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Banater Post

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Bei seinem Besuch in Großsanktnikolaus wurde Bundesbeauftragter Koschyk (Mitte) von Bürgermeister Dănuț Groza (dritter von links) im Rathaus empfangen. Dem Empfang wohnten bei (von links) der deutsche Konsul in Temeswar, Siegfried Geilhausen, mit Gattin, Bundesvorsitzender Peter-Dietmar Leber mit Gattin und die Forumsvorsitzende Dietlinde Huhn.

Am Abend des 3. August trafen sich die zu Besuch im Banat weilenden Funktionsträger der Landsmannschaft der Banater Schwaben − Mitglieder des Bundesvorstandes und Vorsitzende von Kreisverbänden und Heimatortsgemeinschaften − mit dem Bundesbeauftragten Hartmut Koschyk im „Schwabenhaus“ in Alexanderhausen.

Gemütliche Gesprächsrunde des Bundesbeauftragten Koschyk mit den Bewoherinnen des Altenheims in Bakowa sowie dem Direktor der Adam-Müller-Guttenbrunn-Stiftung, Helmut Weinschrott, und dem Vorsitzenden des Hilfswerks der Banater Schwaben, Nikolaus Rennon. Fotos: Stefanie Schramm

Der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Hartmut Koschyk MdB, weilte vom 31. Juli bis 6. August bereits zum dritten Mal in diesem Jahr im Banat. Im März hatte er an der Gedenkveranstaltung anlässlich des 70. Jahrestages der Deportation der Rumäniendeutschen zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion und der Einweihung des Denkmals „In memoriam“ vor dem Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus in Temeswar teilgenommen. Anlass seiner zweiten Reise war die 18. Sitzung der Deutsch-rumänischen Regierungskommission für Angelegenheiten der deutschen Minderheit in Rumänien, die am 7. und 8. Juli in Temeswar stattfand. Als deutscher Ko-Vorsitzender leitete er die Tagung der Regierungskommission gemeinsam mit dem rumänischen Ko-Vorsitzenden George Ciamba, Staatssekretär im Außenministerium. Die Umsetzung des bei dieser Gelegenheit unterzeichneten Protokolls war zentrales Thema bei dieser dritten Reise, auf der Bundesbeauftragter Koschyk von Peter-Dietmar Leber, dem Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft der Banater Schwaben, begleitet wurde.

Über einige Termine und Vor-Ort-Besuche, die Hartmut Koschyk gemeinsam mit dem Innenminister des Landes Baden-Württemberg, Reinhold Gall, wahrgenommen hat, berichteten wir bereits. Ebenso war der Besuch des Bundesbeauftragten in Sanktanna, Tschanad und Nitzkydorf Gegenstand von Berichten der jeweiligen Heimatortsgemeinschaften. Deshalb konzentriert sich dieser Beitrag auf die weiteren Stationen seiner Banat-Reise.

Unmittelbar nach seiner Ankunft im Banat nahm Bundesbeauftragter Koschyk im Beisein von Innenminister Reinhold Gall und des Karlsruher Oberbürgermeisters Dr. Frank Mentrup an der Unterzeichnung eines Abkommens zwischen der Hochschule Karlsruhe und der West-Universität Temeswar zur Einrichtung eines Doppelabschlussprogramms Bachelor Wirtschaftsinformatik und eines Sponsoring-Vertrags zwischen dem Deutschen Wirtschaftsclub Banat und der Temeswarer West-Universität teil. Gemeinsam mit Innenminister Gall und dessen Delegation besuchte Koschyk auch das 147. Kirchweihfest in Sanktanna, das am 1. August gefeiert wurde. Auftakt des Besuchs war der Empfang durch Bürgermeister Daniel Tomuţa im Rathaus der Kleinstadt. Nach dem Kirchweihgottesdienst in der Mutter-Anna-Kirche hatten Koschyk und Gall noch die Möglichkeit, die deutsche Schule und das von der Adam-Müller-Guttenbrunn-Stiftung geführte deutsche Altenheim zu besuchen. Abgerundet wurde das Besuchsprogramm durch einen herzlichen Empfang des Vaters des aus Sankt-anna stammenden Nobelpreisträgers Prof. Dr. Stefan Hell, der in das Elternhaus des Wissenschaftlers einlud. Bei seinem Aufenthalt in Sanktanna freute sich Koschyk, auch den ehemaligen Visitator der Donauschwaben, Monsignore Andreas Straub, und Pfarrer Josef Hell zu treffen, die in seinem Wahlkreis Bayreuth als Seelsorger tätig sind.

