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Banater Post

Mit dem Bundesbeauftragten Hartmut Koschyk im Banat

Bundesbeauftragter Hartmut Koschyk dankte bei seinem Besuch in Temeswar dem Direktor der Adam-Müller-Guttenbrunn-Stiftung, Helmut Weinschrott, und seiner Frau Anni für die erfolgreiche Leitung des Altenheimes im Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus in Temeswar. Foto: Schramm

Das 1994 eröffnete und mit Mitteln der Bundesregierung errichtete Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus beherbergt das Altenheim, ist Forumssitz und Kulturzentrum. Foto: Archiv BP

Mitgliedsausweis des Vereins der ehemaligen Russlanddeportierten

Gute Beziehungen zu Deutschland und den Deutschen im Banat (Teil 3)

Das Adam Müller-Guttenbrunn-Haus in Temeswar ist für offizielle und inoffizielle Besuchsreisende nach wie vor eine der ersten Anlaufstellen im Banat. Alle rumänischen Staatspräsidenten waren schon in dem 1994 eröffneten Haus, Klaus Johannis, eben erst ins Amt gewählt, besuchte es als Präsidentschaftskandidat während des Wahlkampfes. Auch der Bundesbeauftragte für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Hartmut Koschyk MdB, war 1995 in anderer Funktion bereits in diesem Haus. Knapp zwanzig Jahre später kam er als Beauftragter der Bundesregierung nach Temeswar, um von Ängsten und Nöten, aber auch von Hoffnungen und Erwartungen der Verantwortlichen des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat in den verschiedenen Bereichen zu erfahren. Die Antworten, die er erhielt, ergeben ein äußerst differenziertes Bild der organisierten deutschen Minderheit im Banat. Weniger, was das bisher Erreichte betrifft, sondern vor allem was die Zukunftsfähigkeit dieser Gruppe betrifft. Diese wird bald von Leuten, wie der Vorsitzenden des Jugendforums, Bianca Barbu, bestimmt werden, die aus Interesse für die deutsche Sprache und Kultur deutschsprachige Schulen besucht, an deutschsprachigen Fakultäten studiert, verschiedene Praktika und Lehrgänge in Deutschland absolviert haben und letztlich in den Organisationen der Deutschen mitwirken. Nicht die Herkunft bestimmt die Zugehörigkeit, sondern das Interesse. Aus diesem Grund bietet die Otto Benecke-Stiftung sogenannte YOU.PA-Programme für junge Interessenten aus den Reihen oder den Organisationen der deutschen Minderheit an, die im Fernstudium zu Jugend- und Kulturmanagern fortgebildet werden. 12 Mitglieder des vor allem in Arad aktiven Jugendverbandes BanatJA haben ein YOU.PA-Programm durchlaufen. Noch sind nicht viele dieser Jugendlichen in verantwortlichen Positionen des Deutschen Forums angelangt, aber eigene Akzente setzen sie bereits heute.

Verein ehemaliger Russlanddeportierter

Seit den Anfängen des Forums mit dabei ist Ignaz Bernhard Fischer, ein streitbarer Geist wenn es um die Belange der ehemaligen Russlanddeportierten geht. Fischer stammt, wie so viele Verantwortliche des Forums, aus Bakowa. Er war fünf lange Jahre in der Deportation und man spürt, dass die Ereignisse von damals ihn sein ganzes Leben lang begleitet haben. Er musste betteln gehen, um nicht vor Hunger zu sterben, Holz stehlen, um dieses gegen Lebensmittel einzutauschen, Leidensgenossen in Massengräbern beerdigen. Ignaz Bernhard Fischer hatte das erste Treffen der ehemaligen Russlanddeportierten in Temeswar, zwei Monate nach der politischen Wende 1989, mitorganisiert, als 1500 Teilnehmer zusammenkamen und Ordinarius Sebastian Kräuter eine Heilige Messe zelebrierte. Seitdem ist die Betreuung dieser Opfergruppe sein Lebensinhalt geworden, er warb für Medikamente und Spenden, für Empathie und rechtliche Anerkennung des erlittenen Leids. Ein großes Vorhaben hat der 88-jährige Ignaz Bernhard Fischer noch auf seiner Agenda. Es ist die Errichtung eines Denkmals für die Opfer der Deportation, im März 2015 soll es vor dem Haupteingang des Adam Müller-Guttenbrunn-Hauses an der Gheorghe-Lazăr-Straße enthüllt werden.

