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Banater Post

Banater Jugend als „Brückenbauer“ ausgezeichnet

Laudatorin Christa Naaß überreicht dem DBJT-Vorsitzenden Harald Schlapansky die Urkunde zur Auszeichung als „Brückenbauer“ durch die SPDFraktion im Bayerischen Landtag; rechts im Bild der Vertriebenenpolitische Sprecher der Fraktion, Volkmar Halbleib MdL. Foto: BayernSPD Landtagsfraktion

Melanie Müller und Melanie Furak (von links) am Rednerpult im Plenarsaal des Bayerischen Landtags: die beiden DBJT-Vorstandsmitglieder stellten die Banater Jugendorganisation vor. Foto: Walter Tonța

Stolz präsentiert die DBJT die Urkunde zur Auszeichnung als „Brückenbauer“ durch die SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag. Foto: Norbert Müller

Dort, wo im Plenarsaal des Bayerischen Landtags sonst die Mitglieder der Bayerischen Staatsregierung ihren Platz haben, saßen am Nachmittag des 21. Juni Vertreter der DBJT, der Jugendorganisation der Landsmannschaft der Banater Schwaben: Mitglieder des DBJT-Vorstandes und der Banater Trachtengruppe München. Der Anlass war ein besonderer: Die DBJT wurde von der SPD-Landtagsfraktion als „Brückenbauer“ ausgezeichnet. Die Ehrung fand anlässlich des diesjährigen Empfangs für Heimatvertriebene, Flüchtlinge und Aussiedler statt, zu dem die BayernSPD-Landtagsfraktion einen Tag nach dem erstmals bundesweit begangenen Gedenktag an Flucht und Vertreibung eingeladen hatte.

Seit Jahren ehrt die SPD-Landtagsfraktion anlässlich ihres Empfangs für Heimatvertriebene, Flüchtlinge und Aussiedler Persönlichkeiten und Initiativen, die sich als Brückenbauer verstehen und für die Bewahrung des kulturellen Erbes der Heimatvertriebenen und Aussiedler sowie die Verständigung mit ihren Herkunftsländern in Mittel-, Ost- und Südosteuropa besonders engagieren. Außerdem ist der alljährliche Empfang auch für die Seliger-Gemeinde, die Gesinnungsgemeinschaft sudetendeutscher Sozialdemokraten, Anlass, Persönlichkeiten zu würdigen, die sich für die deutsch-tschechische Verständigung einsetzen.

Der vertriebenenpolitische Sprecher und Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Volkmar Halbleib, begrüßte namentlich neben dem Generalkonsul der Tschechischen Republik, Milan Čoupek, und dem Vizekonsul der Republik Polen, Przemysław Gem-biak, seitens des Bundes der Vertriebenen dessen Präsidenten Dr. Bernd Fabritius MdB sowie die beiden Vizepräsidenten Christian Knauer und Albrecht Schläger, sodann die Vertreter der Sudetendeutschen Landsmannschaft und der Landsmannschaft der Banater Schwaben, die Vertreter der Seliger-Gemeinde und der Ackermann-Gemeinde, die designierten Preisträger sowie seine Kollegen aus dem Deutschen Bundestag und dem Bayerischen Landtag, darunter die vertriebenenpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Hiltrud Lotze MdB. Die Landsmannschaft der Banater Schwaben war bei dieser Feierstunde durch den Bundes- und Landesvorsitzenden Peter-Dietmar Leber und den stellvertretenden Landesvorsitzenden und Münchner Kreisvorsitzenden Bernhard Fackelmann vertreten.

Der bundesweite Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung sei ein wichtiger Tag nicht nur für die Vertriebenenverbände und für die von Flucht und Vertreibung nach 1945 unmittelbar betroffenen Menschen, sondern auch für die gesamte Gesellschaft, sagte der  vertriebenenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Volkmar Halbleib, in seiner Begrüßungsansprache. Durch seine Festlegung auf den 20. Juni, dem Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen, werde die Erinnerung an vergangenes Leid und Unrecht mit dem heutigen Elend der Flüchtlinge und Vertriebenen und der humanitären Katastrophe vor unserer Haustür verknüpft. Beides werde dadurch nicht relativiert, betonte Halbleib, zumal die Erinnerung an die Massenvertreibungen in Europa vor 70 Jahren auch eine Aufforderung sei, „historische Lehren zu ziehen für heute und morgen“ und zugleich Mahnung, den heutigen Kriegs- und Terrorflüchtlingen beizustehen, ihnen „zu helfen zu überleben und zu helfen zu leben“. Denn: „Flucht und Vertreibung sind kein historisch abgeschlossenes Phänomen, von dem man nur in Geschichtsbüchern lesen kann. Sie gehören zu den drängendsten und bedrückendsten Herausforderungen unserer Zeit.“

