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Banater Post

Innenminister Reinhold Gall zu Besuch im Banat

Innenminister Reinhold Gall legte in Anwesenheit der Mitglieder seiner Delegation und von Vertretern des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat einen Kranz am Denkmal für die Opfer der Russlanddeportation vor dem Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus in Temeswar nieder. Fotos: Innenministerium Baden-Württemberg

Innenminister Reinhold Gall (mit Kirchweihhut) und Bundesbeauftragter Hartmut Koschyk (dritter von rechts) waren Ehrengäste des 147. Kirchweihfestes in Sanktanna.

Innenminister Reinhold Gall (zweiter von links) traf sich zu einem Gespräch mit Bischof Martin Roos (dritter von rechts) im Temeswarer Bischofspalais.

Baden-württembergischer Politiker macht sich ein Bild über die Situation der deutschen Minderheit. Bei einer viertägigen Reise nach Rumänien hat sich der Innenminister des Landes Baden-Württemberg, Reinhold Gall, ein Bild von der Situation der deutschen Minderheit im Banat gemacht. „Ich bin überzeugt, dass die deutsche Kultur im Banat sehr lebendig ist, auch wenn mittlerweile der allergrößte Teil der Banater Schwaben in Deutschland lebt“, sagte Gall nach seiner Rückkehr. Er habe viele Gespräche mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Schule geführt, die von einer angenehmen Atmosphäre und gegenseitigem Verständnis geprägt gewesen seien.

Innenminister Gall besuchte vom 30. Juli bis 2. August das Banat in Begleitung einer Delegation, der Dr. Frank Mentrup, Oberbürgermeister der Stadt Karlsruhe, Peter-Dietmar Leber, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Banater Schwaben, Vertreter des Instituts für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde Tübingen (Prof. Dr. Reinhard Johler, Leiter und Dr. Mathias Beer, Geschäftsführer), der Donauschwäbischen Kulturstiftung des Landes Baden-Württemberg (Vorstandsvorsitzender Hans Beerstecher und Geschäftsführer Dr. Eugen Christ) und des Innenministeriums (Thomas Berger, Leiter der Zentralstelle und Herbert Hellstern, Leiter der Abteilung 4) sowie Tom Hǿyem, Direktor der Europäischen Schule Karslruhe, angehörten.

Es war der erste Besuch von Innenminister Reinhold Gall im Banat. Gegenüber der ADZ erklärte der Minister: „Es war mir geradezu eine Herzensangelegenheit, hierher zu kommen. Ich bin nicht zum ersten Mal in Rumänien, ich war bereits in Siebenbürgen, (...) und habe mich wirklich darüber gefreut, dass die Identität der Deutschen hier noch eine solch positive Rolle spielt. Es war gerade zwangsläufig, dass ich in den Westen Rumäniens komme, ins Banat.“

Den Auftakt des Besuchs bildete ein Gespräch mit Bischof Martin Roos im Bischofspalais in Temeswar. Bischof Roos erwarb sich große Verdienste dadurch, dass er nach der politischen Wende in Rumänien die Diözese reorganisierte und trotz der massenhaften Auswanderung der Deutschen feste Strukturen aufgebaut hat, die heute das kirchliche Leben tragen. Nach seinen Aussagen hat die Auswanderung der Deutschen nicht nur das Aussehen der einstigen deutschen Dörfer radikal verändert, sondern sie hatte auch sonst zahlreiche negative Auswirkungen, unter anderem in der katholischen Kirche. Bildeten die Deutschen im Banat vor der Auswanderung die Mehrheit der römisch-katholischen Gläubigen, so gebe es in Banater Ortschaften kaum noch Deutsche und damit auch viel weniger Katholiken. Ein Problem stelle auch die Erhaltung der Kirchengebäude dar.

Im Anschluss daran traf sich der Innenminister mit Vertretern des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat im Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus. An diesem Gespräch nahmen neben dem Abgeordneten des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien im Bukarester Parlament, Ovidiu Ganţ, die Vorsitzenden des Regionalforums Banat (Dr. Johann Fernbach), der Ortsforen Arad (Michael Szellner) und Temeswar (Dagmar Şiclovan) und des Forums der Banater Berglanddeutschen (Erwin Josef Ţigla) sowie die Vorsitzende des Banater Jugendforums Sorana Beică, der Direktor der Adam-Müller-Guttenbrunn-Stiftung Helmut Weinschrott, der Geschäftsführer des Banater Vereins für Internationale Kooperation „Banatia“ Norbert Hansmann, die Leiterin der Lenau-Schule Helene Wolf sowie der Vorsitzende des Vereins der ehemaligen Russlanddeportierten Ignaz Bernhard Fischer teil. Innenminister Gall betonte, dass im Hinblick auf die gemeinsame kulturelle Vergangenheit die Förderung der Kulturarbeit, wie sie Paragraph 96 des Bundesvertriebenengesetzes Bund und Ländern auftrage, für Baden-Württemberg und die Landesregierung sehr wichtig sei. Anschließend nahm der Innenminister mit seiner Delegation die Gelegenheit zum Besuch und zu Gesprächen mit den Bewohnern des Altenheims wahr. Danach legte Gall am kürzlich eingeweihten Denkmal für die ehemaligen Russlanddeportierten vor dem Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus einen Kranz nieder.

