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Banater Post

15 Zeitzeugen stellvertretend für 70.000 Opfer

Der Gottesdienst wurde von Banater Schwaben und Siebenbürger Sachsen gemeinsam gestaltet. Auf dem Foto (von links): Walter Zippert, Max von Egidy (evangelischer Pfarrer) und Hans-Werner Bell. Fotos: Leo Daniel

Am ökumenischen Gedenkgottesdienst in der Kirche St. Sebastian in Würzburg-Heuchelhof, in dessen Rahmen der Deportation in die Sowjetunion vor 70 Jahren gedacht wurde, nahmen 15 Zeitzeugen teil.

Was die mit dem Nobelpreis gekrönte Schriftstellerin Herta Müller in ihrem Buch „Atemschaukel“ thematisiert hatte, nämlich die Deportation der Deutschen aus Rumänien in die ehemalige Sowjetunion, dessen haben wir im Rahmen eines ökumenischen Gottesdienstes am 7. März in der Kirche St. Sebastian im Würzburger Stadtteil Heuchelhof gedacht. Rund 15 Zeitzeugen, die vor 70 Jahren zur Zwangsarbeit verschleppt wurden, standen stellvertretend für die 70 000 Rumäniendeutschen, Frauen zwischen 18 und 30 Jahren und Männer zwischen 17 und 45 Jahren, die dieses Schicksal ereilt hatte.

In einer sehr persönlichen und emotionalen Ansprache, beleuchtete Else Röhrich aus ihrer Perspektive als Kind, dessen Mutter verschleppt wurde, das damalige Geschehen.  „Wir haben uns heute daran gewöhnt, in allem einen Sinn zu suchen. Auch im Leid liege ein Sinn, heißt es, den man erst viel später erkennen könne. Beim besten Willen, ich kann in diesem Leidensweg … keinen Sinn entdecken! Man wird aber darauf hinweisen müssen, dass diese Tragödie unserer Landsleute gezeigt hat, wozu eine gottlose Welt imstande ist und dass es sich lohnt, seine Kinder zu verantwortungsvollen Christen zu erziehen“, lautete ihr Schlussfazit.

Überwältigt von der hohen Besucherzahl, der positiven Resonanz, den vielen interessanten Gesprächen und Begegnungen rund um die Dokumentation zur Deportation, die anschließend in einer lockeren Atmosphäre im Pfarrsaal zu sehen war, hatten die Organisatoren und die freiwilligen Helfer am Schluss das gute Gefühl, dass die Veranstaltung nicht nur eine gelungene und würdige war, sondern letztlich auch eine notwendige, weil sie von so vielen lebendigen und emotionalen Erinnerungen an ein gemeinsames Schicksal getragen war, das die Banater Schwaben und Siebenbürger Sachsen gleichermaßen traumatisiert hat.