zur Druckansicht

private Anzeige schalten

Media-Center

Banater Post

Ein Geschenk zum Stadtjubiläum

Die Teilnehmer am Trachtenfest

Lippaer Brauttracht (1937)

Banater Trachtenfest in Waldkraiburg

Vorausplanen kann man heutzutage fast alles, nur nicht das Wetter. Mit dieser Einsicht mussten sich die Organisatoren des großen Trachtenfestes in Waldkraiburg (Kreisverband Waldkraiburg und Landesverband Bayern der Landsmannschaft) am 24. Juli wohl anfreunden, als heftige Regengüsse sie dazu zwangen, im letzten Augenblick nicht den ganzen Ablauf des Festes zu ändern. Doch was kann schon ­­­ein Sommerregen anrichten, wenn Kirchweihstimmung in der Luft liegt? Und diese gab es wohl, trotz Regenschirm und Plastikfolien zum Schutz der wertvollen Trachtenkleider. Wo über hundert jugendliche Trachtenträger zusammenkommen und wo die Blasmusik aufspielt, da kann nichts schiefgehen. Ein kleiner Trost waren die von der Bäckerei Hellberg  gesponserten schwäbischen  „Bäckkipfel“, die am Nachmittag zur Begrüßung der Gäste gereicht wurden.

Nach Waldkraiburg, wo seit langem jedes Jahr Banater Kirch-weih gefeiert wird, sind diesmal Trachtengruppen aus Würzburg, Crailsheim, Spaichingen, München, Altötting und Waldkraiburg gekommen, um gemeinsam zu feiern. Zu ihnen gesellten sich weitere Trachtenabordnungen und Einzelpaare der Egerländer Gmoi (dem Patenverein der Gastgeber), der Sudetendeutschen Landsmannschaft und der Siebenbürger Sachsen. Im Festzug machten weiter die Fahnenabordnungen der Kreisverbände München, Ingolstadt und Waldkraiburg mit. Vom Haus der Vereine ging es – begleitet von den Klängen der Waldkraiburger Blaskapelle der Banater Schwaben (Leitung Gert Streibelt) und dem Original Banater Echo (Leitung Manfred Ehmann) –zunächst in Richtung Stadtmitte und dann zur Christkönigkirche. Hier zelebrierte Heimatpfarrer Peter Zillich die Festmesse, die ursprünglich im Stadtpark hätte gefeiert werden sollen. Die vielen Trachtenpaare, die im Altarraum Aufstellung genommen haben, die eindrucksvollen Worte des Pries-ters und die feierlichen Klänge der Schubert-Messe ließen den Gottesdienst zu einem erhebenden Moment der Großveranstaltung werden.

Seine Fortsetzung fand das Fest dann im Haus der Kultur. Hier hieß Georg Ledig (Vorsitzender des Kreisverbandes Waldkraiburg der Banater Schwaben und stellvertretender Bundesvorsitzender der Landsmannschaft) die Gäste von nah und fern herzlich willkommen und als Ehrengäste den Ersten Bürgermeister der Stadt und Schirmherrn Siegfried Klika, den Bundestagsabgeordneten Stefan Mayer, die Mitglieder des Stadtrates, den Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft der Banater Schwaben, Bernhard Krastl, den Bundesgeschäftsführer und Landes-vorsitzenden Bayern, Peter Dietmar Leber, die Mitglieder des Landesverbandes Bayern, Pfarrer Peter Zillich, Hans Noll und Bernhard Fackelmann, den Vorsitzenden der Deutschen Banater Jugend- und Trachtengruppen (BDJT) und Mitglied im Bundesvorstand, Harald Schlapansky, Vorsitzende der Heimatortsgemeinschaften und Kreisverbände sowie die Vertreter der befreundeten Verbände und Vereine.

Bürgermeister Klika lobte die Verbundenheit der Banater Schwaben mit ihrer Tradition und hob gleichzeitig deren Bereitschaft hervor, sich in das gesellschaftliche Leben in der neuen Heimat einzubringen. Auf die feste Verankerung der Banater Schwaben in der neuen Heimat wies auch Peter Dietmar Leber hin, als er davon sprach, dass die Landsleute in der Vertriebenen-Stadt Waldkraiburg nicht nur ihren Platz gefunden haben, sondern auch ein festgefügtes Teil einer neuen, in Jahrzehnten gewachsenen Gemeinschaft geworden sind. An die vielen jungen Leute, die an der Veranstaltung teilnahmen, richtete er den Aufruf: „Viele von Euch sind schon in Bayern oder in Baden-Württemberg geboren.

Ihr tragt etwas in Euch und bringt es durch diese Tracht zum Ausdruck, was es sonst nicht mehr gibt: einen wertvollen Schatz von Überlieferungen, von Traditionen, die in einer ganz bestimmten Region unter besonderen Bedingungen in einer ganz bestimmten Zeit entstanden sind. Ihr seid die Hüter dieses Schatzes. In diesem Sinne möchten wir unseren Beitrag zum großen Fest der Stadt Waldkraiburg verstanden wissen. Wir zeigen an diesem Festtag unsere wertvollsten Schätze, sie sind älter als fünfzig oder sechzig Jahre, sind Hunderte von Jahren alt, und sie gehören jetzt auch zu Waldkraiburg, sind Teil seiner Geschichte. Ein schönes Geschenk!“

Bernhard Krastl, der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft, überbrachte Glückwünsche zum fünfzigjährigen Stadtjubiläum und würdigte das Bemühen der Kommune, beste Voraussetzungen geschaffen zu haben, damit alle in Waldkraiburg heimisch gewordenen  Volksgruppen sich frei entfalten und sich in die Gesellschaft integrieren konnten: „Wir danken dem Bund, dem Land und den Kommunen, dass wir uns eine neue Heimat schaffen konnten und eine vorbildliche Integration erfahren durften.“

Stimmungsvoll ging der bunte Trachtenreigen weiter. Es erübrigt sich fast zu sagen, dass durch die Vielzahl der Teilnehmer fast alle Banater Dörfer vertreten waren. Selbst die Gastgebergruppe aus Waldkraiburg hatte sich für dieses Fest etwas Besonderes ausgedacht: Jedes Mitglied trug die Kirchweihtracht seines ehemaligen Heimatdorfes. Und auch sonst gaben sich die Teilnehmer am Trachtenfest größte Mühe, originelle und oftmals sehr alte Stücke zu zeigen. Von den Trachtenkleidern der Kinder über die Kostüme der Jugendlichen bis hin zu den zu verschiedenen Anlässen getragenen Trachtenkleidern war alles dabei, was die Vielfalt der banatschwäbischen Trachtenkultur ausmacht. Um den Gästen eine bessere Übersicht zu verschaffen, wurden im weiteren Verlauf der Veranstaltung die einzelnen Gruppen und ihre Trachten vorgestellt. Am Nachmittag und  am Abend wechselten in bunter Folge Lieder, Volkstänze und Trachtenpräsentationen, die immer wieder von Applaus begleitet wurden. Doch auch die Tanzlustigen kamen voll und ganz auf ihre Rechnung. Die Primtaler aus Spaichingen unterhielten mit ihren flotten Rhythmen die Gäste bis spät in die Nacht.