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Banater Post

»Durch Wahrheit zum Miteinander«

Der Festveranstaltung im Berliner Kongresszentrum ging eine Kranzniederlegung am Zentralen Mahnmal der deutschen Vertriebenen auf dem Theodor-Heuss-Platz in Berlin voraus. Foto:DOD

TAG DER HEIMAT 2010

Der Bund der Vertriebenen beging am Samstag, dem 11. September, im Internationalen Congress Centrum in Berlin die festliche Auftaktveranstaltung zum Tag der Heimat. Auch bundesweit wurden in größeren Gemeinden unter Beteiligung örtlicher Politiker Veranstaltungen zum Tag der Heimat abgehalten. In den nächsten Wochen werden weitere Veranstaltungen folgen. Der diesjährige Tag der Heimat steht unter dem Leitwort „Durch Wahrheit zum Miteinander“. An der Feier in Berlin nahm seitens der Landsmannschaft der Banater Schwaben Bundesvorsitzender Bernhard Krastl teil. Die Festrede bei der zentralen Veranstaltung in Berlin hielt der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer, der sich stets als Freund und Unterstützer der Heimatvertriebenen gezeigt hat. Horst Seehofer hat sich im Sinne des Leitwortes immer dafür ausgesprochen, dass die Wahrheit über die Vertreibung nicht unterdrückt werden darf und stets gewarnt, dass es mit den europäischen Nachbarn nur ein gedeihliches, störungsfreies Zusammenleben geben wird, wenn man auf der Basis von Wahrheit und Gerechtigkeit die gemeinsame Geschichte aufarbeitet.

Der Auftritt von CSU-Chef Horst Seehofer war mit Spannung erwartet worden, zumal im Vorfeld Forderungen laut wurden, sich von der BdV-Präsidentin Erika Steinbach zu distanzieren. Bekanntlich war Steinbach in den vergangenen Tagen wegen Äußerungen zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs massiv unter Druck geraten. Die BdV-Präsidentin wies alle Anschuldigungen entschieden zurück und bezeichnete die gegen sie geführte Kampagne als konzertierte Aktion gegen sie und andere Funktionäre des BdV. In ihrer Ansprache bekannte sie sich unmissverständlich zur deutschen Kriegsschuld und sagte wörtlich: „Jeder im Lande hier weiß, wer den Zweiten Weltkrieg begonnen hat. Hitler hat die Büchse der Pandora geöffnet.“ Im Zusammenhang mit der Bewertung der historischen Ereignisse und besonders im Hinblick auf die Vertreibung der Deutschen stellte sie die Forderung auf, keine Barbarei durch eine andere zu rechtfertigen. Menschenrecht mit zweierlei Maß zu messen, sei paradox an sich.

In ihrer Rede ging die BdV-Vorsitzende auch auf die vor sechzig Jahren verabschiedete Charta der deutschen Heimatvertriebenen ein und wertete diese als „beträchtlichen Gewinn, sowohl für unsere junge Demokratie als auch für die Vertriebenen”. Gleichzeitig bedauerte die Rednerin, dass der bereits 2003 vom BdV gemachte Vorschlag, den 5. August zum Nationalen Gedenktag für die Opfer der Vertreibung zu erheben, noch nicht verwirklicht werden konnte.

In der Rückschau auf die vom BdV in den zurückliegenden Jahren geleistete Arbeit widmete die Präsidentin der Stiftung Zentrum gegen Vertreibungen einen breiten Raum. Ihr Fazit: „Als im Jahre 1999 im Präsidium des BdV darum gerungen wurde, ob und mit welchen Zielsetzungen man eine Stiftung zur Erinnerung an die Vertreibung der Deutschen gründen wolle oder sollte, hat es sich von uns Beteiligten keiner träumen lassen, was damit in den Folgejahren bis zum heutigen Tage ausgelöst werden würde. Die Vertriebenendebatten der letzten Jahre bis hin zum heutigen Tage sind direkte Folge der von unserem Verband damals getroffenen Entscheidung, die Stiftung Zentrum gegen Vertreibungen ins Leben zu rufen. Und sie sind Teil eines Klärungsprozesses, der immer noch nicht abgeschlossen ist.

Die heftigen Abwehrreflexe, die es nach wie vor gibt, sind das deutlichste Indiz dafür. Wir haben durch die Gründung der Stiftung Beachtliches erreicht. In dieser Woche, am 6. September, ist unsere Stiftung zehn Jahre alt geworden. Das sind zehn Jahre hervorragender Arbeit, die dank zahlloser Spenden Privater und Paten-schaften von Städten, Gemeinden und Ländern möglich wurde. Nur unserer Stiftung wegen, nur durch den Druck, den wir durch gute Argumente erzeugt haben, gibt es heute die Bundesstiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung. Durch das Engagement vieler ist es mit Hilfe unserer Stiftung gelungen, in Berlin eine dauerhafte Gedenkeinrichtung auf den Weg zu bringen, die an das Schicksal und das Kulturerbe der deutschen Heimatvertriebenen erinnert. Der Weg dahin war außerordentlich schwierig – es war eine Art Extrembergsteigen –, und der Weg war nicht ohne Verwerfungen und Steinschlag. Aber wir haben ihn unbeschadet und sehr erfolgreich bewältigt.“ (Weitere in der Rede von Erika Steinbach angeschnittene Themen auf Seite 3.)

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer stärkte in seiner Festrede zum Tag der Heimat der BdV-Präsidentin den Rücken und verteidigte sie gegen den Vorwurf der Geschichtsklitterung. Auch Seehofer bekannte sich klar zur deutschen Kriegsschuld. Deren Anerkennung bezeichnete er als Grundlage für eine Aussöhnung mit den Nachbarvölkern. Das Gedenken an Flucht und Vertreibung sei ein berechtigtes Anliegen aller Deutschen. Seehofer unterstrich in seiner Rede die Bereitschaft, die Vertriebenen auch künftig zu unterstützen: „Sie stehen auf dem Boden unserer Wirtschafts- und Werteordnung. Sie stehen auf dem Boden des Grundgesetzes. Solange ich Ministerpräsident bin, werden wir als Bayern an der Seite der Heimatvertriebenen stehen.“ Er äußerte sich anerkennend zu den Leistungen der Vertriebenen allgemein und ganz besonders zum Wirken von BdV-Präsidentin Erika Steinbach für das Zustandekommen des Vertriebenenzentrums in Berlin.

Der diesjährige Ehrenplakettenträger des BdV ist der Bürgermeister von Hermannstadt, Klaus Johannis, der sich sehr um die guten Beziehungen zwischen Deutschland und Rumänien verdient gemacht und um Verständnis für Rumänien und seine deutsche Minderheit geworben hat. Seinen unermüdlichen Bemühungen ist es zu verdanken, dass Hermannstadt heute eine Vorzeigestadt in Rumänien ist und 2007 auch Kulturhauptstadt Europas war.