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Banater Post

Medaillon am Prinz-Eugen-Haus in Temeswar restauriert

Die fachgerechte Restaurierung des Medaillons erfolgte auch mit finanzieller Unterstützung durch die Landsmannschaft der Banater Schwaben.

Das Medaillon ist über dem Eingang des Prinz-Eugen-Hauses angebracht. Einsender der Fotos: Peter Krier

Der 18. Oktober 1716 ist ein denkwürdiger Tag in der Geschichte Europas. Mit dem Sieg des von Prinz Eugen geführten kaiserlichen Heeres bei Temeswar und der Befreiung der 164 Jahre von den Türken beherrschten Stadt war ein wichtiges Etappenziel der Zurückdrängung der Türken aus den Donauländern erreicht. Nach dem erneuten glänzenden Sieg Prinz Eugens im August 1717 bei Belgrad mussten die Türken im Friedensvertrag von Passarowitz (1718) das Banat, Nord-Serbien und Nord-Bosnien und die Kleine Wallachei an das Kaiserreich abtreten. Das Vordringen der Türken nach Mitteleuropa war damit endgültig gestoppt, Österreich hatte seine größte territoriale Ausdehnung erreicht und wurde zur europäischen Großmacht.

Nach 42-tägiger Belagerung und der Erstürmung der großen Palanka und einiger Bastionen sowie der Zurückschlagung eines türkischen Entsatzheeres hissten die Türken am 12. Oktober 1716 die weiße Fahne. Sie waren besiegt. Prinz Eugen sicherte ihnen bei den Kapitulationsverhandlungen freien Abzug zu. Sie durften mit ihren Angehörigen und ihrer Habe die Festung verlassen, zurücklassen mussten sie ihr gesamtes Kriegsgerät und ihre Reserven an Lebensmittel. Den Einwohnern wurde freigestellt zu bleiben oder mit den Türken die Stadt zu verlassen. Am 16. Oktober zogen die Türken mit den ihnen folgenden Stadtbewohnern aus der Festung. Dabei soll es zu jener Begegnung gekommen sein, bei der der abziehende Stadtkommandant, Pascha Mustafa, Prinz Eugen einen weißen Araberhengst schenkte und dieser sich mit einer goldenen Uhr revanchierte.

Am 18. Oktober, an seinem 54. Geburtstag, zog der siegreiche Feldherr an der Spitze seines Heeres durch das Foforoser Tor in die Festung Temeswar ein. Empfangen wurde er mit hundert Salutschüssen, mit Trompetenschall und Vivatrufen der Bevölkerung. Die Nachricht vom Sieg bei Temeswar verbreitete sich sehr schnell in ganz Europa, war es doch ein Sieg der Christenheit über den nach Europa drängenden Halbmond. Prinz Eugens Ruf als Feldherr erreichte, auch in Anbetracht seiner vorangegangenen Siege, seinen Höhepunkt. Das bis dahin auch Szegediner oder Hahnentor genannte Forforoser Tor wurde ab nun Prinz-Eugen-Tor genannt, es sollte als „ewiges Denkmal“ vom Sieg des Prinzen Eugen künden.

Als einige Jahre später unter dem Gouverneur Claudius Florimund Graf Mercy und dem Festungskommandanten Franz Paul Graf Wallis die Stadtbefestigung im Vaubanstil erneuert und erweitert wurde und die anderen drei Tortürme der Türkenzeit abgetragen wurden, blieb das Prinz-Eugen-Tor, nun innerhalb der Stadtbefestigung, stehen. Für die folgenden hundert Jahre gibt es zur Geschichte des Tores unterschiedliche Angaben. Einhellig wird berichtet, dass sich in der Zeit von 1755 bis 1760 hier ein jüdisches Bethaus mit zwei Räumen für die beiden Riten (Aschkenasim und Serafim) befand. Laut einer Beschreibung von Dr. István Berkeszi wurde der Torturm 1817 abgetragen, das gleiche schreibt auch Anton von Hammer. In seiner Geschichte Temeswars führt Dr. Nicolae Ilieşu an, dass das Haus zum Prinzen Eugen 1817 erbaut worden sei.

Dagegen schreibt der Journalist und Historiker Franz Liebhard in der „Neuen Banater Zeitung“ vom 22. Dezember 1973, dass laut Eintragung im Grundbuch der Festung ein gewisser Michael Zacher das Haus am 19. Dezember 1804 ersteigert habe. Liebhard, der sich auf Quellen im Wiener Staatsarchiv beruft, vermerkt, dass das Haus schon 1767 erbaut worden sei. Temeswarer Archäologen haben in diesem Sommer festgestellt, dass an der Stelle des Hauses Nr. 24 in der Prinz-Eugen-Straße tatsächlich ein Stadttor gestanden hat. Dieser Torturm war baufällig geworden. Um Geld für die Renovierung und Instandhaltung des „Denkmals“ zu sparen, hat die Stadtverwaltung beschlossen, den Turm zu veräußern. So wurde der Turm unentgeltlich versteigert und kam in den Besitz des Tischlermeisters Anton Müller, mit der Verpflichtung, diesen in gutem Zustand zu erhalten. Aber auch Müller musste bald feststellen, dass er sich in seiner Begeisterung übernommen hatte. In einem Antrag an die Stadt beschrieb er, wie baufällig der Turm sei, aus einer Ecke wären die Ecksteine heruntergefallen, das Dachgebälk sei morsch und einsturzgefährdet. Müller wollte den Turm loswerden und beantragte, anstelle des Turmes ein Haus bauen zu dürfen. Er argumentierte dabei mit den Steuereinnahmen, die die Stadt zu erwarten habe, wenn dort ein Mehrfamilienhaus gebaut würde. In Abstimmung mit der Landesadministration wurde seinem Antrag durch die Baukommission stattgegeben. Müller musste zusichern, die Fassade des Turmes in ihrer Form zu erhalten und das zu erbauende Haus mit einer sich auf das geschichtliche Ereignis – Einzug Prinz Eugens in Temeswar – beziehenden Inschrift zu versehen. Demnach wurde das Haus wahrscheinlich 1767 erbaut und das barocke Medaillon über dem Hauseingang angebracht.

Seit Anfang des 19. Jahrhunderts sind die Eigentümer des Hauses belegt. Nicht belegt ist hingegen, wie oft das Medaillon renoviert, übertüncht und nochmals übermalt wurde. Seit Jahren war es dem Zerfall preisgegeben, was eine Restaurierung dringend geboten erscheinen ließ. Auch die Inschrift auf dem Medaillon konnte nicht geklärt werden, weshalb sich der Restaurator Ion Oprescu mit den Zuständigen des Amtes für Denkmalschutz darauf geeinigt haben, nur das wiederzugeben, was eindeutig erkennbar war. Ausgeführt wurde die Renovierung bzw. der Neuguss des Medaillons aus einem licht- und temperaturunempfindlichen Material. Die Restaurierung dieses Geschichts- und Kulturdenkmals erfolgte auf Initiative des Hilfswerks der Banater Schwaben, mit materieller Unterstützung durch den Bundesvorstand der Landsmannschaft der Banater Schwaben und das Haus des Deutschen Ostens München. Ausführender war das Banater Museum Temeswar. Zur dreihundertsten Wiederkehr der Befreiung Temeswars ein Zeichen der Verbundenheit mit unserer Geschichte.