Man könne Flucht und Vertreibung damals und heute nicht gleichsetzen, gestand Halbleib. Nach dem Zweiten Weltkrieg seien Deutsche zu Deutschen gekommen, aber damals wie heute „kommen Menschen zu Menschen“. Die Menschen, die aus ehemals deutschen Gebieten in Osteuropa vertrieben wurden und in Bayern eine neue Heimat gefunden haben, und die Kriegsflüchtlinge aus Syrien oder dem Irak heute teilten gemeinsame existentielle Grunderfahrungen: „die Erfahrung von Krieg, Not, Leid, Elend, Unrecht, aber auch die Erfahrung, am Zufluchtsort nicht willkommen zu sein“. Halbleib sagte, er sei dankbar, dass es auch unter den Heimatvertriebenen und deren Nachkommen sowie unter den Aussiedlern Menschen gebe, die mithelfen, den heutigen Flüchtlingen und Asylbewerbern eine menschenwürdige Aufnahme in Deutschland zu bereiten.

Der Präsident des Bundes der Vertriebenen, Dr. Bernd Fabritius, dankte in seinem Grußwort der SPD-Landtagsfraktion für ihr jahrelanges und nachhaltiges Engagement für die Themen der Vertriebenen, was sich auch in dem alljährlichen Empfang widerspiegle: „Ich wünschte mir, dass das bayerische Modell in anderen Bundesländern Nachahmer fände“, bekundete der BdV-Präsident. Die Verknüpfung des Gedenkens an die Opfer von Flucht und Vertreibung mit dem Weltflüchtlingstag sei auch in den Reihen des Bundes der Vertriebenen umstritten gewesen, erinnerte Fabritius. Dem hielt er entgegen: „Wenn unserer Vertreibung an demselben Tag gedacht wird, an dem Flucht und Vertreibung in aller Welt im Fokus der Öffentlichkeit steht, dann wird dadurch der Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg der gleiche Unrechtscharakter, der gleiche Unrechtswert beigemessen wie allen anderen Vertreibungen. Es ist eine deutliche Ansage gegen alle Theorien von Kollektivschuld und Kausalrechtfertigungen.“ Der BdV stehe für eine Ächtung von Flucht und Vertreibung weltweit und damit auch an der Seite heutiger Flüchtlinge und Vertriebener, die „unserer Solidarität und Empathie bedürfen“, bekräftigte Fabritius.

Die Reihe der Ehrungen begann mit Hanna Zakhari. Die Vorsitzende des Deutschen Kulturverbands
Region Brünn erhielt den diesjährigen Wenzel-Jaksch-Gedächtnispreis der Seliger-Gemeinde. Laudator Dr. Helmut Eikam, Ko-Vorsitzender der Seliger-Gemeinde, lobte den persönlichen Einsatz von Zakhari für die deutsche Minderheit in Tschechien und den Erhalt ihrer kulturellen Traditionen und würdigte die Geehrte als Brückenbauerin zwischen Deutschen und Tschechen. Im Rahmen der Veranstaltung würdigte die Seliger-Gemeinde zudem die Sudetendeutsche Landsmannschaft für ihren Reformkurs. Der Bundesvorsitzende Bernd Posselt nahm die Ehrung entgegen. In der Laudatio sagte der Ko-Vorsitzende der Seliger-Gemeinde und Vizepräsident des Bundes der Vertriebenen, Albrecht Schläger, unter Posselts Führung seien von der Sudetendeutschen Landsmannschaft viele jahrelange Forderungen der Seliger-Gemeinde zum Ausgleich zwischen Deutschen und Tschechen übernommen worden. Der CSU-Politiker Posselt warb in seiner bemerkenswerten Dankesrede für gemeinsame Anstrengungen für eine gute und friedliche Nachbarschaft mit Tschechien und betonte, dass
eine kollektive Rückkehr der Vertriebenen oder eine gleichwertige Entschädigung völlig absurd und unrealistisch wären.

