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Banater Post

Familienbuch Freidorf: Mehr als ein bloßes Nachschlagewerk

Am 18. Oktober dieses Jahres jährte sich die Rückeroberung der Festung Temeswar von den Türken zum dreihundertsten Male. Am 18. Oktober 1716 war Prinz Eugen von Savoyen in die Stadt eingezogen, und als er noch im gleichen Monat wieder aufbrach, setzte er Franz Anton Paul Graf Wallis von Karighmain als Festungskommandant ein. Auf den Feldern südwestlich der Festung, auf denen Graf von Wallis einen Gemüsegarten hatte anlegen lassen, entstand 1719/20 alsbald eine Siedlung, für die er deutsche Kolonisten anwarb. Die Ansiedlung selbst nannte er Freidorf, und unter diesem Namen ist der Ort heute der 7. Bezirk der Großstadt Temeswar.

Freidorf, das unmittelbar infolge der Eroberung des Banats entstand, war somit einer der allerersten Orte im Banat, für die deutsche Siedler angeworben worden sind. Der Ort hat sich rasch entwickelt, denn bereits 1723 hat er einen eigenen Seelsorger, der mit der Führung der Kirchenmatrikeln begann. Elfriede und Richard Zahner haben die Mühe auf sich genommen, die Daten dieser Kirchenbücher von den Anfängen 1723 bis in das Jahr 2005 in einem Familienbuch zusammenzufassen. Dieses Buch, in dem 7603 Familien und Einzelpersonen erfasst sind, ist mehr als ein bloßes Nachschlagewerk: Es ist eine besondere historische Quelle, die das Bild einer längst vergangenen Welt wiedererstehen lässt und es möglich macht, familiäre, soziale und politische Zusammenhänge über einen längeren Zeitraum zu verfolgen. So sind in den Freidorfer Kirchenbüchern alle verzeichnet, die ihren Weg hierher gefunden haben, die, welche freiwillig auf der Suche nach einem besseren Leben gekommen sind, wie auch diejenigen, die einst aus politischen Gründen an die Peripherie des Reiches verbannt worden waren. Ihnen allen und ihren Nachkommen ist Freidorf Heimat geworden.

Die Nähe zur Stadt mit dem Sitz der Landesverwaltung und die bereits gefestigte Infrastruktur machten Freidorf vor der systematisch angelegten Kolonisation unter Maria Theresia in den sechziger Jahren des 18. Jahrhunderts oft zur ersten Anlaufstelle für Neuankömmlinge im Banat. Da viele dieser frühen Siedler alsbald in andere Orte weiterzogen, hat das Familienbuch Freidorf zentrale Bedeutung für die Familienforschung im Banat und diese Bedeutung sollte es aufgrund seiner geographischen Nähe zur Stadt auch nie verlieren. In den Kirchenmatrikeln spiegelt sich denn auch die gesamte Geschichte des Dorfes vom Entstehen der Ansiedlung, ihrem Anwachsen zu einem deutschen Dorf und seinem Aufblühen bis hin zu den Spuren der Kriegs- und Deportationsjahre nach 1945 und dem allmählichen Verschwinden der Deutschen aus Freidorf.

Mit ihrer Arbeit, die das Vorgängerwerk von Anton Krämer einbezieht, der seinerzeit noch mit wesentlich weniger Daten arbeiten musste, haben Elfriede und Richard Zahner buchstäblich die Geschichte der Freidorfer eingefangen und für die Nachwelt festgehalten. Sie dokumentieren damit ein wichtiges Stück Banater Geschichte, das dem Einzelnen hilfreich sein wird, seine Vorfahren zu finden, dem Historiker aber die Möglichkeit bietet, seine Thesen auf eine breite Quellenbasis zu stellen.

Elfriede und Richard Zahner: Familienbuch der katholischen Pfarrgemeinde Freidorf im Banat und ihrer Filialen 1723–2005, hrsg. vom Arbeitskreis donauschwäbischer Familienforscher (AKdFF), Sindelfingen 2016. 2 Bände (Hardcover mit Fadenheftung), 1688 Seiten mit ausführlichen Indices. Preis: 85 Euro. Bezug: AKdFF, Goldmühlestraße 30, 71065 Sindelfingen, Tel. 07031 / 7937636, E-Mail info@akdff.de