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Banater Post

Im Herzen ein Sohn seiner Heimat geblieben

Otto Aczel

Zum Ableben von Prof. Dr. Otto Aczel

Otto Aczel wurde am 31. Juli 1929 in Großkomlosch geboren. Hier besuchte er die ersten vier Klassen der Volksschule, anschließend war er vier Jahre Schüler des Deutschen Realgymnasiums (später Lenau-Schule) in Temeswar. Im Herbst des Jahres 1944 wurden alle deutschen Mittelschulen aufgelöst, deshalb musste er die Reifeprüfung am rumänischen Loga-Lyzeum ablegen. Nach bestandener Aufnahmeprüfung an der Medizinfakultät wurde Aczel das Studieren verwehrt, da sein Vater Grundbesitz hatte und als Arzt nicht der damals von den Kommunisten favorisierten „Arbeiterklasse“ zugehörig war. Dennoch gelang es Otto Aczel ein Studium an der neu gegründeten Fakultät für Mathematik und Physik zu beginnen. Dank seiner guten Lernergebnisse wurde er nach Absolvieren der Hochschule 1951 zum Assistenten am Physik-Lehrstuhl berufen. Die „ungesunde soziale Herkunft“, die ihm bereits das Medizinstudium verwehrte, wurde ihm 1959 wieder zum Verhängnis, und er wurde zusammen mit einem ungarischen Kollegen von der Hochschule fristlos entlassen. In den folgenden Jahren unterrichtete Otto Aczel am deutschen Gymnasium in der Temeswarer Josefstadt unter anderem auch an einer Spezialklasse für Physik. 1962 gelang es ihm, an die Hochschule zurückzukehren. In den folgenden Jahren entfaltete er hier eine rege wissenschaftliche Tätigkeit und schaffte es, die akademische Karriereleiter bis zum Universitätsprofessor (1990) zu erklimmen. Otto Aczel veröffentlichte zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten, Fachbücher sowie Kurse für Studenten anlässlich seiner Promotion 1970. Im Jahre 1983 wurde ihm zusammen mit drei seiner Kollegen der Doktor-Hurmuzescu-Preis der Rumänischen Akademie der Wissenschaften verliehen. Trotz der Erfolge auf dem Gebiet der Forschung war Otto Aczel nach eigenen Aussagen am liebsten Lehrer. Kurz nach dem Sturz des Kommunismus in Rumänien 1989 wanderte Aczel mit seiner Familie nach Deutschland aus und ließ sich in Nürnberg nieder. Da er damals bereits sechzig Jahre alt war, entschloss er sich, seine berufliche Laufbahn zu beenden.

In den folgenden Jahren engagierte er sich besonders im sozialen Bereich und war bemüht, in seiner neuen Heimat Wurzeln zu fassen. Er saß viele Stunden in der Stadtbibliothek, um sich über die Sehenswürdigkeiten der Frankenmetropole zu informieren. Dann fotografierte er die über zweihundert Brunnen, 47 römisch-katholischen Kirchen und Kapellen in Nürnberg, um Diavorträge im Rahmen der Landsmannschaft der Banater Schwaben zu halten. Auch in Nürnberger Kultureinrichtungen und Vereinen kam er gut an. Genau 33 „Grabmale unsterblicher Komponisten“ europaweit stellte er seinen Zuschauern dann mittels Diavorträgen mit Kommentaren und Musikbeispielen vom Tonband vor. Prof. Dr. Otto Aczel hat seine Schüler und Zuhörer nicht nur in Physik, sondern auch als Mensch wie kein anderer erreicht.

Zwischen 1976 und 1990 war Otto Aczel Mitglied im Temeswarer Literaturkreis Adam-Müller-Guttenbrunn mit eigenen Lesungen und Veröffentlichungen in der Neuen Banater Zeitung und in Anthologien wie „Fechsung“ und „Pflastersteine“. Auch im Sammelband „Die Erinnerung bleibt“ (Herausgeber: Stefan Teppert) ist er mit Texten vertreten. Seine literarische Tätigkeit setzte er in Nürnberg mit Lesungen im Kreisverband der Landsmannschaft, bei Veranstaltungen der Stadt Nürnberg und im „Seniorenzentrum Josef Nischbach“ in Ingolstadt fort. Viel Erfolg hatte Otto Aczel mit seinen Büchern „Das Haar in der Suppe – Unernste Gedichte für ernste Leser“ (erschienen 1996 im MirtonVerlag Temeswar) und „Ernste und heitere Gedichte in Hochdeutsch und Banatschwäbisch“ (2007, Selbstverlag). In der Anthologie „Wenn der Heil’ge Abend naht“ (R.-G.-Fischer-Verlag Frankfurt/Main 2008) ist er mit Weihnachtsgedichten vertreten. Im Band wird einleitend vermerkt, dass der Titel des Buches sich an eines der Gedichte Aczels anlehnt. In der Banater Post sind immer wieder Gedichte und andere Beiträge zu den verschiedensten Anlässen erschienen. Gleichzeitig war Aczel Mitarbeiter und Mitglied im Redaktionskollegium der in seiner Heimatgemeinde Großkomlosch erscheinenden Zeitschrift Suflet nou. In der alten Heimat wurde er 2003 mit der Ehrenbürgerschaft der Gemeinde Großkomlosch geehrt. Er war auch lange Jahre Mitglied im Vorstand der Heimatortsgemeinschaft Großkomlosch-Lunga und im Vorstand des Kreisverbandes Nürnberg. Außerdem Mitverfasser der beiden Ausgaben des Heimatblattes Großkomlosch.

Otto Aczel war seit 1960 mit der Lehrerin Elfriede Unterreiner verheiratet. Ihr Sohn wirkt als Architekt in Nürnberg. Am 18. August verstarb Otto Aczel im Krankenhaus in Nürnberg nach einem schweren Krebsleiden in den Armen seiner Frau. Bei der Beerdigungszeremonie in der Kapelle in Worzeldorf gaben die Familienangehörigen, Verwandte, Freunde, ehemalige Schüler und Bekannte unserem Landsmann die letzte Ehre. Als 81-jähriger war unser Landsmann eine Kämpfernatur, trug sein Schicksal tapfer und mit Würde, ohne zu klagen. Die Banater Schwaben können stolz sein, in ihrer Mitte einen so vielseitigen aktiven Mann, mit dem wir auch vieles teilen durften, gehabt zu haben. Sein großes Anliegen war es bis zuletzt, das geistige-kulturelle Leben der Banater Schwaben zu pflegen und sie beim Erhalt ihrer Identität zu stützen. Dass sein Beispiel weiter wirken wird, ist uns das ergreifendste Zeichen seines Lebenswerkes. Möge ihm der Herr Anteil geben an der Auferstehung und ihn einladen zum Gastmahl des ewigen Lebens. Dankbar gedenken wir seiner – als Mensch und Pädagoge.