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Banater Post

Temeswarer Seelenpastelle

Von Fred Zawadzki gestaltete Einladung zu den Temeswarer Tagen in München unter Verwendung eigener Bilder.

Bei der Eröffnung der Ausstellung im Rumänischen Generalkonsulat München (von links): Generalkonsul Anton Niculescu, Bundesvorsitzender Peter-Dietmar Leber mit Ehefrau Hiltrud, DFDB-Vorsitzender Johann Fernbach, Fred Zawadzki, Vizekonsulin Carmen Agoutin, Karl-Wilhelm Agatsy.

Zum Auftakt der Temeswarer Tage in München, über deren Verlauf in der vorigen Ausgabe berichtet wurde, fand im Generalkonsulat Rumäniens in München am Abend des 17. April die Vernissage der Ausstellung „Temeswarer Seelenpastelle“ statt. Fred Zawadzki – das ist der Künstlername des in Reutlingen beheimateten Zahnarztes und Vorsitzenden der Heimatortsgemeinschaft Temeswar, Dr. Waldemar Alfred Zawadzki – zeigte 23 Bilder mit Motiven seiner Heimatstadt Temeswar. Vorgestellt wurde der Künstler und sein Werk von dem Kunstpädagogen und bildenden Künstler Johann Burger (München). Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus seiner Präsentation.

[...] Fred Zawadzki, eigentlich Waldemar Ernst Alfred Zawadzki, ist am 19. September 1958 in Temeswar geboren. Er ist der Sohn zweier Siebenbürger Sachsen, die aus Mediasch nach Temeswar zum Studium kamen und dort beruflich hängen blieben. So ergab es sich, dass Fred seine Kindheit und Jugend im behüteten Zuhause seiner Familie im Dunstkreis der Innenstadt verbrachte. Er wurde am Busen der deutschen Lenauschule ernährt, dort verbrachte er seine zwölf Schuljahre und schloss mit gutem Abitur ab. Schon früh zeigte er großes Interesse an Kunst und Kultur, war fasziniert von der reichhaltigen, sichtbar zerfallenden Architektur der Stadt, unternahm erste zaghafte Schritte zur künstlerischen Gestaltung.

Mit Wahlkursen am Kunstlyzeum ergänzte er seine Kenntnisse über Perspektive, Raum- und Farbenlehre sowie über Bildgestaltung. Für Familie und Freunde völlig überraschend kam dann sein plötzlicher Entschluss, Zahnmedizin als Broterwerb zu studieren. Nach bestandener Abschlussprüfung (1983) wurde er als Jahrgangsprimus an die Hochschule berufen. Doch schon nach wenigen Jahren wollte es das Schicksal – bedingt durch widrige Zeitumstände –, dass er am 24. Juli 1987 die Flucht nach Deutschland antrat. [...]

Damit begann für ihn ein neuer Lebensabschnitt in Deutschland, zunächst in Stuttgart, ab März 1990 in Reutlingen als Zahnarzt mit eigener Praxis. Doch eigentlich hat er seine Heimatstadt Temeswar nie verlassen: Schon ab 1994 finden wir ihn als Mitglied im Vorstand der HOG Temeswar, und ab dem neuen Jahrtausend leitet er die Heimatortsgemeinschaft als Vorstandsvorsitzender. Er scheute sich nicht, trotz des schwierigen Neuanfangs in Deutschland, auch Verantwortung für seine Landsleute zu übernehmen. Sein unbändiger künstlerischer Gestaltungswille prägt seither auch das Jahresheft („Temeschburger Heimatblatt“). Er besucht laufend künstlerische Lehrgänge, absolviert die Axel-Andersson-Akademie in Paris, setzt seine künstlerische Tätigkeit als Kommunikationsgrafiker sehr erfolgreich ein. […] Fred Zawadzki ist inzwischen zum Markenzeichen für Temeswarer Druckgrafik geworden. Er war es immer, er ist und bleibt ein bekennender Temeswarer, mit Herz und Seele. Wobei wir wieder zur heutigen Ausstellung, zu den Seelenpastellen kommen.

