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Banater Post

„Der weite Weg ins Ungewisse“

Pünktlich zu der Gedenkveranstaltung „Vor 70 Jahren: Deportation der Deutschen aus Südosteuropa in die Sowjetunion“, die am 17. Januar in Ulm stattfand, lag der Band „Der weite Weg ins Ungewisse. Die Deportation der Deutschen aus Rumänien in die Sowjetunion“ auf. Es handelt sich um die deutsche Fassung des 2012 in Rumänien erschienenen Bandes „Lungul drum spre nicăieri. Germanii din România deportaţi în URSS“. Die von Lavinia Betea, Cristina Diac, Florin-Răzvan Mihai und Ilarion Ţiu herausgegebene Sammlung von Zeitzeugenberichten war das Ergebnis eines in Rumänien realisierten Forschungsprojekts zum Thema „Die Erinnerung an die Zwangsarbeit der in die UdSSR deportierten Deutschen aus Rumänien“. Träger des über das EU-Programm „Europe for Citizens“ finanzierten Projekts war der Rumänische Verein für Politische Ökologie, zu dessen Kooperationspartnern die Universität „Aurel Vlaicu“ Arad, das Demokratische Forum der Banater Berglanddeutschen und die Landsmannschaft der Banater Schwaben zählten.

Unter der Koordination von Werner Gilde, Mitglied des Bundesvorstands der Landsmannschaft der
Banater Schwaben und Vorsitzender der HOG Billed, wurde das Buch von Mitgliedern seiner HOG (Jakob
Mager, Elisabeth Martini, Hermine Schnur, Werner Tobias und Werner Gilde) ins Deutsche übersetzt. Für das Lektorat war Elisabeth Martini verantwortlich, Umschlaggestaltung, Layout und Satz hat Hans Rothgerber übernommen. Die 228 Seiten umfassende Publikation ist als Band 13 der von der Landsmannschaft der Banater Schwaben herausgegebenen Reihe „Banater Bibliothek“ erschienen.

Bei dem vorliegenden Buch handelt es sich im Wesentlichen um eine Sammlung von Erinnerungsberichten ehemaliger Russlanddeportierter, die von den Mitgliedern des Projektteams und Studenten der Arader Universität im Banat und in Deutschland aufgezeichnet wurden. Demnach lässt sich der Band der Kategorie „Oral History“ zuordnen, die auch als „Geschichte von unten“ bezeichnet wird. Das umfangreichste Kapitel, „Das Gedächtnis der Deportierten“, umfasst 34 Schilderungen von Betroffenen; davon wurden 13 mit Unterstützung der Landsmannschaft in München, Ingolstadt und Landshut aufgezeichnet. Zu den in Deutschland interviewten ehemaligen Deportierten zählten: Nikolaus Barthold (Fodorhausen), Anna Bauer (Schag), Hans Bohn (Kleinsanktpeter), Michael Butto (Bethausen), Franz Engel (Bethausen), Anna Frombach (Jahrmarkt), Katharina Gillich (Schöndorf), Elisabeth Hoch (Jahrmarkt), Barbara Klug (Neuarad), Anna Leinhardt (Überland), Elisabeth Maltry (Jahrmarkt), Johann Noll (Sanktandres), Elisabeth Rudolf (Slatina Temesch).

Obwohl jeder einzelne Zeitzeugenbericht ein ganz persönliches Schicksal widerspiegelt, vermitteln die Erzählungen in ihrer Gesamtheit ein umfassendes Bild vom kollektiven Schicksal der zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion deportierten Südostdeutschen. Wie ein roter Faden ziehen sich die Grenz- und Extremerfahrungen, die die Betroffenen gemeinsam geteilt haben, durch sämtliche Erlebnisberichte: die mehrwöchige Odyssee des Transportes in die sowjetischen Arbeitslager, harte körperliche Arbeit, Hunger, Kälte, schlechte Unterkünfte, lebensbedrohliche Krankheiten, Willkür der Lagerleitung, seelische Nöte, plagendes Heimweh.

Neben den unmittelbar Betroffenen hat das Forschungsteam auch deren Nachkommen – die Kinder- und Enkelgeneration – befragt, um in Erfahrung zu bringen, was und wie über die Deportation der Eltern oder Großeltern erinnert wird. Elf diesbezügliche Interviewaufzeichnungen wurden in den Band aufgenommen. Darüber hinaus enthält der Band eine längere einführende Studie der Herausgeber, einen Beitrag von Erwin Josef Tigla, dem Vorsitzenden des Demokratischen Forums der Banater Berglanddeutschen, über die Kultur des Gedenkens an die Deportation im Banater Bergland und einen dokumentarischen Anhang. Aufschlüsse über die politische, juristische und wirtschaftlich-soziale Lage der deutschen Minderheit gibt eine hier abgedruckte Denkschrift ihrer Vertreter vom April 1946.

War die rumänische Originalausgabe nur spärlich und ausschließlich mit Grafiken von Anton Ferenschütz illustriert (der in Reschitza geborene Amateurkünstler und Buchautor lebt in Bielefeld), sind der deutschen Fassung mehrere, aus dem Archiv der Landsmannschaft und der HOG Billed stammende Fotos beigegeben. Auf dem Frontdeckel ist eine Malerei von Juliana Rausch (Sanktandres) abgebildet, den Rückdeckel ziert das bekannte Gemälde der Russlandheimkehrerin von Franz Ferch.

Als Sammlung von Zeitzeugenberichten ist der hier vorgestellte Band ein Buch gegen das Vergessen, ein Buch der Erinnerung, aber auch der Mahnung zur Wahrung der Menschenrechte, von Freiheit und Frieden.    

Lavinia Betea, Cristina Diac, Florin-Răzvan Mihai, Ilarion Ţiu: Der weite Weg ins Ungewisse. Die Deportation der Deutschen aus Rumänien in die Sowjetunion. Übersetzung aus dem Rumänischen. Herausgegeben von der Landsmannschaft der Banater Schwaben. o.O., o.J. [2014]. 228 Seiten. Das Buch kann zum Preis von 10 Euro zuzüglich Versandkosten bestellt werden bei der Landsmannschaft der Banater Schwaben, Karwendelstraße 32, 81369 München, Tel. 089 / 2355730, E-Mail landsmannschaft@banater-schwaben.de.