Am darauf folgenden Tag wohnte Bundesbeauftragter Koschyk den Feierlichkeiten in Maria Radna bei. Anlass war die Segnung der Renovierungsarbeiten der Wallfahrtskirche und des angrenzenden ehemaligen Franziskanerklosters. Beim Pontifikalamt, dem Joachim Kardinal Meisner, der emeritierte Erzbischof von Köln als außerordentlicher Gesandter von Papst Franziskus vorstand, trug Bundesbeauftragter Koschyk die Lesung in deutscher Sprache vor. Koschyk war von der hier erlebten interethnischen und interreligiösen Vielfalt angetan, die gerade im Banat ein wichtiges Beispiel für ein friedliches Zusammenleben in Europa ist. Dem feierlichen Pontifikalamt in Maria Radna war eine vorabendliche Begegnung im Temeswarer Bischofs-palais auf Einladung von Diözesanbischof Martin Roos vorangegangen, der sich ein Konzert im Dom anschloss.

Am 3. August traf sich Koschyk zu einem Meinungs- und Informationsaustausch mit dem von Norbert Hansmann geleiteten Banater Verein für Internationale Kooperation BANATIA in Temeswar. Im Vordergrund des Gesprächs standen sowohl die bisherige Entwicklung des Vereins als auch aktuelle Projektplanungen. Dabei empfahl Koschyk, künftig einen Schwerpunkt des Vereins auf die Tourismuserschließung zu legen.

Im Anschluss an dieses Gespräch besuchte Hartmut Koschyk die Stadt Großsanktnikolaus und die Gemeinde Tschanad. Beim Empfang im Rathaus von Großsanktnikolaus hob Bürgermeister Dănuţ Groza die positive Entwicklung der Stadt hervor. Großsanktnikolaus sei von einem freundlichen Stadtbild gekennzeichnet und könne Vollbeschäftigung vorweisen, sagte Groza. Er betonte dabei den positiven Einfluss der deutschen Minderheit, die sich durch die gute Verbindung zum Deutschen Forum, zur Heimatortsgemeinschaft und zur Partnerstadt Burgkirchen an der Alz in Bayern auszeichnet. Beim anschließenden Rundgang konnte sich der Gast aus Deutschland ein Bild vom Stadtzentrum und den fünf Kirchen des Ortes (serbisch-orthodox, römisch-katholisch, rumänisch-orthodox, evan-
gelisch und griechisch-katholisch) machen. Danach besuchte Bundesbeauftragter Koschyk noch den
katholischen Friedhof in der ehemaligen Deutschgemeinde.

Daran schloss sich ein Besuch des von Dietlinde Huhn geleiteten Deutschen Forums an, wo auch die 1994 eröffnete Sozialstation angesiedelt ist. Hier werden 20 Personen in ambulanter Pflege betreut, die täglich eine warme Mahlzeit nach Hause geliefert bekommen. Die Gastgeberin berichtete im Beisein des Parlamentsabgeordneten des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien, Ovidiu Ganţ, über die Deutsche Abteilung der Allgemeinschule Nr. 2, an der Deutsch als Muttersprache bis zur 8. Klasse unterrichtet wird, und wies dabei auf deren besondere Rolle im Hinblick auf die Förderung des deutschen Sprachunterrichts und der deutschen Kultur hin. Im Gespräch mit dem Bundesbeauftragten Koschyk betonten die anwesenden Schüler und Lehrer die positive Prägung und Identitätsentwicklung, die sich aus dem deutschsprachigen Unterricht ergibt. Eine rumänische Absolventin berichtete beispielsweise von der Bereicherung, die sie persönlich als „Rumänin mit deutscher Identität“ empfinde.

Nach einem Besuch in der Großgemeinde Tschanad klang der Tag bei einer Zusammenkunft im „Schwabenhaus“ in Alexanderhausen aus, bei der Koschyk Mitglieder des Bundesvorstandes und Vorsitzende von Heimatsortsgemeinschaften und Kreisverbänden unserer Landsmannschaft traf, die zu Besuch im Banat weilten.