Nöte und Sorgen des AMG-Hauses

Wegen Forderungen nach Restitution eines Teilgrundstückes, auf dem das Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus in Temeswar steht, sah sich Helmut Weinschrott, Direktor der Adam-Müller-Guttenbrunn-Stiftung (sie ist Träger des deutschen Altenheimes im gleichnamigen Haus), in den zurückliegenden zwei Jahren mit großen Problemen konfrontiert. Während andere Alteigentümer in Temeswar nur schwer rechtliche Ansprüche durchsetzen konnten, bekam in diesem Verfahren eine in Deutschland lebende Antragstellerin in allen Instanzen sehr zügig Recht gesprochen. Das zermürbende Verfahren fand im Dezember 2013 ein Ende, als die Stiftung das Grundstück für einen hohen Betrag erwerben musste. Die Mittel waren Rückstellungen der Stiftung für Ersatzinvestitionen. Helmut Weinschrott und sein kleines Team sieht sich jedoch auch mit anderen Problemen konfrontiert. Knapp 500 betagte Banater Schwaben werden von ihm und seinen Mitarbeitern täglich als Heiminsassen in Temeswar, Sanktanna und Bakowa, über die Sozialstationen in Billed und Großsanktnikolaus, über das „Essen auf Rädern“ betreut. Neben den finanziellen Belastungen macht sich das Fehlen von Fachpersonal immer stärker bemerkbar. Den Beruf eines Altenpflegers gibt es in Rumänien nicht, Personal, das angelernt wird, sucht und findet nach dieser Anlernzeit ganz schnell und wesentlich besser bezahlte Stellen in der Betreuung alter Menschen in Österreich und Deutschland. Der Betrieb der deutschen Altenheime im Banat und Siebenbürgen wird maßgeblich von der Bundesrepublik Deutschland gefördert. Der Anteil des rumänischen Staates bei den laufenden Kosten liegt bisher bei etwa 8 Prozent, Forderungen nach höheren Zuwendungen wurden bisher immer mit dem Hinweis abgeschmettert, dass es sich um ein Heim in einer privaten Trägerschaft handle. Es ist mit viel Mühe verbunden, Soll und Haben hier stets im Einklang zu halten und dabei das Wesentliche dieses Hauses immer im Blickfeld zu behalten: den alten Menschen, die aufgrund ihrer deutschen Volkszugehörigkeit oft noch Deportation und spätere Benachteiligungen erfahren haben, ein Altern in Würde zu ermöglichen. Wer durch das Haus geht, die Gemeinschaftsräume und Zimmer besichtigt, mit den Menschen redet, der kann sich davon überzeugen, dass dieser Auftrag voll erfüllt wird. Dadurch, dass das Demokratische Forum der Deutschen im Banat hier auch seinen Sitz hat, zahlreiche Veranstaltungen im Haus stattfinden, bleiben die Insassen in das Gemeinschaftsleben mit eingebunden. Im Dachgeschoss des Hauses befinden sich liebevoll aufgebaute Ausstellungen, die einen Einblick in das einstige schwäbische Leben im Banat gewähren. Je eine Ausstellung über die Russland- und Bărăgandeportation vermitteln auch, warum dieser Einsatz geschuldet war und bleibt. Helmut Weinschrott hat dazu eine eigene Beziehung. Er ist in der Deportation in der heutigen Ukraine geboren.

BANATIA-Siftung für Internationale Kooperation

Der 33-jährige Temeswarer Norbert Hansmann verkörpert hingegen eine ganz andere Generation. Schulbesuch und Studium fallen bei ihm in die Nachwendezeit. Nachdem er als Diplomingenieur erste berufliche Erfahrungen gesammelt hatte, wurde er Nachfolger von Horst Martin als Geschäftsführer der BANATIA-Stiftung. Es ist die Wirtschaftsstiftung des Forums, welche die Förderung der wirtschaftlichen Aktivitäten der deutschen Minderheit und ihres Umfelds zum Zweck hat. Mehr als 1000 Projekte im Bereich Handwerk, Landwirtschaft, Dienstleistung und Gewerbe hat die Stiftung bereits abgewickelt. Ihre Mittel speisen sich aus Zuwendungen der Bundesregierung – insgesamt 125 000 Euro waren es im vergangen Jahr – sowie aus Rückflüssen der diversen Förderungen. Diese werden dann gezielt für gemeinschaftsfördernde Projekte des Forums eingesetzt. Daneben setzt BANATIA auch eigene gesellschaftspolitische Akzente. Sie verwaltet die „Stefan-Jäger“-Stiftung, die Preise und Stipendien an junge Leute vergibt, die sich besondere Verdienste in der Pflege der deutschen Sprache und Sitten erworben haben.

