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Banater Post

Das Leben ist ein irrwitziger Film

Die intellektuelle Neugier an den einfachen Dingen, an den Begebenheiten des Lebens ist für den in
Reschitza geborenen Schriftsteller Jan Cornelius eine Selbstverständlichkeit. Als Lehrer und Rundfunkjournalist hat er früh seine Sicht der Dinge in satirischen Rundfunkbeiträgen, Prosatexten oder auch in Kinderbüchern kundgetan. Über seine Ausreise aus Rumänien 1977, die unter dem Druck des damaligen kommunistischen Systems erfolgte und wie ein kleines Abenteuer klingt, das „recht sonderbar und schlicht unglaublich war“, schreibt er in seinem 2013 erschienenen
Roman „Narrenstück oder das Wundern des Dolmetschers beim Betrachten der Welt“. Zu den Konferenzen Ceauşescus ist beispielsweise zu lesen: „Dort erteilte der Diktator unzählige Zukunftsdirektiven und erklärte in dem stundenlangen Monolog eines Irren, was die Bevölkerung alles zu tun hatte, damit sie zu neuen Gipfeln der Glückseligkeit gelange. Die Anwesenden nickten und applaudierten derart begeistert, dass die heimatliche Trikolore mit dem kommunistischen Wappen nur so flatterte.“

Der realistische Blick des Dichters wird stets vom Sarkasmus des Betrachters durchstreift, von der Ironie der selbstgefälligen Sichtweise bloßgestellt. Jan Cornelius entgeht nichts aus seiner Umgebung. Er sieht in Menschen, Orten, Begegnungen und Begebenheiten stets eine Gelegenheit, das Leben komisch zu finden. Hinter dieser Komik entdeckt man aber stets auch das tragikomische Gefühl des Schreibenden, seinen kritischen Blick auf die Gesellschaft. Sein „Narrenstück“ wurde von der „Berliner Zeitung“ als „der aberwitzigste Roman des Frühjahrs 2013“ bezeichnet.

2017 erschien in der Edition PalmArtPress Cornelius’ neues Buch „Chaplin wird Zweiter“. Als Motto dafür hat der Autor eine Aussage von Charlie Chaplin ausgewählt: „Filmemacher sollten bedenken, dass man ihnen am Tag des Jüngsten Gerichts all ihre Filme wieder vorspielen wird.“ Tatsächlich verbindet der
Autor viele Erlebnisse des Buches mit einem Film: James Whales „Frankenstein“, Francis Ford Coppolas „Pate“, Sergio Leones „Spiel mir das Lied vom Tod“, Alfred Hitchcocks „Bei Anruf Mord“, Stanley Kramers „Narrenschiff“, Jodie Fosters „Das Wunderkind Tate“, „Cap und Capper“, „101 Dalmatiner“, „e-m@il für Dich“, Radu Judes „Aferim!“ usw. Selbst die Überschriften der Unterkapitel haben einen filmischen Bezug. Das Leben ist eben ein Kino („Das Leben ist ein Film“, so eine Kapitelüberschrift), und Jan Cornelius steht mittendrin.

Im Vorwort „Kishon, Jan Cornelius und ich“ schreibt der Autor: „Heute fühle ich mich sowohl im Osten als auch im Westen wohl, und manchmal weder hier noch dort. Zwischen allen Stühlen der Welt sitzt der Emigrant auf seinem selbstgebastelten Sessel.“ In „absurden, irrwitzigen Sequenzen“ schildert er Begegnungen aus Reschitza, Jassy, Düsseldorf, auf Reisen nach Peru, Frankreich, in die Schweiz usw. Man kann nur staunen über all die Animositäten dieser Welt, die der Autor ins Visier nimmt. Seine Geschichten in klarer Sprache, kurzen Dialogen und humoristischen Anspielungen auf Sein und Dasein, auf Alltag und Geschehen sind denen von Ephraim Kishon ähnlich. Cornelius nimmt sich selbst auf die Schippe wie auch seine Familie – ob Mutter, Ehefrau oder Tochter – oder seine Freunde. Jede Situation erschließt eine gewisse Komik. Jan Cornelius hat sich für den komischen Blick auf diese irrwitzige Welt entschieden. Und der Leser darf sich an seinen Erzählungen erfreuen, die lebendig geschrieben sind, so dass auch vor unseren Augen alsbald ein Film abrollt.

Um mit seinen Worten zu schließen: „Ich wusste nicht, ob ich nun weinen oder lachen sollte, ich kam mir vor wie der Protagonist einer merkwürdigen Inszenierung, die gleichzeitig in der Vergangenheit und der Gegenwart spielte.“ So geht es auch dem Leser seiner Geschichten.   

Jan Cornelius: Chaplin wird Zweiter. Berlin: PalmArtPress, 2017. 220 Seiten. ISBN 978-3-941524-83-5. Preis: 19,90 Euro.