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Banater Post

Kostbarkeiten aus dem Archiv (4)

»Gulag – Freiheit, Gerechtigkeit, Brüderlichkeit«. Gemälde von Julius Stürmer.

Das ergreifende Buch über sein Leben in Workuta als Sträfling einer der berüchtigsten Kolonien jenseits des Polarkreises.

Der Leidensweg der Banater Schwaben war nach dem Zweiten Weltkrieg von der Verschleppung der arbeitsfähigen Rumäniendeutschen in die UdSSR dominiert (Januar 1945). Laut Statistik waren es an die 75000 Personen, davon 35000 Banater. Es gab aber auch eine andere Deportationswelle, und die hatte einen politischen Hintergrund. Die nach dem Einmarsch der Sowjettruppen in Rumänien entfesselte Jagd nach wirklichen und mutmaßlichen Kriegsverbrechern aller Art erweiterte sich mit der hintergründigen Intention, eine neue „Ordnung“ sowjetischer Prägung vorzubereiten, noch bevor die tatsächliche Machtübernahme der Kommunisten eingeleitet wurde. Der russische Geheimdienst NKWD, der auch in Rumänien das Sagen hatte, bemühte sich mit System und Ausdauer, das Terrain für die „sozialistische Zukunft“ des Landes von „unzuverlässigen Elementen“ zu säubern. Es ist also nicht verwunderlich, dass alle, die in den Kreuzfaden der Repression geraten waren, kurzerhand abgeurteilt und interniert wurden. Da die Sowjetunion ein weit vernetztes System von Straflagern besaß (Gulag), wurden die Opfer nach Sibirien deportiert.

Das sich im Besitz des Kultur- und Dokumentationszentrums der Banater Schwaben befindende Gemälde „Gulag – Freiheit, Gerechtigkeit, Brüderlichkeit“ hat der 1915 in Karansebesch geborene Julius Stürmer in den neunziger Jahren gemalt. Es handelt sich um eine vom Kreisverband München in Auftrag gegebene Arbeit. Der Maler, Grafiker und Designer, der in Temeswar und an der Berliner Akademie Kunst studierte, hat auch ein ergreifendes Buch über sein Leben in Workuta als Sträfling einer der berüchtigsten Kolonien jenseits des Polarkreises geschrieben. Das Buch ist reich illustriert mit Aquarellen, Acrylmalereien und Zeichnungen. (Sie entstanden teilweise nach der Entlassung 1956, andere konnte er aus dem Lager schmuggeln.) Das großformatige Acrylgemälde gewährt uns in konzentrierter Art eine einen Einblick in die düstere Welt der Opfer und ihrer Peiniger. Viele der collage-artig angeordneten Szenen und Figuren sind den schon erwähnten Skizzen entnommen. Die beigefügte Kommentare lassen die Bilder noch eindringlicher auf den Betrachter wirken. Der Titel des Gemäldes mit dem bekannten Ausspruch der Französischen Revolution soll ironisch verstanden werden, wollte sich doch das „Rote Paradies“ als Verwirklichung der Ideale des Weltproletariats darstellen.