Zum Abschluss dieses ersten Besuchstages reiste der Innenminister in Begleitung des Oberbürgermeisters der Stadt Karlsruhe in die Gemeinde Billed. Beim Besuch des Bürgermeisters Leontin Duţă trug sich der Minister in das Goldene Buch der Gemeinde ein. Zudem besuchte er dort das Heimathaus, wo er vom Billeder Forumsvorsitzenden Adam Csonti, dem Vorsitzenden der HOG Billed, Werner Gilde, und weiteren Vorstandsmitgliedern empfangen wurde. Minister Gall durfte bereits einen Blick in das kleine Heimatmuseum werfen, das erst Ende August 2015 zur 250-Jahr-Feier des Ortes offiziell eröffnet wird.

Die Reihe der Gespräche am 31. Juli begann mit einem Besuch des Ministers und der Delegation beim Bürgermeister der Stadt Temeswar. Bürgermeister Nicolae Robu stellte der Delegation Temeswar ausführlich vor und betonte insbesondere die sich aus den historischen Wurzeln ergebenden besonderen Beziehungen der Stadt und des Banats zu Baden-Württemberg. Er hob insbesondere hervor, wie wichtig der Beitrag der Deutschen gerade auch in kultureller Hinsicht für Temeswar sei. Die Wirtschaftslage der Stadt sei auch dank der deutschen Unternehmen in Temeswar sehr gut. Nach der Unterredung trug sich Innenminister Gall ins Goldene Buch der Stadt Temeswar ein. Einblicke in die Verwaltungsstruktur in Rumänien erhielt der Innenminister in den anschließenden Gesprächen mit dem Vertreter des Kreisratspräsidenten und dem Präfekten Eugen Dogariu.

Danach besuchten der Minister und seine Delegation die Firma Haufe Lexware GmbH & Co. KG. Hierbei handelt es sich um eine seit 2010 in Temeswar bestehende Niederlassung der baden-württembergischen Firma Haufe Lexware GmbH & Co. KG mit Stammsitz in Freiburg. Die Firmenvertreter hoben dabei besonders hervor, dass für die Eröffnung eines Standorts in Rumänien die Qualität der Ingenieure sowie die guten Chancen auf dem Arbeitsmarkt entscheidend gewesen seien.

Im Gespräch mit Vertreterinnen und Vertretern der Lenau-Schule wurden zwei aktuelle Anliegen der Schule erörtert. Zum einen ging es um die Sicherung des Schulbetriebs nach Ende der Sommerferien Mitte September 2015 vor dem Hintergrund der Renovierungsarbeiten im Schulgebäude. Hier zeichnete sich nach dem Gespräch des Ministers mit dem Temeswarer Bürgermeister eine Lösung dahingehend ab, dass der Schulbetrieb vorübergehend in Räumen der Polytechnischen Hochschule weitergeführt werden kann. Zum anderen ging es um den Fachlehrermangel, insbesondere in den Fächern Mathematik und Physik. Hier sagte Minister Gall zu, sich an den baden-württembergischen Kultusminister zu wenden und um Prüfung zu bitten, inwieweit das Land die Lenau-Schule bei der Suche nach entsprechenden Fachlehrern unterstützen kann.

In Anwesenheit des Innenministers Reinhold Gall und des Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten Hartmut Koschyk MdB wurde  danach in einem beeindruckenden Festakt ein weiteres Kapitel der intensiven Hochschulkooperation zwischen der West-Universität Temeswar und der Hochschule für Technik und Wirtschaft Karlsruhe aufgeschlagen. Die Rektoren Prof. Dr. Marilen Gabriel Pirtea und Prof. Dr. Karl-Heinz Meisel unterschrieben ein Abkommen, das den Doppel-Abschluss des Bachelors für Wirtschaftsinformatik ermöglicht. In seinem Statement begrüßte Minister Gall die Kooperation zwischen Universität und Hochschule und verwies auf die herausragenden Möglichkeiten der Studierenden im Rahmen des Doppelabschlussprogramms, sich einzigartig zu qualifizieren und ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern.

