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Banater Post

»Eine Messe für die Bürgerschaft«

Konzertplakat

Messe für die katholische Bürgerschaft von Weißkirchen (1853)

Eine Messe für den Kaiser

Erstaufführung der »Missa Solemnis« des Banater Komponisten Vincens Maschek in München  - Die Musikkultur des Banats und ganz Südosteuropas wäre ohne die Mitwirkung böhmischer Musiker unvorstellbar. Besonders nach 1820 zogen zahlreiche Orgelbauer und Musiker in das damalige Süd-ungarn, um sich eine neue Existenz aufzubauen. Zu diesen Musikern zählt auch Vincens Maschek (um 1800–1875). Am Sonntag, dem 30. Juni, um 18 Uhr, findet in der Wallfahrtskirche Maria Ramersdorf in München die Erst-aufführung seiner „Missa Solemnis in C für Chor, Soli und großes Orchester“ statt. Es ist ein Benefizkonzert zugunsten der Renovierung der Münchner Wallfahrtskirche Maria Ramersdorf. Das Konzert wird durch das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen gefördert.

Aus Böhmen in das Banat
Der Wirkungskreis von Maschek hat einen engen Bezug zum Banater Bergland wie auch zur Militärgrenze. Einer der Orte, wo er als Lehrer tätig war, hieß Startschowa/Starcevo und befindet sich in der Nähe von Pantschowa/Pancevo (heute Serbien), also im Bereich der damaligen Militärgrenze. Auch sein anderer Wirkungsort Ruskberg / Rusca Montana, wo er als Dirigent der Musikkapelle tätig war, befindet sich in der Nähe der Banater Stadt Karansebesch. 

Vincens Maschek widmete noch als Musikdirektor der Kapelle in Ruskberg dem damaligen Kapellmeister Johann Strauss einen Walzer, dessen Autograph in der Wiener Stadtbibliothek aufbewahrt wird: „Carnevals-Erinnerungen. Walzer für das ganze Orchester, componirt und Seiner Wohlgeboren, dem Herrn Kapellmeister Herrn Johann Strauss hochachtungsvoll gewidmet von Vincens Maschek, Musik-Director der Ruskberger Berg-Kapelle“. Da Maschek bereits 1846 als Musiklehrer des Temeswarer Musikvereins in die Banater Metropole kam, könnte es sich auch um eine Widmung an den Kapellmeister Johann Strauss Vater handeln, der ja bekannter war als der erst 21-jährige Sohn. Selbst das Temesvarer Wochenblatt brachte die Nachricht, dass Vincens Maschek zum neuen Lehrer der Musikschule des Temeswarer Musikvereins gewählt wurde: „Herr Maschek, sowohl als praktischer Musiker wie auch als Kompositeur in unserer Gegend eines bedeutenden Ruhmes genießend, hat überdies auch schöne Proben seiner Befähigung fürs Lehramt aufzuweisen …“ Im selben Jahr wurde Franz Liszt zum Ehrenmitglied dieses Vereins ernannt. Wie lange Vincens Maschek in Temeswar tätig sein wird, ist nicht bekannt. Es ist aber anzunehmen, dass er durch die Wirren der Revolution die Stadt verlassen und sich in Weißkirchen niedergelassen hat.  


Kirchenmusiker in Weißkirchen
Im Januar 1853 jedenfalls muss er schon in Weißkirchen als Regenschori tätig gewesen sein, da seine Messe für den Kinderverein in dieser Stadt mit dem 6. Januar 1853 datiert ist. Die Zeit als Regens-chori an der dortigen katholischen Pfarrkirche St. Anna war für Maschek mit vielen neuen Kompositionen verbunden. Hier schrieb er eine große Anzahl kirchenmusikalischer Werke, die er der „Bürgerschaft“ von Weißkirchen, dem Männergesangverein oder hohen und höchsten Würdenträgern auch außerhalb dieses Ortes gewidmet hat. Eine Messe samt Graduale und einem Offertorium widmete er noch im selben Jahr (1853) seinen Weißkirchner Mitbürgern: „Messe nebst Graduale und Offertorium componirt und der sehr geehrten römisch-katholischen Bürgerschaft von Weisskirchen hochachtungsvoll zugeeignet von Vincens Maschek, Organist an der r. k. Pfarrkirche in Weisskirchen“.

Aus der Weißkirchner Zeit stammen noch zwei größere Kompositionen, die nicht nur das beachtliche kompositorische Talent Mascheks beweisen, sondern auch vom hohen Niveau der Musikkultur dieser Kleinstadt zeugen. Wie man aus einem Großteil des Aufführungsmaterials feststellen kann, wurden diese Werke mehrmals öffentlich aufgeführt. Trotzdem war Maschek in seinem Amt als Regenschori dieser Kleinstadt nicht ganz glücklich. Dies beweist die Widmung seines Offertoriums „Tu totus est mirabilis an den Erzbischof“ von Erlau/Eger in Ungarn, Adalbert von Bartakowics.

