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Donauschwäbischer Kulturpreis 2011: Preisträger Angela Korb

Angela Korb (Foto: privat)

Einen mit 2500 Euro dotierten Förderpreis für Nachwuchskünstler erhielt die in Budapest lebende Journalistin Angela Korb. Angela Korb wurde 1982 in Pecs (Fünfkirchen) geboren und dort vielseitig musikalisch, aber auch historisch-literarisch ausgebildet. So gerüstet, verschlug es sie dann nach einer kurzen Lehrerepisode in den journalistischen Bereich Ungarns, wo sie 2011 in den ungarischen Journalistenverband aufgenommen wurde. Sie erreicht ihre Leser nicht nur über Printmedien, sondern tritt auch via Funk und Fernsehen in Erscheinung. Schon 2004 wird sie Mitglied es Verbandes ungarndeutscher Autoren und Künstler, und seit 2007 bereitet sie ihre Promotion als Literaturwissenschaftlerin vor. Verschiedene Preise wurden der jungen Doktorandin schon verliehen, so 2003 der Förderpreis des Bundes-präsidenten und 2008 der Kulturpreis der österreichischen Landsmannschaft für ihre Diplomarbeit über Magyarisierungstendenzen in Fünfkirchen im 19. Jahrhundert. Schon ab dem Jahre 2000 tritt sie mit lyrischen Texten in Erscheinung. Nicht nur in der ungarndeutschen Anthologie „Erkenntnisse 2000“, sondern auch in der donauschwäbischen Literaturanthologie (herausgegeben von Stefan Teppert) ist sie mit Lyrik, Prosa und einem Szenenspiel vertreten. Wie ein Leitmotiv zieht sich ihre Vorliebe für die ungarndeutsche Literatur und dem Zusammenleben der Nationalitäten durch ihr berufliches wie auch privates Schaffensfeld. (...)

Ein Spezifikum der künstlerisch vielfältigen Literatin ist die Beschäftigung mit der ungarndeutschen Mundart, die sie bei den Dialektautorentreffen „Mund-Art“ zu sprechen pflegt und die Reihe mit eigenen Texten bereichert. Mit dem Zauber der Worte spielend, wirkt der Dialekt retrospektiv und zeitgemäß zugleich. Mit sprichwörtlichen Redensarten und Themen aus der geistlichen Volkskunde gespickt sind ihre Texte für alle Leserschichten und bieten genügend Substanz zum Philosophieren. Oft liefert sie selbst schon die Antwort, mit der eine große Mehrheit konform gehen kann. Hier möchte ich den früheren Preisträger Dr. Walter Engel zitieren: „In der Mundart bleiben wir zu Hause, auch wenn wir schon lange in der Fremde sind.“ (...)

Angela Korbs vielfältige Erscheinung in Wort und Bild kommt auch über die zahlreich geführten Interviews mit ungarndeutschen Persönlichkeiten in die Haushalte ihrer Landsleute. Im donauschwäbischen Zentralmuseum in Ulm war sie in der Ausstellung „ZeiTräume“ vertreten. Das doppelte Wortspiel Zeitraum / Zeittraum versteckt Träume und Räume der zeitgenössischen ungarndeutschen Kunstszene und deren Visionen. Die „Neu-Ulmer Zeitung“ beschrieb am 23. September 2010 die Ausstellung mit dem Übertitel „Kunst ist international“. Nur mit einem Satz aus diesem Beitrag möchte ich hier auf Angela Korb hinweisen: „Bei der Wanderung mit Texttafeln stößt man beispielsweise auf ein der surrealen Geometrie verhaftetes Bild von Akos Matzon, mit dem die konkrete Poesie Zeiträume der jungen Budapester Autorin Angela Korb ein interdisziplinäres Geflecht ergibt.“ In ihrem Gedicht „Ungarn-Deutsche“ wird sie tiefsinnig pessimistisch und leiert Heideggers Seinsfrage gebetsmühlenartig herunter: „Geprießen vertrieben. Gekreuzigt begraben. Gelassen verlassen. Die erste Generation starb – die Überlebenschancen waren gering. Die zweite Generation lebt – sie war überwiegend kräftig. Die dritte Generation glaubt zu leben – die unterste Stufe des Seins ist auch mehr als Nicht-Sein!“ Diesem Stufengebet folgt nun die Auszeichnung mit dem Förderpreis des Landes Baden-Würrtemberg, der ihr „Sein“ eine Stufe emporsteigen lässt.