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Banater Post

„Mir rede schwowisch“ − einen ganzen Tag lang

Dr. Hans Dama mit einer Gruppe von Landsleuten aus Großsanktnikolaus (Zweite von links Forumsvorsitzende Dietlinde Huhn) beim sechsten Mundarttreffen im Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus in Temeswar. Einsender: Hans Dama

Am 22. Oktober fand im Temeswarer Adam Müller-Guttenbrunn-Haus ein vom Demokratischen Forum der Deutschen in Temeswar organisiertes Mundarttreffen unter dem Motto „Mir rede schwowisch“ statt. Initiiert und koordiniert hatte diese Veranstaltung die Vorsitzende des Temeswarer Forums, Helen Alba-Kling, die seit vielen Jahren die wöchentliche „Pipatsch“-Seite in der „Banater Zeitung“ gestaltet und auch mit ihrer Rubrik „Daheim und unterwegs“ in der Deutschen Sendung von Radio Temeswar dafür sorgt, dass die banatschwäbischen Mundarten nicht in Vergessenheit geraten. Es war bereits das sechste Treffen dieser Art.

Das Mundarttreffen erfreute sich großen Interesses, denn aus allen Teilen des Banats – aus Temeswar, Hatzfeld, Großsanktnikolaus, Lugosch, Detta, Billed, Alexanderhausen, Lovrin, Tschanad, Schag, Bogarosch, Warjasch, Lenauheim, Johannisfeld, Kleinbetschkerek, Orzydorf, Perjamosch, Rekasch, Bakowa, Sankt-anna und anderen Ortschaften – waren Mundartsprecher wie auch Tanz- und Theatergruppen gekommen, um Geschichten und Schwänke in ihrer jeweiligen Ortsmundart sowie banatschwäbische Tänze zum Besten zu geben. Auch einige ausländische Gäste wohnten der Veranstaltung bei, so Dr. Hans Dama aus Wien oder Raimond Tullius aus Los Angeles/Kalifornien in Vertretung seines 82-jährigen, in Kanada lebenden Vaters Nikolaus Tullius.

Bei dieser Gelegenheit wurde dessen Buch „Gschichte vun drhem“ vorgestellt, in dem der Autor Erinnerungen und Geschichten in seiner Schanderhaaser Mundart zusammengetragen hat. Das Buch wurde mit Unterstützung des Departements für Interethnische Beziehungen im Generalsekretariat der Regierung Rumäniens durch das Demokratische Forum der Deutschen in Temeswar veröffentlicht. Die darin enthaltenen Geschichten gehen zum Teil unter die Haut, vor allem jene, die sich in der Kriegs- und unmittelbaren Nachkriegszeit abgespielt und den Banater Schwaben schwer zugesetzt haben. Als betroffener Jugendlicher – die Mutter ist in der Deportation in der Sowjetunion umgekommen, der Vater war nach der Gefangenschaft nach Kanada gelangt – musste sich Nikolaus Tullius, dem in jenen Jahren allein die Großmutter Stütze war, selbst durchschlagen. Nach abgeschlossenem Ingenieurstudium in Temeswar gelang es ihm 1961, nach Kanada auszureisen. Obwohl er seit mittlerweile 56 Jahren dort lebt, klingt die Wehmut nach der verlorenen Heimat in seinen Geschichten überall mit.

Nikolaus Tullius wurde bei dem Mundarttreffen in Temeswar eine besondere Ehre zuteil. Der Gemeinderat seines Heimatortes Alexanderhausen hatte ihm den Titel eines Ehrenbürgers verliehen. Raimond Tullius nahm für seinen Vater die Plakette und Urkunde aus der Hand von Bürgermeister Savu Luchian entgegen und verlas dann eine Grußbotschaft des Gewürdigten. Nikolaus Tullius, der tags darauf 82 Jahre alt wurde, bedauerte, nicht mitfeiern zu können. „Der heutige Tag ist aber das schönste Geschenk, das ich mir hätte wünschen können“, gestand er. Dem Temeswarer Forum dankte er für die tatkräftige Unterstützung bei der Veröffentlichung seines Buches. Für die Anerkennung und Auszeichnung als Ehrenbürger von Alexanderhausen sprach Tullius dem Bürgermeister und dem Gemeinderat seines Geburtsortes seinen Dank aus.