Es folgte ein Stadtrundgang, geführt durch den Redaktionsleiter der „Banater Zeitung“ Werner Kremm, mit Besichtigung des Revolutionsmuseums. Am Abend lud Innenminister Reinhold Gall Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Kirche, Medien und der deutschen Minderheit zu einem Empfang in die Residenz des Konsuls ein.

Am 1. August 2015 führte die Reise Innenminister Gall und seine Delegation nach Sanktanna, um am 147. Kirchweihfest teilzunehmen. Nach einem Empfang beim Bürgermeister der Stadt, Daniel Tomuţa, schloss sich die Delegation dem Festzug zur Teilnahme am Hochamt an. Das Sanktannaer Kirchweihfest ist das größte von den Banater Schwaben veranstaltete Volksfest im Banat, eine Mischung aus religiösen und weltlichen Ausdrucksformen. Das Fest ist vor allem ein Wiedersehen mit „alten“ Bekannten und eine Auffrischung der Erinnerungen an früher, als noch alle in der „alten Heimat“ lebten. Zur Überraschung des Ministers hatten sich auch viele Landsleute aus der „neuen Heimat“ zur Kirchweihfeier in Sanktanna eingefunden.

Nach dem Besuch der Schule, die demnächst den Namen des aus Sanktanna stammenden Nobelpreisträgers Prof. Dr. Stefan Hell tragen soll, dem Besuch der Sozialstation und interessanten Unterhaltungen mit deren Bewohnern übergab der Innenminister ein Fahrzeug der Landesfeuerwehrschule an die Gemeinde Sanktanna. In seiner Ansprache betonte der Minister, Baden-Württemberg unterstütze aus Solidarität gerne die Kollegen der Feuerwehren in Rumänien, die mit ungleich schwierigeren Rahmenbedingungen für den Brandschutz sorgten. Das überlassene Löschgruppenfahrzeug LF 16/12 mit Baujahr 1993 wurde viele Jahre in Bruchsal bei der praktischen Ausbildung an der Landes-feuerwehrschule eingesetzt.

Zurück in Temeswar, besuchte die Delegation die Firma Barum GmbH & Co.KG. Hierbei handelt es sich um ein Familienunternehmen mit Sitz in Baden-Württemberg. In Temeswar wurde die Firma, die Komponenten für den Maschinenbau produziert, 1993 gegründet. Auch bei diesem Firmenbesuch wurde einmal mehr deutlich, wie wichtig es ist, qualifizierte und gut ausgebildete Fachkräfte zu bekommen. Diese Voraussetzungen sind nach Angaben des Firmeninhabers in Temeswar auch durch die Kooperation mit der dortigen Universität sehr gut gegeben.

Den Abschluss dieses Tages bildete ein Abendessen mit anschließendem Orgelkonzert auf Einladung von Bischof Martin Roos. Neben den Mitgliedern der Delegation waren der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Hartmut Koschyk MdB, der Abgeordnete Ovidiu Ganţ, Botschafter Werner Hans Lauk und Joachim Kardinal Meisner anwesend. Nach dem Essen folgte ein gemeinsamer Fußweg zum Temeswarer Dom, dem zweitgrößten barocken Sakralbau in Südosteuropa. Das Orgelkonzert bildete den klangvollen Abschluss dieses Besuchstages in Temeswar.

Am 2. August 2015, dem letzten Tag der Banat-Reise des Ministers, führte die Fahrt zur Basilika Maria Radna. Die Delegation nahm am Hochamt zur Segnung der  Renovierungsarbeiten der Wallfahrtskirche Maria Radna teil. Hauptzelebrant des Pontifikalamtes war Joachim Kardinal Meisner. Anwesend waren viele katholische Würdenträger aus Serbien, Ungarn, Deutschland, Österreich, Kroatien und Italien sowie Vertreter anderer Konfessionen. Zudem waren der deutsche Botschafter Werner Hans Lauk und Hartmut Koschyk MdB anwesend. Das Pontifikalamt wurde auch vor der Basilika auf große Leinwände und im Rumänischen Fernsehen live übertragen. Im internationalen Begegnungszentrum der bulgarischen Minderheit in Lippa nahm die Delegation an einem Mittagessen für alle geladenen Gäste auf Einladung von Bischof Martin Roos teil. Danach erfolgte die Abfahrt zum Flughafen Temeswar und von dort die Rückreise.

„Es waren ein paar tolle Tage mit schönen Eindrücken und deshalb kann ich jetzt schon sagen, dass ich bestimmt nicht das letzte Mal im Banat gewesen bin“, erklärte Innenminister Reinhold Gall zum Abschluss seines viertägigen Besuchs im Banat.