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Banater Post

Alles Erschaute sofort in Sätze gebannt. Zum 30. Todestag des Dichters Peter Barth

Am 1. März jährte sich der Todestag des Dichters Peter Barth zum 30. Mal. Er hat ein umfangreiches lyrisches Werk hinterlassen, das aber nur zum Teil publiziert ist. Zu seinen Lebzeiten sind vier Gedichtbände erschienen: „Flammengarben“ (Temeswar 1933), „Die Erde bebt“ (Wien/Leipzig 1939), „Purpurnes Schattenspiel“ (Auswahl und Nachwort von Andreas A. Lillin, Bukarest 1971) und „Ich suche den Sommerpfad“ (Worte zum Geleit von Andreas A. Lillin, Temeswar 1975). Hans Matthias Just brachte in den neunziger Jahren zwei Bände in Temeswar heraus: „Flockenwirbel“ (1996) und „Schollenfirst“ (1998, zum 100. Geburtstag des Dichters). Von Norbert Franz Taugner ins Rumänische übersetzte Gedichte enthält die zweisprachige Ausgabe „Gedichte / Poezii“ (Reschitza 2007). Schließlich gab Dr. Matthias Plack 2011 eine „Unterm Himmel der Heimat“ betitelte Auswahl von Gedichten aus dem Nachlass Peter Barths heraus. Aus Anlass seines 30. Todestages veröffentlichen wir  die in dem Band „Ich suche den Sommerpfad“ erschienene autobiografische Skizze „Mein Lebensbild“ – die Rechtschreibung wurde beibehalten, Anmerkungen der Redaktion sind in eckige Klammern gesetzt – sowie ein bisher noch nicht veröffentlichtes Gedicht aus dem Nachlass, das uns
Dr. Matthias Plack zur Verfügung stellte. Der zuletzt erschienene Gedichtband „Unterm Himmel der Erde“ ist sowohl im Buchhandel als auch beim Herausgeber (Tel. 0711 / 72232833) für 7.90 Euro erhältlich.

Ich bin am 2. Juni 1898 in Blumental (Maşloc), im Banat, geboren. Meinen Vater verlor ich mit drei Jahren, als er erst achtundzwanzig Jahre alt war. Meine Mutter Margarete, geb. Mannherz, die über meine ersten Jahre wachte, war die Tochter des Schmiedemeisters Alois Mannherz. Der war ein gewissenhafter Urkundensammler und ein sehr belesener Mann. Schriften und Urkunden aus seiner Sammlung, von der Einwanderung aus Riegel im Breisgau, vom Jahre 1772 an – gut über hundert an der Zahl – sind in meinem Besitze. Sie beziehen sich auf meine Vorfahren, ihre Herkunft, die Einwanderung und Heimatgründung und ihr weiteres Schicksal.

Die Volksschule besuchte ich in Blumental. Mit zwölf Jahren kam ich, auf Betreiben des Dechants von Blumental, ins Radnaer Franziskanerkloster als Zögling. Von hier aus besuchte ich die Mittelschule in Lippa. Nach vier Jahren kam ich in das Noviziat nach Fünfkirchen (Pécs), wo ich ein Jahr verbrachte, sodann bezog ich die Theologie in Gyöngyös (im Matra-Gebirge) in Oberungarn. Während der Räteregierung verließ ich 1918 das Kloster und kehrte nach abenteuerlichen Zwischenfällen über Budapest, Arad und Temeswar nach Hause zurück.

Ich mußte nun alle Prüfungen samt der Reifeprüfung von neuem ablegen und entschloß mich dann, Pharmazie zu studieren. Das Praktikum von einem Jahr machte ich in der Blumentaler Apotheke. Von hier aus ging ich auf die Hochschule nach Cluj [Klausenburg, heute Cluj-Napoca], wo ich schon vom zweiten Jahr an Assistent und Laboratoriumsleiter auf der Toxikologie wurde. Meiner Aufsicht unterstanden alle praktischen Arbeiten, ich verfaßte als Mitwirkender ein Lehrbuch der Toxikologie und half an dem Buch „Die Geschichte der Pharmazie“ von Prof. Dr. Julius Orient volltätig mit, wozu ich die lateinischen Unterlagen übersetzte. Nach der Diplomprüfung war ich noch zwei Jahre Universitätsassistent, kam dann als Apothekeroberleutnant in das Militärspital nach Neumarkt in Siebenbürgen [Târgu Mureş], sodann nach Temeswar in die Diana-Apotheke, in welcher ich zwei Jahre lang tätig war.

Dann wurde der Posten des Leiters der Apotheke von Oţelul Roşu [Ferdinandsberg] frei, und ich übernahm die Apotheke zunächst als Pächter, später als ihr Eigentümer. Nach der Verstaatlichung blieb ich dort noch weitere drei Jahre als leitender Apotheker. In Oţelul Roşu verbrachte ich vierunddreißig Jahre. Dann kam ich 1966 nach Blumental, wo mir die Apotheke vier Jahre lang, bis zum Eintritt in den Ruhestand, anvertraut war.

