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Banater Post

Großartige Bilder einer faszinierenden Stadt

Die Ideen scheinen Ilse Hehn nicht auszugehen, genauso wie die Zielstrebigkeit, mit der sie diese kreativ und einfallsreich umsetzt. Davon zeugt insbesondere ihr letztes Buch, das nunmehr neunzehnte in ihrem Publikationsverzeichnis. Mit dem Ende vergangenen Jahres im Gerhard Hess Verlag erschienenen Bildband „Ulm erleben“ ist der in der Donaustadt lebenden Autorin, bildenden Künstlerin und Fotografin ein großer Wurf gelungen.

Bereits 2015 hatte Ilse Hehn einen vielbeachteten Bildband über das Ulmer Münster, das Wahrzeichen
ihrer Wahlheimat, veröffentlicht, in dem sie eindrucksvolle Fotografien mit ausgewählten Gedichten Rainer Maria Rilkes verbindet. Nun legt sie einen weiteren Bildband vor, der diesmal die ganze Stadt mit ihrer Vergangenheit und Gegenwart, ihren Sehens- und Merkwürdigkeiten, ihren bekannten und unbekannten Seiten, ihren Geschichten und Geheimnissen mittels großartiger farbiger Bilder
sowie informativer und tiefsinniger Texte ins Blickfeld rückt. Es ist ein außergewöhnliches, grafisch hervorragendes und mit  280 Seiten auch umfangreiches Werk im Querformat 28 x 21 cm. Es sei eine „wunderbare Hommage an Ulm“, „fast eine Art Liebeserklärung, die die vielfach ausgezeichnete Schriftstellerin und Künstlerin ihrer neuen Heimat hier macht“, schreibt Ulms Kulturbürgermeisterin Iris Mann in ihrem Geleitwort. Der Journalist und Verleger Horst Wörner bezeichnet das Buch zu Recht als einen „Edelstein unter der Masse an Literatur über Ulm“.

Ilse Hehn nimmt den Betrachter mit auf eine Reise durch Ulm und spannt dabei einen zeitlichen Bogen von 854, dem Jahr, als Ulm zum ersten Mal urkundlich erwähnt wird, bis in die Gegenwart. Ihre Bilder sind eine Augenweide; man merkt, dass hier jemand am Werk ist, der sein Handwerk meisterlich beherrscht und den fotografischen Blick für Motive hat. In Ulm herrscht kein Mangel an markanten Bauwerken, seien es solche, in denen die Geschichte vergangener Jahrhunderte atmet, seien es bedeutende Zeugnisse moderner Architektur. Hehn hält alles Sehenswerte mit der Kamera fest. Durch ungewöhnliche Perspektiven lässt sie Gebäude, Fassaden, Giebel, Türme in einem ganz neuen Licht erscheinen und erzielt damit eine maximale Bildwirkung. Und sie fokussiert immer wieder auf Details, die gewöhnlich übersehen werden: plastische Werke, Malereien, Ornamente usw.

Doch nicht nur die einzigartige  Architektur hat es der Fotografin angetan, sondern auch die Landschaft, die Natur. Sie verweilt in dem idyllisch an der Mündung der Blau in die Donau gelegenen Fischerviertel, führt uns entlang der majestätisch fließenden Donau und streift durch die ausgedehnten Grünanlagen und Friedhöfe der Stadt – und dies in allen Jahreszeiten. Sie fängt das prächtige Farbenspiel der Vegetation in ihren Bildern ein und erspürt dabei die Poesie der Natur. Es sind Bilder von unbeschreiblicher Schönheit und besonderer Ausdrucksstärke. Stimmungsvoll sind auch die Nachtaufnahmen, die Alex Constantin Hehn, der Sohn der Künstlerin, beigesteuert hat. Bilder der nächtlichen Silhouette Ulms beschließen denn auch den Band. Sie seien Zeugnis „von der Magie der Stadt und einem uralten Kulturboden, der bei allem Wandel Bleibendes und Beständiges schenkt“.

Ilse Hehns Band „Ulm erleben“ ist jedoch nicht nur ein farbenfrohes Bilderbuch, sondern auch ein interessantes Lesebuch, das Einheimischen wie Besuchern kurzweilig und unterhaltsam Geschichte und Geschichten der einstigen Reichsstadt und ihrer wichtigsten Bauwerke nahe bringt. Die Bildunterschriften sind originell und muten geradezu poetisch an, die textlichen Erläuterungen sind zwar knapp gehalten, vermögen jedoch eine Fülle an Informationen zu vermitteln und die wechselvolle Historie der Stadt nachvollziehbar zu machen. Die Autorin zitiert aus mittelalterlichen Urkunden, aus Felix Fabris „Tractatus de civitate Ulmensi“ (1488/89), der ältesten erhaltenen Chronik der Stadt, oder aus Reisebeschreibungen und Zeitungsberichten, sie erzählt ortsgebundene Sagen, Legenden und Anekdoten. Dergestalt setzt Hehn Bild und Wort zueinander in Beziehung und findet einen persönlichen fotografisch-literarischen Zugang zu der Stadt, in der sie seit 1992 lebt.

Die Banater Schwaben haben eine besondere Beziehung zu der Stadt, die Ilse Hehn in ihrem neuen Buch so beeindruckend porträtiert. Ulm war im 18. Jahrhundert Dreh- und Angelpunkt der Auswanderung ihrer Vorfahren donauabwärts in den Südosten Europas, Ulm ist seit gut vier Jahrzehnten Austragungsort der großen Heimattage der Banater Schwaben und seit 1998 auch ihre Patenstadt. Hehns Bildband bietet jedem Interessierten die Möglichkeit, Ulm näher kennen zu lernen, die faszinierende Stadt (neu) zu entdecken und zu erleben. Ein Buch als Erinnerungsstück, ein Buch zum Verschenken.

Ilse Hehn: Ulm erleben. Mit einem Geleitwort von Iris Mann. Bad Schussenried: GHV, 2016. 281 Seiten. ISBN: 978-3-87336-590-2. Preis: 24,80 Euro.