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Banater Post

„Singen verbindet die Völker der Welt“

Der Freiburger Singkreis unter der bewährten Leitung von Anton Bleiziffer präsentierte ein abwechslungsreiches Programm. Fotos: Josef Budean

Seit fast drei Jahrzehnten übt das Antonitreffen in Freiburg eine besondere Faszination auf das Publikum aus.

Zum 29. Mal in Folge trafen sich kulturzugeneigte und insbesondere musikliebende Menschen am 16.
Januar in Freiburg-Landwasser zum traditionellen Antonitreffen. Schon vor dem eigentlichen Beginn um 15 Uhr waren viele kreative Hände am Werk, um den Gästen ein harmonisches und in sich stimmiges Bild im Saal und auf der Bühne zu präsentieren. In seiner Begrüßungsrede betonte Anton Bleiziffer die historische Begründung des Sanktannaer Antonitreffens: Am Namenstag des Heiligen Anton, am 17. Januar 1945, wurden unsere Landsleute, Männer und Frauen zwischen 16 und 45 Jahren, zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion deportiert, um „Wiederaufbauarbeit“ zu leisten, die nichts anderes als Zwangsarbeit unter schwersten, unmenschlichen Bedingungen war. Und es war am Antonitag 1899, als eine große, aufgebrachte Menschenmenge aus den ärmeren Bevölkerungsschichten das Gemeindehaus in Sanktanna stürmte und sich gegen Ungerechtigkeiten auflehnte. Das Ereignis ist als „Antonikrieg“ in die Ortsgeschichte eingegangen.  

Das Singen des Namenstagsliedes, womit nach einer gemütlichen Kaffee- und Kuchenrunde mit reichhaltigem Kuchenbuffet der musikalische Teil der Veranstaltung eröffnet wurde, steht für die im Banat traditionell gefeierten Namenstage, an denen dieses Lied nie fehlte. Der Ehrenvorsitzende der Landsmannschaft der Banater Schwaben, Bernhard Krastl, überbrachte die Grüße des Bundesvorstandes und überreichte Bernhard Brüggen, Hans Jakobi und Linde Schlegel als Zeichen des Dankes und der Anerkennung je eine Anstecknadel der Landsmannschaft der Banater Schwaben und Anton Bleiziffer eine Krawattennadel. Die Hausmusik Weber – eine Großfamilie in vier Generationen im Alter zwischen 14 und 90 Jahren – unterhielt am Nachmittag die Gäste mit vertrauten Liedern und Weisen aus dem Banat.

Dekan Wolfgang Gaber, Dompfarrer von Freiburg, hielt auch dieses Jahr den Festgottesdienst um 17 Uhr und stellte diesen unter das Thema des Jahres der Barmherzigkeit: „Die Liebe zu Gott zeigt sich durch die Liebe zu den Menschen ... Schauen Sie immer, dass Sie ein weites Herz haben!“, rief er in seiner Predigt den Gläubigen zu. Er gab zu bedenken: „Der Mensch sieht das Äußere, Gott aber schaut das Herz“ und mahnte: „Wer Gott vergisst, vergisst auch die Menschen“.

Konzelebriert wurde der Gottesdienst von Pfarrer Dr. Alphonse aus Burundi, der zurzeit zu Gast in Deutschland ist und schon zum zweiten Mal das Antonitreffen besuchte. Es sei für ihn eine „große Freude und besondere Ehre Teil dieser fröhlichen Gemeinschaft sein zu dürfen“, so Abbé Alphonse. Nach der Banater Wurst am Abend holte er seine Gitarre hervor und sang mit allen Anwesenden den Psalm 118 „Danket dem Herrn, denn er ist gütig“ auf Französisch. Die Freude und Begeisterung der Gäste untermauerte er mit der Aussage: „Feste feiern ist besser als feste arbeiten“. Fünfzehn Minuten Lachen komme einer Stunde Sport gleich, betrachtet man die daran beteiligten Muskeln.

