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Banater Post

Kulturlandschaft Banat im Umbruch

Henrike Brădiceanu-Persem, Vorsitzende des Literaturkreises „Stafette“, liest aus ihren neuen Texten.

Die Seniorentanzgruppe "Bunter Herbstreigen" führte im Rahmen des volkstümlichen Kulturprogramms Tänze vor. Foto: Zoltán Pázmány

Die diesjährigen Kulturtage des Demokratischen Forums der Deutschen in Temeswar fanden unter Mitwirkung des Literaturkreises „Stafette“ am 24./25. Oktober im Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus statt. Die Veranstaltung war dem Thema „Banater Kulturlandschaft nach der Wende 1989“ gewidmet und zeichnete sich durch eine beachtliche Vielfalt der Beiträge aus: Vorträge, Autorenlesungen und Buchpräsentationen, abschließend ein buntes Kulturprogramm mit Musik und Tanz.

Die Organisation und Moderation der gesamten Veranstaltung oblag Dr. Annemarie Podlipny-Hehn. Sie konnte bei der Eröffnung namhafte Vertreter der Politik und des kulturellen Lebens begrüßen: den Parlamentarier Ovidiu Ganț, den deutschen Konsul Rolf Maruhn, Unterstaatssekretärin Christiane Cosmatu (Departement für interethnische Beziehungen), Stadträtin Helene Wolf (Direktorin der Lenau-Schule).

Annemarie Podlipny-Hehn hielt auch den Festvortrag unter dem Titel des Gesamtprogramms „Banater Kulturlandschaft nach der Wende 1989“. Sie bot einen informativen Überblick über die kulturellen Einrichtungen und Leistungen der Banater Deutschen unter den neuen gesellschaftspolitischen Bedingungen und ging vor allem auf die Bereiche deutschsprachige Schulen, Medien und auf das Deutsche Staatstheater ein sowie auf die trotz der massiven Auswanderung fortbestehenden literarischen Aktivitäten innerhalb des inzwischen etablierten Temeswarer Literaturkreises „Stafette“ und der traditionsreichen rumäniendeutschen Literaturtage in Reschitza. Die Referentin bezog in ihren Bericht auch die kulturelle Breitenarbeit ein, die vom Demokratischen Forum der Deutschen nach Kräften gefördert wird. Dass sich im Vierteljahrhundert nach der Wende in Rumänien tiefgreifende Veränderungen im Kulturleben der deutschen Minderheit ergeben haben, und zwar nicht nur als Folge der neuen gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen, sondern auch als Auswirkungen der schon Jahre davor begonnenen Auswanderung, liegt auf der Hand.

Der neue Sammelband von Annemarie Podlipny-Hehn „Kulturspiegel. Beiträge zur Kulturlandschaft einer Vielvölkerregion“, der anschließend vorgestellt wurde, vermittelt einen detaillierten Einblick in das deutsche Kulturgeschehen der letzten Jahrzehnte im Banat. Er enthält eine Fülle von Abhandlungen, Porträs, Interviews, Berichten, Rezensionen u.a.m, die von der Autorin in der rumäniendeutschen Presse veröffentlicht wurden.

Aus Deutschland beteiligten sich an den Temeswarer Kulturtagen der Dichter und Journalist Horst Samson und Dr. Walter Engel mit jeweils einem Beitrag und einer Buchpräsentation. Samson wurde von der Banatia-Stiftung mit der Stefan-Jäger-Ehrenmedaille ausgezeichnet und hielt eine essayistisch gestaltete, selbstbiographisch emotionale „Dankesrede“, setzte den eigenen Lebensweg und inneren Werdegang in Bezug zu Stefan Jägers künstlerischem Werk, wobei er „spannende Unterschiede und unerwartete Gemeinsamkeiten“ entdecken konnte. Die Laudatio auf Horst Samson hielt Balthasar Waitz, der auch in dessen soeben erschienenen Gedichtband „Das Imaginäre und unsere Anwesenheit darin“ (Pop Verlag Ludwigsburg) einführte, als Auftakt zur Lesung des Dichters.

Auf den „Kultur- und Literatur-Transfer“ aus dem Banat in den deutschen Sprachraum in den letzten drei Jahrzehnten, der mit dem Exodus der deutschen Bevölkerung aus der Region einherging, wies Walter Engel einleitend hin in seinem Vortrag „Im Zwiespalt. Heimatliche Erinnerung und neue Fremdheit. Zur Befindlichkeit der Aussiedler im Spiegel der banatdeutschen Literatur“. Der Referent ging auf die Spiegelung der Aussiedler-Erfahrungen in Werken von Franz Heinz, Herta Müller und Richard Wagner ein. Über Walter Engels Buch „Blickpunkt Banat“ sprach sodann Balthasar Waitz.

Neben den Buchpräsentationen und Lesungen bekannter Literaten und Publizisten – Annemarie Podlipny-Hehn, Horst Samson, Balthasar Waitz – kam eine Reihe junger Autorinnen des Literaturkreises „Stafette“ zu Wort. Aus ihren neuen Texten lasen unter anderem Bianca Barbu, Petra Curescu, Lorette Brădiceanu-Persem, Henrike Brădiceanu-Persem, Alexandrina Paul.

Als Neuerscheinung im heutigen Banater Literaturgeschehen ist der Gedichtband „mit schwalben am hut“ von Balthasar Waitz hervorzuheben. Die im Temeswarer Cosmopolitan Art Verlag erschienene Gedichtsammlung des in Temeswar lebenden, vielseitig wirkenden Redakteurs der „Banater Zeitung“, der sich auch als Erzähler von Format einen Namen gemacht hat, wurde bei der Tagung von Helmut Britz eingehend kommentiert.  

Geschichten und Sinnsprüche in banatschwäbischer Mundart trugen Ignaz Bernhard Fischer und Stefan Michael Müller vor.

Mit einem bunten volkstümlichen Kulturprogramm – deutsche Volkslieder und Volkstänze aus dem Banat und aus Ungarn, Gestaltung Luise Finta, Moderation Helen Alba – klangen die Temeswarer Kulturtage in fröhlicher Atmosphäre aus. Eindrucksvolle Darbietungen boten die Tanzgruppe des Trachtenvereins „Banater Rosmareiner“ unter der Leitung von Edith Singer, der „Temeswarer Liederkranz“, dirigiert von Dr. Arthur Funk, und die Seniorentanzgruppe „Bunter Herbstreigen“, angeleitet von Hannelore Ullrich. Mit Sonderapplaus wurde der stattliche Chor aus Bonyhád (Ungarn) bedacht, der sich nahtlos in die banatschwäbische Programmfolge mit gekonnt vorgetragenen, auch im Banat populären deutschen Volksliedern einfügte.