zur Druckansicht

private Anzeige schalten

Media-Center

Banater Post

»Die Spilmanns« Stefan Michael Müllers neuer Prosaband

Es ist schon erstaunlich, wenn ein Mann im vorgerückten Alter die Liebe zur Literatur in dem Maße entdeckt, dass er nicht nur passiver Empfänger derselben sein will, sondern auch den Drang verspürt, das banatdeutsche Literaturgeschehen aktiv mitzugestalten. Dies trifft auf Stefan Michael Müller zu, der zwar in Nürnberg wohnt, aber seine Banater Heimat nicht vergessen kann und immer wieder gerne dort weilt. Die Liebe zur alten Heimat inspirierte ihn so sehr, dass er ihr in zwei Gedichtbänden ein liebendes Denkmal setzte („Die Brennessel“, 2005 und „Ruf der Heide“, 2008). Das war ihm aber noch nicht genug. In diesem Jahr veröffentlichte der Achtzigjährige seine Lebensgeschichte in banatschwäbischer Mundart unter dem Titel „Die Spilmanns“. Diesen Titel wählte er, weil sein Vater Organist in Igrisch war und dort von den Dorfbewohnern einfach „Spilmann“ genannt wurde. Der Autor schreibt nicht in der Ichform, sondern in der dritten Person, so als sei er der Beobachter des Erzählers. Mit Taktgefühl und Humor schildert er sein Werden, sein Streben und Leben in der turbulenten Zeit des 20. Jahrhunderts. Er stellt sich nicht als Held dar, sondern als einen lernwilligen Menschen, der Niederlagen einstecken muss, aber dennoch nicht aufgibt. Man erkennt ihn in seiner Lebensgeschichte als einen von vielen Banater Schwaben, die zäh an ihrem Vorhaben festhalten und schließlich Erfolg haben.

Lebendig erzählt Stefan Michael Müller seine Kindheit in Perjamosch, die von Armut und Entbehrung geprägt war. Als kleiner Junge wurde er 1944 in den Fluchtstrom vor den Russen mitgerissen, und bei der Rückkehr fanden seine Mutter und er nichts mehr vor. Geblieben waren ihnen allen ihre fleißigen Hände und der feste Wille, das Leben zu meistern. Anschaulich beschreibt er seine Lehr- und Gesellenzeit im Tischlerberuf, seine Militärzeit und wie er schließlich zum Eisenbahner wurde. Seine Berufserfahrung und Berufsethik verhalfen ihm dazu, dass er nach Jahren Stationsvorsteher in Lovrin wurde. Mit eigenen Händen und mit tatkräftiger Unterstützung seiner Frau schuf er sich aus einem völlig ruinierten Haus ein Heim, das sich sehen lassen kann. Hobbymäßig widmete er sich dem Drechseln und Holzschnitzen, wobei ihm seine Tischlereikenntnisse zugutekamen. Daneben waren die Weinreben im Garten sein ganzer Stolz, denn sie ergaben einen vorzüglichen Wein. Da seine Kinder schon in Deutschland lebten und den Vater dazu drängten, ebenfalls auszuwandern, tat Stefan Michael Müller schweren Herzens diesen Schritt. Sein Herz hängt aber nach wie vor an der alten Heimat, wo er jeden Sommer weilt.

Der gut lesbare Prosaband „Die Spilmanns“ ist unseren Landsleuten aufs wärmste zu empfehlen, ist er doch ein Spiegelbild des Schicksals vieler Banater Schwaben.          

 

Stefan Michael Müller: Die Spilmanns. Authentische Erzählungen in Banat-Schwäbischer Perjamoscher Mundart. Temeswar: Cosmopolitan Art 2012, 260 Seiten. Das Buch ist erhältlich beim Autor: Stefan Michael Müller, Wettersteinstraße 56, 90471 Nürnberg, Tel. 0911 / 5430692. Preis 10 Euro zuzüglich Versand.