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Banater Post

Pontifikalamt mit Weihbischof Reinhard Hauke

Viele Banater Schwaben aus der Rhein-Neckar-Region nahmen an der Wallfahrtsmesse in Oggersheim teil. Foto: Cornel Simionescu-Gruber

Die Gründe des Pilgerns zu einem heiligen Ort, an dem Gott in besonderer Weise seine Hilfe zeigt, sind vielschichtig. Im Kern ist es wohl die Sehnsucht, dem Geheimnis Gottes zu begegnen, aber auch dem Alltagstrott zu entfliehen, einmal seine Lebenszusammenhänge zu überprüfen und mit anderen Menschen einen zeitlich begrenzten „Ausnahmezustand“ zu erleben. Wallfahrer ziehen zu einem bestimmten Ort, an dem sie ihre Sorgen und Probleme gut aufgehoben wissen, an dem sie im Gebet, in einem besonderen Gottesdienst, in einer Meditation oder Andacht sich Gott und der Gottesmutter Maria zuwenden und deren Fürsprache erbeten können.

Die Wallfahrtskirche zum „Heiligen Haus in Loreto“ in Ludwigshafen-Oggersheim ist für viele Banater und donauschwäbische Landsleute, für Flüchtlinge, Vertriebene und Aussiedler aus der Rhein-Neckar-Region – und auch darüber hinaus – zu einem solchen Ort geworden. Nicht nur, weil diese Wallfahrtskirche gut erreichbar ist, sondern auch, weil es ein Ort ist, der spirituell intensiv wahrgenommen wird. In besonderer Weise können sich die Pilger hier mit ihren Anliegen, Problemen und Sorgen der Fürsprache der Gottesmutter Maria anvertrauen. Wichtig bei einer solchen Wallfahrt ist auch, dass die von Alter gezeichneten Landsleute, die nicht mehr mitfeiern können, diese Wallfahrt im Gebet begleiten. Auch dieses Jahr kamen am 4. Mai viele Pilger nach Oggersheim, um an der sechsten Aussiedlerwallfahrt in der Rhein-Neckar-Region teilzunehmen. Der Kirchenraum konnte zunächst gar nicht alle Wallfahrer fassen. Erst nachdem diese enger zusammenrückten, fanden alle Pilger in der Kirche Platz. Eingeladen hatte das Gerhardsforum Banater Schwaben zusammen mit dem Beauftragten für die Aussiedlerseelsorge, Pfarrer Paul Kollar.

Zur Zelebration des Gottesdienstes kam Weihbischof Dr. Reinhard Hauke aus Erfurt, Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für die Vertriebenen- und Aussiedlerseelsorge, nach Oggersheim, und somit wurde der Gottesdienst zu einem Pontifikalamt. Weihbischof Dr. Reinhard Hauke ging in seiner Predigt von den Lesungen aus und rief die Gottesdienstbesucher auf, das Leben der Flüchtlinge, Vertriebenen, Aus- und Übersiedler mit dem anderer Menschen zu vergleichen. Wörtlich sagte er: „Das Leben bedeutet mehr als der gerade Verlauf einer Biografie. Es bedeutet auch mehr als die Sicht, die Außenstehende auf uns haben können. Wir können verwundert sein über die Unterschiedlichkeit der Lebenswege. Bei aller Unterschiedlichkeit der Lebenswege ist das Leben das Gefühl und die Gewissheit, geliebt und gebraucht zu werden. Leben ist, in guten Beziehungen zu anderen Menschen und zu Gott zu stehen. Leben bedeutet,  mit Freud und Leid bewusst und angemessen umgehen zu können. Leben bedeutet, Jesus nachzufolgen, indem wir hören, was er gesagt hat und versuchen, das zu tun, was er getan hat. Leben bedeutet, zu spüren, die Verkündigung der Jünger bleibt keine einmalige Geschichte. Gott zeigt jedem von uns die Wege zu seinem Leben. Und dieses Leben der Nachfolge Jesus soll durch uns für andere erfahrbar werden.“

Konzelebranten waren Visitator emeritus EGR Msgr. Andreas Straub und Pfarrer Paul Kollar, Geistlicher Beirat des Gerhardsforums. P. Darek Bryk, Prior des Minoritenklosters, grüßte die Wallfahrer herzlich. Bei diesem Gottesdienst wurde Pfarrer Paul Kollar – in der Nachfolge der Visitatoren für die Seelsorge an den Donauschwaben und Deutschen aus Südosteuropa – in seine Aufgabe als Präses des Gerhardsforums und Aussiedlerseelsorger eingeführt. Seit dem Tod des letzten Visitators, Egmont Franz Topits, Anfang dieses Jahres, teilt er sich diese Arbeit mit Pfarrer Peter Zillich aus Regensburg.

Auch die Fahnenabordnungen verschiedener Banater Heimatortsgemeinschaften verliehen dem Gottesdienst einen feierlichen Rahmen. Vertreten waren die HOG Ebendorf durch Albert Meixensberger, die HOG Lenauheim durch Werner Griebel, die HOG Neupanat durch Richard Jäger und Michael Henritzi und die HOG Wetschehausen durch Walter Landsmann. Dem Gottesdienst wohnten auch Vertreter landsmannschaftlicher Verbände bei: seitens der Landsmannschaft der Banater Schwaben der stellvertretende Bundesvorsitzende Jürgen Griebel, der Ehrenbundesvorsitzende Bernhard Krastl sowie der Mannheimer Kreisvorsitzende und stellvertretende Landesvorsitzende von Baden-Württemberg Richard Jäger, seitens der Donaudeutschen Landsmannschaft Rheinland-Pfalz deren Ehrenlandesvorsitzender Josef Jerger.

Musikalisch gestaltet wurde dieser Gottesdienst vom Frankenthaler Singkreis und dem Blasorchester „Pfalzklang“ aus Frankenthal. Katharina Eicher-Müller, die Leiterin des Singkreises, hatte den musikalischen Teil des Gottesdienstes, das Marienliedersingen und die Lieder der Maiandacht mit dem Chor schon lange vorbereitet und kompetent geleitet. Instrumental haben der Organist Albert Schankula und das Blasorchester „Pfalzklang“ den Gottesdienst würdevoll begleitet. Letzteres hat anschließend viel Stimmung in die  Räume des Treffens gezaubert. Der Einzug der Geistlichen wurde von einer Gruppe von acht Erstkommunionkindern aus der Pfarrei St. Bonifatius Mannheim angeführt. Großen Anklang fand auch das von Johanna Jäger vorgetragene Mariengedicht.

Im Anschluss an den Gottesdienst gab es die Gelegenheit, an einem gemeinsamen Mittagessen mit anschließendem Kaffee und Kuchen teilzunehmen und sich mit Freunden und Bekannten zu unterhalten. Eine riesige Kuchentheke mit von Landsleuten gespendeten Torten, Kuchen und Kleingebäck hat den Tag auf eine besondere Weise versüßt. Dank des Einsatzes vieler hat sich auch diesmal verwirklichen lassen, was Wunsch vieler war: Gemeinschaft Gleichgesinnter zu erleben und die Liebe zu Maria, der Mutter Jesu, in ihrer Seele tief zu verankern. Ihnen allen sei herzlichst gedankt. Von solchen Begegnungen darf man wieder für lange Zeit zehren, zumindest bis zur nächste Wallfahrt am 10. Mai 2015.