Widmungen für das österreichische Kaiserhaus
Durch Vincens Maschek ist der Name der Stadt Weißkirchen bis in die Wiener Hofburg gelangt. Er war stets ein treuer Diener nicht nur der Bürgerschaft seiner Kirchengemeinde, sondern auch seines Königs, was seine nächste „Missa Solemnis“ beweist, die er zum „glorreichen Geburtstag“ Franz Josephs I. im Jahre 1856 komponiert hat. Es handelt sich dabei um eine umfangreiche Ordinariumsvertonung, die vermutlich nie erklingen konnte. Wie üblich, wurden solche Geschenke und Widmungen höchstens entgegengenommen und durch die Sekretäre und Bediensteten ad acta gelegt. Auch dieses Werk konnte in Wien entdeckt werden.

Die Österreichische Nationalbibliothek bewahrt ein weiteres wichtiges Werk Mascheks, ein „Ave Maria“, das als Autograph in Partiturform mit einem prunkvollen Einband versehen, nach Wien gesendet wurde. Gewidmet war es der „Kaiserlich-Königlichen Hof-Burg-Capelle“, und der Komponist unterschrieb mit „Vinzenz Maschek, gewesener k. k. prov. Grundbuchs-Actuar in Temesvár“. Auch dieses Werk wird in München am 30. Juni 2013 erstaufgeführt.

Damit ist die Zahl seiner musikalischen Widmungen aus dem Banat an das österreichische Kaiserhaus noch nicht abgeschlossen. So komponiert er auch einen gelungenen Defilier-Marsch nach Motiven aus der k.-k. Banater Militärgrenze und widmete ihn Kaiser Franz Joseph I. Kaiserin Elisabeth widmete Maschek ein kleines Klavierstück mit dem Titel „Romanische Weise“, nach rumänischen Motiven aus dem Banater Bergland. Hier unterschrieb er bereits als „Professor der Musik in Temesvár“. Im Jahre 1858 erreichte das Kaiserhaus in Wien eine weitere Komposition aus dem Banat, diesmal auf einem speziellen Notenpapier notiert, mit einem prachtvollen Einband und Goldschnitt versehen: „Wiegenlied, componirt und Sr. Majestät unseren allgeliebten Landesvater Franz Josef I. und Ihro Majestät unserer allgeliebten Landesmutter Elisabeth für Sr. kaiserlichen Hohheit den neugeborenen Prinzen in tiefster Dehmuth dargebracht von Vinzenz Maschek“. Der „neugeborene Prinz“ war Kronprinz Rudolf, der im Monat August 1858 zur Welt gekommen ist.  

Dass das Wirken so mancher Musiker im Banat konfessionsüberschreitend war, zeigt eine weitere kirchenmusikalische Widmung Mascheks an den Tschanader Domherrn Friedrich Konrad, die er mit der Signatur versah: „Vincenz Maschek, Gesanglehrer und Organist bei der israelitischen Synagoge zu Temesvár“.  

Auf den Spuren Mascheks in vielen Ländern
Es bedarf noch so mancher Schritte, um die Biographie des Banater Komponisten Vincens Maschek zu vervollständigen. Seine Spuren können heute in Rumänien, Serbien, Tschechien, Ungarn und Österreich verfolgt werden, wo seine Werke aufgeführt wurden. Betrachtet man seine Arbeiten etwas näher, so muss man feststellen, dass diese nicht nur eine Vielfalt von Gattungen aufweisen, sondern auch teilweise mit größter Hingebung geschaffen wurden. Als eine Besonderheit muss man seine musikalische Widmung an Königin Elisabeth betrachten: Der böhmische Musiker aus dem Banat widmete der Königin von Ungarn Variationen nach rumänischen Volksmusikthemen für das Klavier. Maschek gehört somit zu den ersten Musikern, die sich mit der rumänischen Folklore des Banats beschäftigt haben. Gleichzeitig weisen seine kirchenmusikalischen Schöpfungen nicht nur tiefgreifende Kenntnisse im kompositorischen Bereich, sondern auch ein gutes Gespür in der Vertonung liturgischer Texte auf. Nimmt man noch die Tatsache in Betracht, dass er nebenbei als Organist an der Temeswarer Synagoge wirkte, so haben wir es mit einem vielseitigen Banater Musiker zu tun, dessen Wirken bis heute – zu Unrecht – in Vergessenheit geraten ist.