Und dann kam der große Moment: An das Rednerpult trat Christa Naaß, Mitglied im Vorstand der BayernSPD und im Vertriebenenpolitischen Beirat der SPD-Landtagsfraktion sowie Generalsekretärin des Sudetendeutschen Rates. Die ehemalige Landtagsabgeordnete und vertriebenenpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, auf deren Initiative der Empfang für Flüchtlinge, Vertriebene und Aussiedler vor acht Jahren ins Leben gerufen wurde, hielt die Laudatio auf die als „Brückenbauer“ ausgezeichnete Deutsche Banater Jugend und Trachtengruppen unter der Leitung von Harald Schlapansky. Die Arbeit der DBJT richte sich nach dem Motto „Tradition heißt, nicht Asche zu bewahren, sondern das Feuer weiterzugeben“, und man merke, „wie sie im wahrsten Sinne des Wortes brennt, auf vielfältige Weise das Herkunftsbewusstsein, die Stärkung der Gemeinschaft, das Weiterleben des Banater Brauchtums und der Traditionen und auch die Zusammenarbeit mit Einrichtungen im Herkunftsland zu befördern“.

Die Laudatorin umriss sodann die wichtigsten Aufgabenfelder der landsmannschaftlichen Jugendarbeit. Die DBJT habe „viel geschaffen und viel bewegt“, lobte Christa Naaß. Sie „vermittelt einer breiten Öffentlichkeit Banater Brauchtum, schwäbisches Trachtengut und traditionelle Tänze. Sie nimmt wichtige Aufgaben zur Bewahrung der Identität der Banater Schwaben wahr und leistet durch ihre vielfältigen Aktivitäten einen wesentlichen Beitrag zur Stärkung der Gemeinschaft und eine Verbindung zwischen den Generationen“. Deshalb werde die DBJT heute von der SPD-Landtagsfraktion als „Brückenbauer“ ausgezeichnet. Damit würdige diese, wie es in der Verleihungsurkunde heißt, „das
Engagement des Jugendverbands der Landsmannschaft der Banater Schwaben für den Erhalt und die Förderung der Banater Kultur, die Integration junger Spätaussiedler und die Verständigung mit den Menschen in den Herkunftsregionen der Donauschwaben als vorbildlich“.

Die vom Fraktionsvorsitzenden Markus Rinderspacher und dem Vertriebenenpolitischen Sprecher Volkmar Halbleib gezeichnete Urkunde wurde anschließend dem DBJT-Vorsitzenden Harald Schlapansky von Christa Naaß und Volkmar Halbleib überreicht. Schlapansky dankte für diese große Ehrung, wonach Melanie Furak und Melanie Müller, Mitglieder des DBJT-Vorstandes, die Banater Jugendorganisation, deren Ziele, Grundsätze, Aufgabenfelder und breit gefächerten Tätigkeiten mittels einer beeindruckenden PowerPoint-Präsentation vorstellten. Mit ihrer selbstbewusst und souverän vorgetragenen Präsentation gelang es den beiden Jugendlichen, die von der Laudatorin gelieferte Begründung der Auszeichnung näher zu erläutern und bildlich zu veranschaulichen.

Neben der DBJT zeichnete die SPD-Fraktion Eduard Neuberger, ein Russlanddeutscher aus Straubing, und Peter Paul Polierer, Bundesvorsitzender  der Sudetendeutschen Jugend, als „Brückenbauer“ aus. Beide engagieren sich ehrenamtlich in der Betreuung von Asylbewerbern und Flüchtlingen.

„Die Banater Schwaben gehören seit Jahrzehnten fest zu Deutschland, insbesondere auch zu Bayern. Sie bereichern unser Land materiell, kulturell, ideell durch ihren Fleiß, ihre Mentalität, ihre Traditionen, ihre Werte“, so Volkmar Halbleib in seiner Eröffnungsansprache. Deshalb sei es auch der SPD-Landtagsfraktion ein besonderes Anliegen gewesen, die DBJT als „Brückenbauer“ auszuzeichnen. Es ist ein eindrucksvolles Zeichen von Wertschätzung und Anerkennung des Bemühens unserer Jugendorganisation, Banater Traditionen und Brauchtum zu erhalten und jugendgerecht an die nächsten Generationen weiterzugeben. Die Landsmannschaft der Banater Schwaben gratuliert zu dieser Auszeichnung und wünscht der DBJT, dass es ihr gelingen möge, die Glut immer wieder zu entfachen und das Feuer weiterzugeben.

Den musikalischen Rahmen der Veranstaltung lieferten die Original Banater Dorfmusikanten unter Leitung von Helmut Baumgärtner. Angesichts der Tatsache, dass dies bereits ihr dritter Auftritt hier innerhalb von nur wenigen Wochen war, sei sie auf dem besten Weg, zur Hauskapelle des Bayerischen Landtags aufzusteigen, merkte Volkmar Halbleib an. Die Blaskapelle hatte auch den Empfang der CSU-Fraktion zum Gedenken an 70 Jahre Flucht und Vertreibung am 6. Mai sowie den Empfang der Landsmannschaft der Banater Schwaben am Vortag musikalisch umrahmt.