Auf Einladung der Vorsitzenden der HOG Nitzkydorf, Dr. Hella Gerber, und des Bürgermeisters der
Gemeinde Nitzkydorf, Ioan Maşco-vescu, nahm Bundesbeauftragter Koschyk am 4. August an den Feierlichkeiten zum 230. Gemeindejubiläum teil, die sich zu einem beeindruckenden deutsch-rumänischen Freundschaftsfest gestalteten. Beim Festakt, der auf den feierlichen Gottesdienst mit anschließender Enthüllung einer Gedenktafel zur Würdigung dreier großer Söhne der Gemeinde, Kranzniederlegung am Denkmal für die Opfer des Ersten Weltkrieges und Kirchweihtanz folgte, sprachen Hartmut Koschyk und Peter-Dietmar Leber ein Grußwort.

Weiterhin besuchte der Bundes-beauftragte die Pater Paulus Farm der Caritas der Diözese Temeswar, wo Menschen aus der Obdachlosigkeit in einen vorbildlichen landwirtschaftlichen Betrieb und eine Schreinerwerkstatt integriert werden, und das Deutsche Altenheim in Bakowa. Hier wurde die Delegation von Helmut Weinschrott, dem Direktor der Adam-Müller-Guttenbrunn-Stiftung, und dessen Ehefrau Anni sowie dem Vorsitzenden des Hilfswerks der Banater Schwaben, Nikolaus Rennon, herzlich begrüßt. Die vom Bundesministerium des Innern geförderte Einrichtung ist nicht nur Heimstätte für ältere Mitbürger, sondern auch eine Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche, die dort ein tägliches Mittagessen erhalten.

Am 5. August stand ein Besuch im Banater Bergland auf dem Programm. In Reschitza wurde die Delegation vom Vorsitzenden des Demokratischen Forums der Banater Berglanddeutschen (DFBB), Erwin Josef Ţigla, im Jugend,- Dokumentations- und Kulturzentrum „Alexander Tietz“ empfangen, und von einem Militärorchester musikalisch begrüßt. Ţigla stellte die Forumsarbeit vor und wartete sodann mit einer Überraschung auf. Anlässlich von Koschyks erstem Besuch im Banater Bergland hatte das DFBB einen eigenen Poststempel entworfen, mit dem alle an diesem Tag aus Reschitza ausgehenden Postsendungen gestempelt wurden.

Nach einem Besuch des Ferienlagers „Deutsch mit Spaß“ in Wolfsberg legte Bundesbeauftragter Koschyk einen Kranz im Gedenken an 70 Jahre Deportation an dem 1995 errichteten Denkmal der Russlanddeportierten in Reschitza nieder. Im Diaconovici-Tietz-Lyzeum traf sich Koschyk sodann zu einem Meinungs- und Informationsaustausch mit Direktor Boris Vatzulik, der Leiterin der Deutschen Abteilung und weiteren Lehrkräften des Gymnasiums. Im Mittelpunkt des Gesprächs standen der Unterricht in deutscher Sprache, aktuelle Schulprojekte und -partner sowie die Austauschprojekte nach und mit Deutschland und Österreich.

Am letzten Tag seiner Banat-Reise besuchte Koschyk das Kolping-Ausbildungshotel in Karansebesch. Der Bundesbeauftragte ist selbst langjähriges Mitglied der Kolpingfamilie. In dieser Einrichtung, die Nachwuchsköche ausbildet, wird auch sozialen Aspekten Rechnung getragen, indem junge Menschen mit Behinderung vorrangig in der hauseigenen Gärtnerei beschäftigt werden. Im Gespräch mit den Kolping-Verantwortlichen ging es vorrangig um die Tourismusentwicklung im Banat und die duale Ausbildung im Hotel- und Gaststättenbereich. Es wurden erste Konzepte entwickelt und Maßnahmen besprochen, für deren Umsetzung Koschyk seine weitere Unterstützung zusicherte.

Auf seiner Reise im Banat wurde der Bundesbeauftragte vom Konsul der Bundesrepublik Deutschland in Temeswar, Rolf Maruhn, begleitet.