Mich fesselten schon in früher Jugend Fragen des Schrifttums. Mutmaßlich habe ich die Zuneigung zum Dichten und Schreiben von meinem belesenen Großvater Alois Mannherz geerbt. Als Achtzehnjähriger begann ich in ungarischer Sprache Verse zu schreiben von denen ich noch die Ballade „Der alte Glöckner“ besitze. Auch verfaßte ich um die gleiche Zeit geschichtliche und philosophische Aufsätze, die in verschiedenen Zeitschriften erschienen.   

An der Hochschule in Klausenburg beschäftigten mich nebenbei auch verschiedene theoretische Fragen des Schrifttums. Vor allem aber begann ich die Schönheit meiner Muttersprache zu entdecken und zu pflegen. Der Prozeß des sprachlichen Umschaltens verlief dabei nicht glatt und widerstandslos. Daß ich mir mitten in einer Zeit der verschiedenen umstürzlerischen dichterischen Experimente auch noch die Aufgabe stellte, ein allgemeinverständliches, an klassischen Beispielen des Ebenmaßes ausgerichtetes Deutsch zu schreiben, erleichterte meinen Weg bestimmt nicht, doch wirkte es sich nach allen Richtungen der schöpferischen Arbeit nicht weniger experimental aus, als es der verwegenste Novatorismus getan hätte.

„Eure Sprache, Bäume, möchte ich verstehen, / was ihr fühlt und was euch tief bewegt / … / Und die schrillen Töne einer Dampfmaschine / … / Und das leise Wiegen und das zarte Biegen / einer Blume auf dem schlanken Stiel“, heißt es bezeichnend für mein Trachten in einem meiner Gedichte, wobei der Mensch – der verstehende Mensch – stets im Vordergrund bleibt. Und bei anderer Gelegenheit: „Ich möchte gern / mal hinter alle Dinge schauen“. Das ist bei meiner Naturverbundenheit und bei meinem Studiengang eben nicht anders. Und wenn auch das eine bestimmt auf archaische Bindungen zurückzuführen ist, so hat mir das andere die vielfachen Arkana [eingedeutschte Mehrzahl des lateinischen Wortes arcanum = ‚das Geheimnis‘, ‚das Geheimnisvolle‘] der Dinge dieser Welt stets vor Augen geführt, wovon ich in jedem meiner Gedichte zumindest einen winzigen Bruchteil aufschimmern zu lassen versuchte. Vollends aber entfaltete sich mein Drang zum Schreiben in Ferdinandsberg, wo ich Gedichte in einer ununterbrochenen Reihe zu schreiben anhub. Heute beziffert sich die Zahl meiner Arbeitsbücher nahezu auf hundert.

Alles, was ich sehe, erfahre, erschaue, was um mich und auch in der großen Welt geschieht, wird mir zum Anstoß, zur Quelle des steten Schaffens. Ich habe mich schon frühzeitig daran gewöhnt, alles Erschaute sofort in Sätze zu bannen, auch wenn ich beruflich sehr stark in Anspruch genommen wurde.
Nulla dies sine linea [Kein Tag ohne Ziel(linie)] war, ist und bleibt mein Normsatz.

Mich begeisterten Kunst, Malerei, Musik, aber auch festliche Veranstaltungen immer schon, und wenn ich es konnte, hatte ich immer frei und froh mitgewirkt. Freier Schriftsteller zu werden ist mir nie eingefallen, da ich meinen Beruf als Apotheker mit Liebe und Aufopferung ausübte und dabei viele Anregungen zum Schaffen erfuhr und erhielt, wobei ich meinem eigenen Wesen immer treu blieb und mich an den Wahlspruch hielt: Nolite tangere circulos meos! [Berühre meine Kreise nicht!]

Der Lenz ist da

Der Lenz ist da. Und wieder
erblüht der blaue Flieder.
Und Düfte wallen Ort um Ort
und lausch: Im Runde fort und fort
erschallen Lieder auf und nieder.

In hellem Glanzgeblende
ziehen über dem Gelände
die Wolken hin und her durchs Land,
und weitum recken Rand und Rand
die Bäume ihre Wipfelhände.

Grün leuchten weit im Runde,
am grauen Schollengrunde
die Saaten auf im Festtagskleid.
Und allerseit zeigt Herrlichkeit
sich mit dem Frühlingsglanz im Bunde.

Soweit die Blicke reichen
erblinkt es ohne gleichen.
Und alles reckt sich laut in Blust,
die Amsel sendet voller Lust
die hellen Rufe von den Eichen.

Und auf das Lenzgeschmetter
erscheinen alle Blätter
an jedem Strauch, an jedem Baum.
Verdüstert hat sich jäh der Raum,
der Schein verkündet Regenwetter.