Die Deutschen Foren in Arad und Reschitza

Dass deutsche Kindergärten und Schulen einen großen Zulauf in Rumänien haben, ist bekannt. Das ist erfreulich, bringt aber viele Probleme mit sich. Darüber kann Michael Szellner berichten, der als Vorsitzender des Arader Forums und ehemaliger Direktor der deutschsprachigen Adam-Müller-Guttenbrunn-Schule in Arad, die Probleme in klaren Worten schildert. Die Stadt stelle die deutsche Schule gerne als Prestigeobjekt heraus, versäume es aber Strukturen für deren einwandfreies Funktionieren zu schaffen. Die Schule sei nach wie vor auf mehrere verschiedene Gebäude verteilt, sehnlichster Wunsch bleibe ein geeignetes Schulgebäude. 3000 Mitglieder zähle das Deutsche Forum im Kreis Arad, davon allein 2000 in der Stadt.

Über die Arbeit des Demokratischen Forums der Banater Berglanddeutschen berichtete der rührige
Erwin Josef Ţigla. Der Verein dokumentiert seine Arbeit in zahlreichen Büchern und Periodika, die wahre Fundgruben zur Geschichte und Kultur der Banater Berglanddeutschen sind. Erwin Josef Ţigla tritt dabei immer auch als ein Mittler zwischen den Kulturen und Konfessionen auf, versucht überall Interesse für seine Gemeinschaft zu wecken. Die offene Haltung des Forums ist auch für dessen Ehrenvorsitzenden Dr. Karl Singer wichtig. Gut 20 Jahre lang hat er die Geschicke des Forums bestimmt, seine Frau Edith hat geschafft, was ganz schwierig ist, nämlich über die gesamte Zeit eine kontinuierliche Jugendarbeit zu leisten. In der von ihr, manchmal auch nur im Hintergrund geführten Jugendtanzgruppe, hat sie viele Jugendliche für Volkstänze und Trachten begeistern können. Kürzlich hat sie in einem bemerkenswerten Interview in der Banater Zeitung gesagt, dass sie von den Jugendlichen keinen „Ahnenpass“ verlange und damit darauf angespielt, dass vor allem rumänische Jugendliche in ihrer Gruppe mitwirken. Viele von ihnen besuchen deutsche Schulen, haben einen Zugang zur deutschen Kultur und durch das Wirken in dieser Gruppe auch einen solchen zum Banater schwäbischen Brauchtum gefunden. Das ist manchmal in den entsprechenden Gruppen in den USA der Fall und es wird irgendwann auch in Deutschland so sein. Nicht die Herkunft, sondern das Interesse bestimmt das Mitwirken.

Deutschsprachiger Wirtschaftclub Banat

Der Deutschsprachige Wirtschafts-club Banat wurde 2002 gegründet und zählt 160 Mitglieder. Vereinszweck ist die Förderung von Wirtschaftsbeziehungen zwischen den deutschsprachigen Ländern und Rumänien, aber darüber hinaus übernimmt der Verein auch Verantwortung in der Gesellschaft. So werden schon mal Konzerte gesponsert und öffentliche Feste veranstaltet, aber auch gezielt Entwicklungen wie die Schaffung eines dualen Ausbildungssystems (Schule und Lehre) angestoßen. Letzteres ist zur Zeit ein großes Thema, denn den vielen Firmen im Kreis Temesch gehen die Fachkräfte aus. Dies hat damit zu tun, dass das Abitur größtes Ziel von Eltern und Schülern ist und das rumänische Bildungssystem nach der Wende so viele Reformen erlebt hat, dass keine richtig greifen konnte. Werner Kremm hat kürzlich in der Banater Zeitung nachgezählt, dass dem Unterrichtsministerium in den letzten 25 Jahren nicht weniger als 21 Minister vorstanden. Vorsitzender des Deutschsprachigen Wirtschaftsclubs ist Peter Ludwig Hochmuth, der im Jahre 2001 für den deutschen Automobilzulieferer Continental nach Temeswar gekommen ist. Mittlerweile arbeitet er als selbständiger Unternehmensberater unter dem Dach der Firma MATTIG Expert Swiss Partners in Temeswar und hat auch seinen privaten Lebensmittelpunkt in diese Stadt verlegt. Bei den letzten Kommunalwahlen kandidierte der 57jährige gebürtige Ingolstädter auf der gemeinsamen Liste der Christlich-Demokratischen Bauernpartei und des Demokratischen Forums der Deutschen für einen Sitz im Kreisrat. Dass er ein geschätzter Ansprechpartner der Wirtschaft und der Politik ist, hat vor allem damit zu tun, dass Peter Hochmuth die Erfolge des von ihm geleiteten Vereins durch zähe und beständige Arbeit erreicht hat. Am 13. Dezember 2014 erhielt er aus der Hand des deutschen Botschafters Werner Hans Lauk in Temeswar das Bundesverdienstkreuz. Auch im Gespräch mit dem Bundesbeauftragten Hartmut Koschyk warb Hochmuth für das duale Bildungssystem und dass Fachlehrer aus Deutschland, Meister in verschiedenen metallverarbeitenden Berufen als Ausbilder in Temeswar dringend gesucht seien.