Zu Herzen gehende Weisen aus interkulturellen Kreisen begleiteten das Publikum den ganzen Tag über. Der Überraschungsbesuch des badischen Duos Lore und Erich mit dem „Donnerblechle“ (einem Schellenbaum) ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie Integration gelingen kann. Das Antonitreffen steht beispielhaft dafür, wie gelebte interkulturelle Freundschaft aussehen kann. Diese Offenheit und Fröhlichkeit wird vom Freiburger Singkreis gelebt und besungen: „Der Gesang uns verbindet, vereint, / weil im Herzen die Sonne stets scheint“, heißt es in einem der Musiktexte aus der Feder von Anton Bleiziffer. Dass Musik als Bindeglied zwischen den Menschen unterschiedlichster Herkunft steht, brachte auch das Lied „Singen verbindet die Völker der Welt“, ebenfalls eine Bleiziffer-Komposition, zum Ausdruck. Und dies haben die Gäste hautnah erlebt. Über den Abend verteilt wurden Eigenkompositionen und Bearbeitungen von Anton Bleiziffer dargeboten, dem Josef Budean mit seinen satirischen Parodien zur Seite stand. Alexander und Clemens Bleiziffer knüpften da an und brachten wie immer das Publikum mit ihrer Jugendfrische, ihrem Talent und Temperament zum Kochen. Stimmlich glänzten an diesem musikalischen Abend der 80-jährige Anton Henger, Bernhard Brüggen, Elfriede Mayer, Hilde Wunderlich, Josef und Theresia Rentz. Lieder, die mit ganzem Herzen gesungen werden, finden den direkten und ungefilterten Weg zu den Herzen der Zuhörer und berühren sie, wie es nur Musik und Gesang vermögen, auf einer Ebene, die beflügelt und verzaubert.

Hans Jakobi trug Gedichte in Banater Mundart von Ludwig Schwarz und Johann Szimits in gewohnt professioneller Weise vor und rezitierte zur Freude aller Hermann Hesse und Johann Wolfgang von Goethe. Selbst Wilhelm Buschs „Das Glöcklein im Walde“ war Teil seines Auftritts.

Eigens für diesen Abend hatte Anton Bleiziffer einen seiner Protestsongs ausgegraben, den er 1963, im Alter von nur 13 Jahren, anlässlich der Ermordung des US-Präsidenten John Kennedy geschrieben hatte. In seinen „Kennedy-Song“, den er beim diesjährigen Antonitreffen zum ersten Mal in Deutschland zu Gehör brachte, hatte Bleiziffer noch einen Aktualitätsbezug geschickt eingebaut. Unter anderem heißt es da: „In Freiheit und Demokratie zu leben, ist ein Privileg. Versöhnt mit der Vergangenheit, erleben wir nun die neue Zeit“. Jetzt wie damals, vor über 50 Jahren, müssen Menschen ähnliche Erfahrungen machen.

Am Abend boten die Eisenbahner-Musikanten aus Freiburg unter der Leitung von Josef Zippel einen bunten Reigen von heimatlichen Weisen. In der Pause trug Franz Wiesenmayer mit seinen Witzen und Anekdoten zur Erheiterung des Publikums bei.

Für die gesamte Programmgestaltung zeichnete Anton Bleiziffer verantwortlich. Der  Spiritus Rector des Antonitreffens und vielseitig tätige Kulturschaffende setzt sich seit Jahrzehnten für den Erhalt und die Pflege des kulturellen Erbes der Banater Schwaben, besonders im musikalischen Bereich, ein. In Würdigung seiner Verdienste ist er 2015 mit der Ehrengabe des Donauschwäbischen Kulturpreises des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet worden. Alle Redner gratulierten zu dieser besonderen Ehrung und sprachen Anton Bleiziffer Dank und Anerkennung für sein unermüdliches Wirken aus. Der Kreisvorsitzende von Freiburg, Peter Bieber, brachte es auf den Punkt: „Von solchen Banater Schwaben sollten wir mehr haben“. Anton Bleiziffer und sein ganzes Team treten mit Musik und Gesang für Frieden und Völkerverständigung, für Toleranz und Integration wie auch für die Bewahrung von Banater Tradition und Brauchtum ein. Dafür gebührt allen Mitwirkenden ein großes Lob.

Sehr gute Stimmung herrschte auch einen Tag später, am 17. Januar, als sich über 130 Landsleute im gleichen Gemeindesaal St. Petrus Canisius einfanden. Wie immer klang auch diesmal das Wochenende mit einer besonderen Bilderschau von Josef Budean aus, der das Publikum auf „Eine Reise durch Siebenbürgen“ mitnahm.

Im kommenden Jahr wird das 30. Antonitreffen stattfinden. Es ist auf den 20. Januar terminiert. Sie tun gut, sich diesen Termin vorzumerken und sich rechtzeitig anzumelden, denn es gibt nur eine begrenzte Anzahl von Plätzen im Pfarrsaal in Freiburg-Landwasser.