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Banater Post

Aussiedlerkulturtage in Regensburg

Der Aussiedlerbeirat der Stadt Regensburg veranstaltete in der Zeit vom 7. bis 9. Mai die ersten Aussiedlerkulturtage. Zusammen mit Bürgermeister Joachim Wolbergs stellten die Landsmannschaften der Banater Schwaben, der Deutschen aus Russland und der Verband der Siebenbürger Sachsen ein abwechslungsreiches Kulturprogramm zusammen, das allen Besuchern einen tiefen Einblick in die deutsche Kultur der Herkunftsgebiete ermöglichte. Nachdem im vergangenen Herbst der Banater Schwäbin Herta Müller der Literaturnobelpreis verliehen wurde, war es naheliegend, die Auftaktveranstaltung am Feitag, dem 8. Mai, mit Banater Dichtern zu beginnen.

Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie bot sich als der ideale Austragungsort an. Dr. Andrea Madesta, Leiterin dieses Museums, hob in ihrer Einführungsrede die Bedeutung dieses Museums für die Kunst der Deutschen aus Ost- und Südosteuropa hervor, aber auch die vielfältigen Beziehungen zu den heute dort tätigen Künstlern. Anton Enderle führte in das Werk von Johann Lippet und Horst Samson ein und verwies auf die Zeit der siebziger Jahre, als im Banat in der Aktionsgruppe Banat und dem Literaturkreis Adam Müller-Guttenbrunn eine Schriftstellergeneration heranwuchs, die sich auch nach der Aussiedlung  in der  bundesdeutschen Literaturlandschaft  Gehör verschaffte.

Johann Lippet las aus seinem letzten Roman „Dorfchronik, ein Roman“ und Horst Samson aus seinem 2010 erschienen Gedichtband „Und wenn du willst, vergiss“. Bei einem Stehempfang hatten die nahezu hundert Besucher Gelegenheit, sowohl mit den Schriftstellern als auch untereinander ins Gespräch zu kommen und sich die Bücher von den Autoren signieren zu lassen.

Am Samstag, dem 8. Mai, um 11 Uhr spielte die Blaskapelle der Kreisgruppe Regensburg der Siebenbürger Sachsen unter der Leitung von Wilhelm Rothmann auf dem Zieroldsplatz neben dem Alten Rathaus. Sie spielten  ein vertrautes Musikstück nach dem anderen, wie es bei einer Kirch-weih nicht schöner hätte sein können. Zuschauer und Landsleute fanden bei spontanen Tänzen schnell zueinander. Sie bewiesen, dass Walzer und Polka auch auf Kopfsteinpflaster getanzt werden kann! Ein Blickfang für alle Fotografen war das Banater Trachtenpaar Renate und Horst Roman (Semlaker Tracht) mit dem Kindertrachtenpaar Johanna Diener und Manuel Roman. Beim anschlie-ßenden Empfang im Runtingersaal, den die Stadt Regensburg zu Ehren der Aussiedler gab, betonte Oberbürgermeister Schaidinger die heutige Rolle der Aussiedler in der Gesellschaft. Anton Enderle verwies in seiner Dankansprache auf die Bedeutung Regensburgs für Ost- und Südosteuropa.

Die Universität Regensburg mit ihrem Südosteuropa-Institut und mit ihrem Lehrstuhl für die Kirchengeschichte des Donauraums, das Ostkirchliche Institut, die Donumenta (Plattform für Kunst und Literatur der Donau-Anrainerstaaten, Leitung Regina Schmid-Hellwig) und die Secondos-Studiengänge (Masterstudiengänge für Studenten, deren Eltern aus Südosteuropa stammen) sind nur einige Beispiele dieser Beziehungen in den Donauraum.

Für viele Banater Schwaben schließt sich – historisch gesehen – in der alten Reichsstadt der Kreis. Regensburg war neben Ulm eine wichtige Sammelstelle der Auswanderer nach Südosteuropa und Russland im 18. und frühen 19. Jahrhundert. Eine Gedenktafel am Donauufer und ein wissenschaftlicher Dokumentarfilm würdigen diese Ereignisse. Diese Mittlerfunktion zwischen den Kulturen untermauert Enderle mit einigen aktuellen Beispielen: Michael Bleiziffer, ein Banater Schwabe aus Sanktanna, ist Oberspielleiter des Regensburger Stadttheaters und inszeniert zur Zeit ein Stück in Temeswar, seinem ehemaligen Wirkungsort; die Regensburger Sing- und Musikschule feiert ihr hundertjähriges Jubiläum, und ihr Leiter, Wolfgang Graef-Fograscher aus Kronstadt, wird für die Erfolge in der musischen Früherziehung seiner Schüler geehrt; Ladislaus Zoller-Mihalovits, ein aus Arad stammender Maler, weilt als Kulturbotschafter der Stadt Regensburg in Clermont-Ferrand, der Patenstadt seiner Wahlheimat, mit einer Ausstellung von Linolschnitten zu Regensburger Stadtmotiven; Klaus Johannis, der Oberbürgermeister von Hermannstadt, hielt diese Woche vor der Industrie- und Handelskammer Regensburg einen Vortrag zu aktuellen Fragen rumänischer Politik und warb um Investoren für Hermannstadt.

„Wir sind angekommen in Regensburg“, so Enderle abschließend, „wir fühlen uns wohl und als gleichwertige Bürger dieser Stadt.“ Eine Aussage, der die meisten der Anwesenden voll und ganz zustimmen können. Peter-Dietmar Leber, Landesvorsitzender unserer Landsmannschaft, nahm als Ehrengast der Stadt Regensburg an diesem Empfang teil.

Der Nachmittag war dem Volkstanz, der Volksmusik und der Mundart gewidmet. Mit flotter Marschmusik eröffnete die Blaskapelle der Siebenbürger Sachsen aus Regensburg das Programm. Die siebenbürgische Tanzgruppe aus Herzogenaurach und die Russlanddeutsche Tanzgruppe aus Schlüsselfeld marschierten unter dem begeisterten Beifall des Publikums in den Saal. Susanne Mai, Sozialpädagogin in der Allgemeinen Sozialarbeit der Diakonie, begrüßte die zahlreichen Gäste und  führte durch das Programm.

Bürgermeister Wolbergs begrüßte die Anwesenden im vollbesetzten Antoniussaal und verfolgte gespannt das dreistündige Programm. Anton Enderle, Waldemar Eisenbraun und Ines Schromm stellten in ihren Wortbeiträgen die jeweilige Kreisgruppe und deren Aktivitäten vor. Gleichzeitig luden sie die Anwesenden zum Mitmachen ein. Zum Abschluss der Kulturtage gestalteten die Pfarrer Wolfgang Lahoda (evangelisch) und Peter Zillich (katholisch) am Sonntag in der Neupfarrkirche eine ergreifende religiöse Feier. Das abschließende Lied „Nie vergess’ ich Mutters Hände“, gesungen von Pfarrer Zillich – dem Pfarrer mit dem Akkordeon –, ließ diese Feier auch zur Muttertagsfeier werden. Zum Abschied bekamen alle Frauen eine Rose. Es war ein gelungener Abschluss der ersten Aussiedlerkulturtage in Regensburg. Es waren mit Sicherheit nicht die letzten.