Neben der Buchpräsentation und dem Festakt für Nikolaus Tullius stand am Vormittag „Freies Verzähle in Mundart“ auf dem Programm. Eingangs gab Hans Dama in seiner Semikloscher Mundart Anekdoten und lustige Begebenheiten zum Besten, die auf das Publikum im prall gefüllten Karl-Singer-Saal des Adam-Müller-Guttenbrunn-Hauses aufheiternd wirkten. Anschließend steuerten Monika Ernst (Bogarosch), Dietlinde Huhn (Großsanktnikolaus), Helmut Weinschrott (Bakowa), Ignaz Bernhard Fischer (Bakowa), Anneliese Căpraru (Johannisfeld), Monika Ernst (Bogarosch) und Annemarie Podlipny-Hehn (Temeswar/Lovrin) lustige Geschichten bei, die von den Zuhörern dankbar angenommen wurden.

Am Nachmittag – nach einem gemeinsamen „schwowische Mittach-esse“ – führte Astrid Kataro, Schülerin der zehnten Klasse der Temeswarer Lenauschule durch das Programm. Zunächst sorgte die „Sunntachsreih“ Bogaroscher Schwäbinnen – Monika Ernst, Karina Reitsch, Anneliese Căpraru und Anneliese Mocanu – für gute Laune. Den Text dieser „Kumedi for e guti Sach“ hatte Monika Ernst verfasst, Regie führte Karina Reitsch, Dozentin an der Temeswarer Theaterhochschule. Danach steuerte der elfjährige Mario Theissen aus Hatzfeld zwei Gedichte von Josef Gabriel d. Ä. und Johann Szimits bei.

Der darauf folgende Programmpunkt stand ganz im Zeichen des Volkstanzes und der „schwowisch Tracht“. Mit ihren Tanzdarbietungen brachten die „Warjascher Spatzen“ unter der Leitung von Hansi Müller und Monika Lazea sowie die befreundeten Gruppen „Billeder Heiderose“, „Hatzfelder Pipatsche“ und „Buntes Sträußchen“ aus Großsanktnikolaus richtig Schwung auf die Bühne. Zunächst zeigten die Tänzerinnen und Tänzer, wie in verschiedenen Banater Ortschaften früher Polka getanzt wurde, anschließend führten sie gemeinsam zwei Tänze vor. Begleitet wurden die Tanzdarbietungen von den „Banater Musikanten“.

Nachdem Karina Reitsch zwei Gedichte in Kleinbetschkereker Mundart des in Forchheim lebenden
Autors Nikolaus Schmidt vorgetragen hatte, präsentierte Tanzlehrerin Hannelore Ullrich mit ihrer Seniorentanzgruppe „Bunter Herbstreigen“ eine interessante, auf die Jahreszeit abgestimmte Weise. Die Seniorinnen vom Temeswarer Deutschen Forum stellten unter Beweis, dass die Tanzbegeisterung auch noch im Alter anhält.

„Die Weinkenner“ brachten sodann einen lustigen Sketch auf die Bühne. Es ging dabei darum, welcher Wein wohl der bessere sei: der Bakowaer oder der Jahrmarkter. Bald entspann sich ein Gezänke zwischen den beiden Weinkennern Alexander Dohinca und Hansi Müller, dem letztlich der Kellner, „Vetter Juri aus Hatzfeld“, ein Ende setzte. Er hatte nämlich herausgefunden, welcher Wein besser mundet.

Und schließlich durfte bei einer schwäbischen Veranstaltung die Blasmusik nicht fehlen: Die „Banater Musikanten“ – eine im Frühjahr 2017 gegründete Kapelle des Banater Forums unter der Leitung von Iosif Dorel Antal – spielten zum Ausklang des Tages mit beschwingten Melodien, gesungen von Renate Binkitsch, zum Tanz auf.