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Banater Post

Trachtenseminar in Landshut

Die Teilnehmer am Trachtenseminar in Landshut.

"Blaufärbertracht": Schultertuch, Alltagstracht der Frauen. (Fotos: H. Grimm)

Auf halbem Weg von der Altstadt, dem gotischen Stadtkern Landshuts, zur Burg Trausnitz, dem ehemaligen Wohnsitz der Wittelsbacher „reichen Herzöge“, befindet sich das Jugendhaus „Ottonianum“. Es ist Teil der alten Stadtbefestigungsanlage und wurde als „Balsschlösschen“ 1839 erbaut. Am Samstag, dem 9. April, war es um 9 Uhr der ausgemachte Treffpunkt für alle Teilnehmer an dem von Stefan Mlynarzek organisierten Trachtenseminar des bayerischen Landesverbandes. Hans Szeghedi, Vorstandsvorsitzender des Kreisverbandes Landshut, hat in der Rolle des Gastgebers alle Teilnehmer am Trachtenseminar herzlich begrüsst und ihnen Herrn Haselbeck als Ansprechpartner für die Zeit ihres Aufenthaltes in der Jugendherberge vorgestellt. Anschließend hat Stefan Mlynarzek alle Anwesenden herzlich begrüßt, einen kurzen Überblick zum Tagesablauf gegeben und dann den Verlauf des Vormittags in die Regie von Hildegard Grimm als Referentin gelegt. So war der Übergang zum praktischen Teil des Seminars fast nahtlos. Nach einer kurzen Einleitung hat Hildegard Grimm das von ihr vorbereitete und zusammengetragene Material zum Thema „Trachten“ vorgestellt. Trachten sind Zeugen einer Zeit, die langsam in Vergessenheit gerät, der aber von alten Leuten nachgetrauert und die von der Jugend wiederum nicht immer verstanden wird. Die Trachten sind nicht nur Symbole für eine Volksgruppe, sondern sie verkörpern auch deren Lebensstil, Mentalität, sozialen und gesellschaftlichen Stand. Als solche sind sie wichtig, wenn man die Menschen, die sie tragen, verstehen will. Dann erst kann man auch heute noch mit Stolz die Tracht der Ahnen tragen und die Stafette von Brauchtum und Sitte verantwortungsbewusst an die nächste Generation weiterreichen, getreu der alten Weisheit „Bess’res kann kein Volk vererben als der eig’nen Väter Brauch. Wenn des Volkes Bräuche sterben, stirbt des Volkes Seele auch.“ Und um dem Sinnspruch „Lerne vom Gerstern, lebe heute und hoffe auf morgen“ gerecht zu werden, wurden je nach Bedarf die Schnittmuster zu den Ausstellungsstücken weitergegeben. Damit ist – wenigsten was die Trachten betrifft – Vorsorge getroffen für die Zukunft, für die stellvertretend der jüngste Teilnehmer am Trachtenseminar in Landshut noch auf den Armen seiner Mutter dabei ist. Nach dem Mittagessen haben sich die Seminarteilnehmer gut gelaunt im Hintergrund mit der Burg Trausnitz als Kulisse zum Gruppenfoto aufgestellt. Anschließend ging es zu Fuß in die nahegelegene Altstadt von Landshut. Um die Zeit bis zur vereinbarten Stadtführung zu überbrücken, waren, je nach individueller Vorliebe, Eisdiele und Biergarten willkommen. Pünktlich um 15 Uhr hat dann Frau Ottl als Stadtführerin in relativ kurzer Zeit viel Wissenswertes über die Stadt Landshut an die interessierten Zuhörer weitergegeben. Die Stadtführung hat im Landshuter Rathaus begonnen, das nicht nur Sitz der Stadtverwaltung ist, sondern auch ein Zentrum der Kunst. Im Obergeschoss des Mittelgebäudes befindet sich seit dem Mittelalter der herrliche Rathausprunksaal, in welchem 1475 zur Landshuter Hochzeit von Herzog Georg dem Reichen von Landshut und Prinzessin Hedwig von Polen der „Brauttanz“ stattgefunden hat. Der historische Saal besticht durch seine gewaltigen Bronzelüster. Als Glanzstück des Raumes werden jedoch stets die Gemälde genannt, die die Wände zieren und in ihrer Gesamtheit die Abfolge der Landshuter Hochzeit von 1475 widerspiegeln. Der Abschluss eines kurzen Altstadtrundgangs war der Besuch der großräumigen Martinskirche mit dem höchsten Backsteinturm der Welt (130,6 m). In Gedanken noch mit der Fülle von Informationen der letzten Stunde beschäftigt, eilten die Seminarteilnehmer schon zum nächsten Termin: 17 Uhr Besichtigung der oberhalb Landshuts gelegenen und schon von weitem sichtbaren Burg, die erst seit dem 16. Jahrhundert „Trausnitz“ genannt wird.

Das gemeinsame Abendessen hat den wohlverdienten Feierabend eingeleitet, der mit kleinen Tanzeinlagen und dem gemeinsamen Liedersingen unter Leitung von Günter Kaupa zu einem wirklichen Feier-Abend wurde. Am Sonntagmorgen ging es dann mit dem Basteln von dem zur Tracht gehörenden Hutschmuck und den sogenannten „Rosen“ für den Kirchweihstrauß weiter. Hildegard Grimm hat den Seminarteilnehmern praktisch gezeigt, wie man einzelne Teile der sogenannten „Hut-Rosen“ anfertigt: die „Feder“ als geschlossenen Silberdrahtspiralbogen, der in seinen Windungen mit weißem oder buntem Zwirn bespannt wird, und der mit einer Silberdrahtspirale eingefasste Spiegel. Mit dem zur Verfügung gestellten Material an Papier, Draht und Spiegeln sowie dem nötigen Werkzeug konnte dann jede Teilnehmerin eine Hut-Rose anfertigen und als Muster mit nach Hause nehmen. Und da ja viele der Teilnehmer am Trachtenseminar auch aktiv in Tanzgruppen mitwirken, wurde unter der Leitung von Harald Schlapansky und Gerhard Kappler auch eine kleine Tanzprobe abgehalten.

Den Abschluss bildete ein kurzer Rückblick auf den Verlauf des Seminars. Die vorgebrachten Anregungen und Vorschläge seitens der Teilnehmer wurden festgehalten, damit ihnen beim nächsten Seminar auf Landesebene Rechnung getragen werden kann. Nicht zuletzt sei auf diesem Wege im Namen aller Teilnehmer nochmals ein herzlicher Dank ausgesprochen an Stefan Mlynarzek, der für dieses gelungene Seminar verantwortlich gezeichnet hat, dem Kreisverband Landshut als Gastgeber und dem Landesvorstand, der dieses Trachtenseminar ermöglicht und finanziert hat.