar gekauft wurde.

Eine Gesprächsrunde am 6. Januar beschäftigte sich mit dem „Neuanfang in Rechberghausen“. Dort berichtete u.a. Elfriede Beck aus ihrem Leben und aus ihren Erfahrungen in der alten und in der neuer Heimat – ein unerschöpfliches Thema. Von den Erfahrungen in der neuen Heimat konnten die Rechberghäuser sich natürlich leichter ein Bild machen, durften sie in den Straßen Rechberghausens doch bereits über 30 Mal den Ulmbacher Kirchweihumzug mit den herrlichen Trachten und der dazugehörenden Marschmusik der Original Banater Schwabenkapelle miterleben.

Im Laufe der Ausstellung wurden von unseren Ulmbacher Bäckerinnen 30 Kuchen gespendet und alle verkauft. Die Ulmbacherinnen lachten sich einen Ast, wenn begeistert nach dem „Kuchen mit der Gabelzeichnung“ (Baumstamm), dem „Kuchen mit den vielen dünnen Schichten“ (Dobosch-Torte), dem „Kuchen aus dem Blätterteig“ (Krempita) oder dem Zitronenkuchen gefragt wurde.

Für alle Mithelfer und Gestalter der Ausstellung gibt es als Dankeschön ein Essen mit Kesselgulasch und Vesper. Und wie kann es anders sein: die Ulmbacherin Karin Mittler liefert den Kuchen – auf allgemeinen Wunsch auch eine Zitronen-Torte.