Unter der Aufschrift „Brücken der Sehnsucht“ schreibt er aus seiner Phantasiekathedrale, dem geheimnisvollen Dach der Trauerweide unweit der Bischofsbrücke: „Während ich in meinen Zeichnungen die Brückenarchitektur verewigte, ließ ich des Öfteren meiner Phantasie freien Lauf und stellte mir vor, durch das Überqueren der Brücke direkt in eine andere Existenz, in ein anderes Leben zu gelangen. Betört vom Duft der weiten Welt, hatte ich Sehnsucht nach Freiheit, Selbstbestimmung…. Heute – praktisch am anderen Ufer – sehne ich mich manchmal nach meinem einfachen Brückenpfeiler zurück. Nach den sinnlichen Düften, die mich unter der Trauerweide berauschten, nach meiner Sorglosigkeit, der ich durch den Gang über die Brücke entschwunden bin. In meiner jugendlichen Ahnungslosigkeit nicht wissend, dass sie zurück nicht mehr zu überqueren war – sein wird…“ (Temeschburger Heimatblatt 2005)

Es ist die Stimme einer verwundeten Seele, und nur diese kann solche Bilder hervorbringen. Eine Stimme voller Wehmut und Sehnsucht nach dem Ort seiner Kindheit. Diese Bilder von Temeswar entstehen aus dem Versuch der Selbstheilung. Sie verblassen, entstehen neu, verdunkeln sich, um sich rasch wieder aufzuhellen. Sie wachsen in farbprächtigem Kleid vor unseren Augen. Der Maler „knetet“ sich geradezu die Formen und Farben zurecht, bis sie zu seinen Gefühlen passen. Er sucht und findet Gesetzmäßigkeiten im Erlebten, als fürchte er die Erinnerungen zu verlieren. Ein Blick zurück, niemals im Zorn, nein, eher auf der Suche nach Halt, nach den Gewissheiten seiner Jugend.

Nur so wird Kunst zur Flucht aus der Vergänglichkeit, nur so spürt man den Atem des Ewigen. Maltechnisch arbeitet er mit pastosen Deckfarben, wasserlöslichen Tempera, setzt diese übereinander, in mehreren sich durchdringenden Schichten. Ein rasches Vorgehen mit sicherer Hand ist die zwingende Voraussetzung. Selten erkennt man zarte Lasuren, eher immanente, zufällige Transparenz. So wie die ersten Siedler dereinst die Banater Erde durchpflügten und bleibende Werte schufen, so setzt, spachtelt und wischt Fred Zawadzki Formen und Farben. Es hat etwas Archaisches, wie er mit unnachahmlichem Eifer seine Wurzeln sucht, wie er es nicht scheut, seine innersten Gefühle entblößt zur Schau zu stellen. Den leuchtenden Farben nach müssen es wohl sehr glückliche, tief empfundene Stunden gewesen sein, denen der Künstler nicht selten in serieller Wiederholung nachsinniert.
Und es sind immer wieder orts-bestimmende Wahrzeichen: Türme aus der barocken Frühzeit, Gebäude aus der Gründerzeit, Portale und Stirnzeichen des Jugendstils, Brücken und begehbare Wege. Ja, immer wieder Brücken, auch Brücken der Begegnung der Kulturen. […]

Wenn man Deine Bildergalerie im Internet besucht, erkennt man aber auch schon neue Ansätze und neue Wege, die Du gehen wirst. Man erkennt, wie Du allmählich die neue Heimat aufnimmst, neue Erlebnishorizonte beschreitest. Nach der Begegnung mit Deinen hier ausgestellten Bildern kann man Dir nur eine glückliche Hand dazu wünschen. Wie immer auch Deine zukünftigen Wege aussehen werden, Deine Selbstzeugnisse, Deine „Seelen“-Bilder werden allen Temeswarern gewidmet bleiben. Und wir
wollen sie heute tief in unser Bewusstsein aufnehmen und ganz nostalgisch dahinschwelgen.

Es war eine sehr weise Entscheidung, diese Bilder hier im Rumänischen Generalkonsulat auszustellen. Fred Zawdazkis tiefe innere Bindung zu seiner Heimatstadt TEMESWAR – TIMIŞOARA kommt hier, im Rumänischen Generalkonsulat, zur würdigen Geltung. Bleibt zu hoffen, dass dies nur ein Anfang ist. […]