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Donauschwäbischer Kulturpreis 2011: Preisträger Tomislav Ketig

Tomislav Ketig (Foto: privat)

Den mit 5000 Euro dotierten Hauptpreis erhielt der in Neusatz (Novi Sad, Serbien) lebende Schriftsteller und Enzyklopädist Tomislav Ketig. Er wurde am 17. September 1932 in der slawonischen Stadt Nova Gradiska geboren und lebt heute in Neusatz (Serbien). Er ist ein Nachkomme deutscher Kolonisten aus dem Ort Kettig bei Koblenz, dessen Vorfahren dem Ruf der Habsburger nach Südosteuropa folgten in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Der Autor schreibt: In meiner Kindheit lebte ich in der multiethnischen Wojwodina in Weißkirchen mit Donauschwaben zusammen und habe zu ihnen nie den Kontakt verloren. Hineingeboren in eine unsägliche Zeit, erlebt Ketig die Wirren des Zweiten Weltkrieges. Nach dem Abitur studierte der heute ausgezeichnete Schriftsteller acht Jahre Medizin an der Uni Belgrad, diplomierte aber über jugoslawische Literatur und südslawische Sprachen an der philosophischen Fakultät in Novi Sad. Danach war er Redakteur, Chefredakteur und Schriftsteller. In seinen Romanen „Die Krebskinder“, „Damin gambit“ und „Im langen Schatten der Morgendämmerung“ hat er gezeigt, wie sehr er mit dem Anliegen der Deutschen bzw. der Donauschwaben vertraut und verbunden ist.

Tomislav Ketig hat sich damit nicht nur um die Literatur, sondern auch um das Anliegen der Donauschwaben verdient gemacht. Soweit Stefan Barth. In seinem historischen Roman „lm langen Schatten der Morgendämmerung“ zeichnet Ketig ein multiethnisches, multireligiöses Bild der Wojwodina. Sein Protagonist Abraham Kertner schafft den sozialen Aufstieg und wird zum Kompaniedirektor der Ost-West-Gesellschaft im ganzen Habsburger Reich befördert. Große gesellschaftliche Umwälzungen werden von religiösen und nationalen Konflikten in Europa begleitet. Es ist die Zeit der Aufklärung und der französischen Revolution, die das Habsburger Reich erschüttern und die Landkarte Europas radikal verändern. (...) Tomislav Ketig bestätigt den Deutschen, dass sie viel für die zivilisatorische und kulturelle Entwicklung in der Wojwodina getan haben. Das „aber“ folgt auf der Stelle. Ich zitiere: „Aber die Deutschen standen seit ihrer Ansiedlung bis zu ihrem tragischen Abschied politisch abseits, hielten sich an ihre Arbeit und waren keiner der zerstrittenen Seiten zugeneigt. Sie waren eine Art Pufferzone, insbesondere in Konfliktfällen, wenn die anderen untereinander stritten.“ Dieses „Aber“ ist also nicht negativ zu werten, sondern verdient Respekt und Anerkennung. Ketig hat sowohl physische als auch psychische Profile seiner Romanpersönlichkeiten rekonstruiert. „Die subjektive Plaque der Affinität oder Animosität musste entfernt werden, um sich aus der zeitlichen Distanz diesen Menschen zu nähern.“ Die Absicht des Autors war, dass sich die Helden dem Leser persönlich vorstellen. Der Roman besteht nahezu vollkommen aus Dialogen mit Ausnahme der deskriptiven Verbindungen zwischen den Szenen. Durch die meisterhafte Dialogführung pulsiert das Leben in seiner örtlichen und ethnischen Vielfalt. Territoriale, nationale und religiöse Gemeinschaften sind nicht nur schraffiert worden, sondern ergeben ethnisch, soziologisch und anthropologisch ein äußerst buntes Bild. (...)

Tomilsav Ketigs Schriftstellerkarriere begann 1951, als er seine ersten Gedichte veröffentlichte. Es folgten Erzählungen, Romane, Dramen, Essays und Literaturkritiken. Er war Sektretär des Schriftstellerverbandes der Wojwodina, danach deren Vorsitzender, und vom Stellvertreter wurde er zum Vorsitzenden des jugoslawischen Schriftstellerverbandes gewählt. Er ist Mitglied des kroatischen Schriftstellerverbandes in Zagreb und der internationalen Schriftstellervereinigung PEN. Seine Dramen wurden im Theater, Fernsehen und Radio im In- und Ausland aufgeführt. Seine Werke wurden in die deutsche, ungarische, italienische, niederländische, französische, slowenische, albanische, slowakische, russische und schwedische Sprache übersetzt. Viele seiner Werke wurden bereits mit mehreren Literaturpreisen ausgezeichnet.